Wettbewerb spielt eine Rolle

Warum sich die Spritpreise von Ort zu Ort so stark unterscheiden

Tanken ist derzeit besonders teuer: Vor einem Jahr kostete der Liter Diesel durchschnittlich noch 30 Cent weniger.
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Tanken ist derzeit besonders teuer: Vor einem Jahr kostete der Liter Diesel durchschnittlich noch 30 Cent weniger.

Es ist ein dauerndes Auf und Ab: Die Spritpreise wechseln derzeit mehrmals täglich und unterscheiden sich von Ort zu Ort teils erheblich. Aber warum ist das so?

Die Preisunterschiede

Große Preisunterschiede sind zum Beispiel Leser Heinrich Koch aus Bischofferode vergangene Woche Dienstag aufgefallen. In den Ortschaften Jesberg und Borken kostete der Liter Diesel an den Tankstellen 1,32 Euro. Zur selben Zeit lag der Literpreis in Melsungen teilweise über 1,50 Euro. „In der Spitze waren es sogar 1,55 Euro“, hat Koch notiert. „Das ist eine Differenz von 23 Cent pro Liter. So hoch kann die Differenz bei den Beschaffungskosten sicher nicht sein.“

Auch am Mittwoch zeigten sich wieder große Preisunterschiede. Gegen 13 Uhr kostete an der Shell-Tankstelle am Hasselberg der Liter Super E5 stolze 1,94 Euro, an der Q1-Tankstelle in Körle zum selben Zeitpunkt 1,60 Euro. Auch interessant: An der Q1-Tankstelle wechselte der Diesel-Preis beispielsweise am Dienstag 16 Mal. Am günstigsten war es gegen 18 Uhr mit 1,31 Euro pro Liter. Ähnlich bei der Aral-Tankstelle an der Fritzlarer Straße in Melsungen, dort wechselte der Preis für Diesel am Dienstag 15 Mal – dort war gegen 8 Uhr der günstigste Preis des Tages: 1,40 Euro.

Gut vergleichen kann man die Preise beispielsweise unter clever-tanken.de. Doch warum unterscheiden sich die Preise teilweise so stark von Ort zu Ort?

Die Gründe

Während die insgesamt hohen Preise – vor einem Jahr kostete der Liter Diesel noch 30 Cent weniger – unter anderem auf den gestiegenen Rohölpreis und die CO²-Steuer zurückgehen, sind die Unterschiede von Ort zu Ort von der Wettbewerbssituation abhängig, heißt es dazu von Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken. „Zum Beispiel beeinflusst das Verhältnis von Marken- und freien Tankstellen in einer Stadt den statistischen Durchschnittspreis. Weiterhin spielen die Einfahrts- beziehungsweise Ausfahrtsstraßen mit den daran gelegenen Tankstellen eine Rolle. Befinden sich an diesen eher Markentankstellen und haben Pendler nicht die Möglichkeit, ohne größere Umwege günstigere Anbieter anzufahren, stehen die Markentankstellen auch nicht unter dem Zugzwang, ihre Preise zu senken.“

Umgekehrt senke das Vorhandensein preisaggressiver Wettbewerber im städtischen Umfeld auch die Preise der umliegenden Tankstellen. Gleiches gelte für die Abendstunden: „Viele freie Tankstellen haben am späten Abend nicht mehr geöffnet. Damit können die Pächter von Markentankstellen ihre Preiserhöhungen leichter durchsetzen.“ Gut zu beobachten ist dies beispielsweise an der Aral-Tankstelle an der A 7 bei Guxhagen. Fast täglich steigt dort der Preis um 22 Uhr stark an. Die Tankstelle ist 24 Stunden lang geöffnet, während umliegende Tankstellen abends schließen.

Die Preistreiber

Einer, der die Branche gut kennt, ist Heiner Gerhold aus Körle. Er war fast 18 Jahre lang Pächter der Q1-Tankstelle in Körle. Vergangenen Sommer ging er in den Ruhestand. „Die Platzhirsche bestimmen den Preis“, sagt er. „Wenn bei denen die Preise steigen, gehen die anderen mit.“ Als er noch Pächter gewesen sei, habe der Preis vielleicht zwei- oder dreimal am Tag gewechselt, „aber jetzt ist das ja der Wahnsinn“. Auch er beobachtet, dass beispielsweise am Lohfeldener Rüssel oder am Hasselberg teils unverschämt hohe Preise angezeigt würden.

Er vermutet dahinter jedoch ein System, um die Preise künstlich hochzuhalten. Denn er glaubt nicht daran, dass die Lastwagenfahrer, die ja ohnehin mit Tankkarten der großen Unternehmen ausgestattet sind, die angezeigten Preise bezahlen müssen. Früher habe es immer noch bestimmte Zeitpunkte gegeben, wann man günstig tanken kann, aber die Zeiten seien vorbei, sagt Gerhold. „Ich empfehle, immer mal nachzutanken, wenn es gerade günstig ist.“ Auch empfiehlt er, Apps zu nutzen, um eine möglichst günstige Tankstelle zu finden. (Carolin Hartung)

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