Zweite Runde bei der Scharfen Barte 

Wie Äpfel und Birnen

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Haben Potenzial: Westhäckchen ist eine Kabarett AG aus Düsseldorf.

Melsungen. In der zweiten Runde des Kabarettwettbewerbes traten Westhäckchen, die Kabarett-AG des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Ratingen und der Kaldenkirchner Kabarettisten Heino Tiskens gegeneinander an. 

Melsungen. Wer sich einem Wettbewerb stellt, weiß genau, was ihn erwartet. Konkurrenz, Leistungsdruck und Beurteilung.

Wenn man jedoch einen 100-Meter-Läufer gegen einen Stabhochspringer antreten lässt, wird es schwer, Bewertungskriterien für einen fairen Wettstreit zu finden. Wer hat die beste Frisur? Wer trägt die erotischste Turnhose? Als am Mittwochabend in der Melsunger Kulturfabrik „Westhäckchen“, die Kabarett AG des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Ratingen, gegen den Kaldenkirchner Kabarettisten Heino Tiskens in den Ring stieg, blieb die konzeptionelle Idee der Veranstalter ein Rätsel.

Auf der einen Seite agierte ein ambitioniertes, mit vielen guten thematischen Ansätzen dekoriertes Jungspund-Ensemble wie bei einem bunten Abend in einem Jugendzentrum, während im Anschluss ein um Reife und Souveränität bemühter Bajazzo mit Showjackett und physiotherapeutischem Migrationshintergrund nach humoristischem Gold schürfte.

So wurde es ein Abend der fragmentarischen Begeisterung, der punktuellen Genialität eines Einfalls, eines Dialoges oder eines Liedes. Durchgehender Schmackes war leider Fehlanzeige an diesem zweiten Abend.

Kabarett AG

Bei der Kabarett AG konnte man Unbeschwertheit, Engagement und eine Affinität für skurrile Spielszenen auf der Habenseite verbuchen. Das Oktoberfest entlarvte man als ein alkoholverseuchtes Mekka des Rassismus und eine rheinische Karnevalsorgie inszenierte man als tumbe Spaßposse. Die historische Runde mit Jesus und Matthäus, genauer Lothar Matthäus, und ihren Jüngern, die sich intensiv um die Vermarktung religiöser Botschaften bemühten, hatte Charme. Und auch das Aufeinandertreffen von Karl Marx, Martin Luther und Hugh Heffner lieferte intelligenten Humor. Natürlich fehlt es noch an Professionalität, doch mancher Akteur offenbarte großes Talent.

Heino Tiskens

Dem gegenüber stand mit Heino Tiskens ein erfahrener Darsteller auf der Bühne. Sein Potenzial kommt bei seinen Liedern am besten zur Geltung. Prägnante Refrains, geschwungene Textzeilen und eine interessante Stimmfärbung gaben dem Gehörten eine kunstvolle Atmosphäre. Die Wortbeiträge dagegen waren gekennzeichnet von inhaltlicher Belanglosigkeit und dramaturgischer Banalität. Da fehlte es an Selbstbewusstsein, Empathie und Coolness. So musste sich die Jury an diesem Abend zwischen zwei völlig unterschiedlichen Acts entscheiden, wem sie ihr Votum zukommen ließ.

Weiter geht es am Montag, 12. November, 19.30 Uhr. Auf der Bühne: das Duo Blömer und Tillack sowie Helmuth Steierwald, Karten an der Abendkasse.

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