Melsungen: BUND zählt bedrohte Tiere

Wildkatzen reiben sich an Lockstöcken im Riedforst bei Melsungen und Spangenberg

Daran sollen sich Wildkatzen reiben: BUND-Managerin für Naturschutzprojekte Susanne Steib und Revierleiter Rolf Strieder zeigen einen Lockstock im Riedforst.
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Daran sollen sich Wildkatzen reiben: BUND-Managerin für Naturschutzprojekte Susanne Steib und Revierleiter Rolf Strieder zeigen einen Lockstock im Riedforst.

Wie viele Wildkatzen leben im Riedforst? Dieser Frage sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) nachgegangen.

Melsungen/Spangenberg – In dem Wald des Forstamts Melsungen, der sich von Melsungen über Spangenberg bis Hessisch Lichtenau erstreckt, haben zwölf Ehrenamtliche aus der Region 50 Lockstöcke an verschiedenen zehn mal zehn Hektar großen Standorten aufgestellt. Auf die Lockstöcke wurde Baldrian aufgetragen.

„Das mögen die Wildkatzen, daher reiben sie sich an den Stöcken“, sagt BUND-Managerin für Naturschutzprojekte Susanne Steib, „ganz besonders in der Paarungszeit von Februar bis März.“ An den Lockstöcken, die von den Ehrenamtlichen wöchentlich kontrolliert wurden, blieben dabei Haare der Tiere hängen. Bei dem Projekt seien so etwa 180 Proben gesammelt worden. Für eine Probe brauche es mindestens fünf Haare. „Ich rechne mit sehr vielen Tieren im Riedforst“, sagt Steib, „denn die Wildkatzendichte ist hier sehr hoch.“

Die Ergebnisse erwartet sie im Herbst, wenn die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen die Proben analysiert und ausgewertet hat. Ein Bericht werde dann an die EU geschickt, der eine Zählung der Tiere alle sechs Jahre nötig mache.

Petra Westphal, Forstamtsleiterin in Melsungen.

Der Grund für die vielen Tiere der bedrohten Art ist die große Waldfläche, die nicht von Straßen zerschnitten wird, sagt die Melsunger Forstamtsleiterin Petra Westphal. Sie ist froh, über die Wildkatzen, denn sie helfen bei der Aufforstung von etwa 1800 Hektar Wald: „Mäuse nagen gern die neu gepflanzten kleinen Bäume an“, sagt sie. „Wildkatzen ernähren sich zu 80 Prozent von kleinen Nagetieren, was die Zahl der Mäuse verringert.“

Das machen die Tiere im Riedforst schon lange. „In den 30 Jahren, in denen ich hier Revierleiter bin, hat es immer Wildkatzen gegeben“, sagt Rolf Strieder. „Seit etwa 15 Jahren steigt ihre Zahl merklich.“ Doch ein Problem der Wildkatzen seien die Hauskatzen.

„Wenn sie sich paaren, entstehen Mischlinge, die die Art der Wildkatzen gefährden“, sagt Steib. In der Region sei der Anteil der Mischlinge mit etwa fünf Prozent noch gering. Zum Vergleich: In Schottland liege ihr Anteil bei etwa 90 Prozent.

Sollten nicht mitgenommen werden: Junge Wildkatzen gehören in den Wald.

Eine weitere Gefahr für den Nachwuchs der Wildkatzen sind Menschen. „Aus falschverstandener Tierliebe nehmen Spaziergänger oft die kleinen, noch zahmen Kätzchen mit“, sagt Revierleiter Rolf Strieder. Doch je älter sie werden, umso wilder werden die Tiere, kratzen und beißen. „Wer junge Wildkatzen entdeckt, sollte sie dem Forstamt melden.“ Wenn die Mutter noch lebe, werde sie ihre Jungen aber irgendwann holen.

Sollte jemand den Verdacht haben, eine Wildkatze zu Hause zu haben, soll er sich an Tierheime oder Tierärzte wenden. Außer durch ihren Charakter seien Wildkatzen nämlich äußerlich nur schwer von Hauskatzen zu unterscheiden. Das Tigermuster komme auch oft bei Hauskatzen vor. „Der Schwanz ist in der Regel buschiger, aber das ist kein eindeutiges Merkmal“, sagt Strieder. „Einen endgültigen Aufschluss kann nur eine Analyse der Gene geben.“

Bei toten Tieren könne man es zudem auch an der Länge des Darms feststellen, der sei bei Wildkatzen kürzer. (Fabian Becker)

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