Interview

„Wir stehen noch gut da“: Melsungens Bürgermeister über Citymanager und Leerstände

Tristesse in der Innenstadt: An der Kasseler Straße in Melsungen gibt es immer mehr Leerstände und immer mehr Läden, in denen Dienstleistungen angeboten werden.
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Tristesse in der Innenstadt: An der Kasseler Straße in Melsungen gibt es immer mehr Leerstände und immer mehr Läden, in denen Dienstleistungen angeboten werden.

Wer durch die Melsunger Innenstadt geht, dem fallen die Leerstände auf, insbesondere an der Kasseler Straße. Darüber sprachen wir mit Bürgermeister Markus Boucsein.

Melsungen – Das fällt in den Arbeitsbereich eines Citymanagers, den die Stadt Melsungen seit knapp zwei Jahren nicht mehr hat.

Profitiert die Stadt vom Lockdown? Schließlich gab es monatelang keine Märkte, also konnte ein Citymanager eingespart werden.

Markus Boucsein: Nein, das ist keine Win-Win-Situation. Wir wollen die Stelle so schnell wie möglich ausschreiben. Denn Stillstand kann nicht belebend sein.

Warum wurde nach der Kündigung des Citymanagers Mario Okrafka Ende Dezember 2019 kein Nachfolger eingestellt?

Wir mussten erst mal abwarten, wie sich der Haushalt der Stadt während der Coronapandemie entwickelt und wie einschneidend die Einnahmeausfälle für die Stadt sind.

Die Stelle war aber doch schon mal ausgeschrieben – woran ist es gescheitert?

Es gab keine passenden Bewerber, die eine sinnvolle Auswahl hätten bringen können. Das ist kein Melsunger Problem, auch andere Kommunen berichten, dass es schwierig ist, jemanden zu finden, der Organisationstalent hat und die Stadtentwicklung voranbringen kann.

Nach einer Magistratsentscheidung vorletzte Woche wurde nun ein Personalbüro beauftragt, einen passenden Bewerber zu finden. So schnell wie möglich.

Welche Eigenschaften sind nötig?

Der Citymanager ist ein Bindeglied zwischen Stadtverwaltung und Einzelhändlern. Wenn die Veranstaltungen wieder losgehen, braucht es jemanden, der sich kümmert, was man in welcher Jahreszeit zum Wohle der Stadt tun kann.

Und er muss Ideen haben, wie man das Leerstandsmanagement auflösen kann. Ein Citymanager muss ein Multitalent sein: Er muss Organisationstalent haben, Veranstaltungen von A bis Z planen können, und er muss Prozessmanager sein, um die zukünftige Innenbelebung einer Stadt zu steuern.

Außerdem muss er die Stadt repräsentieren können.

Genug Arbeit wird er haben: Es gibt viele Leerstände, insbesondere in der Kasseler Straße.

Aktuell wird ein Haus renoviert, der Bäckerei Stübing im Erdgeschoss wurde gekündigt. Wir suchen nach einer Alternative, denn wir wollen gerne weitere Bäcker in der Innenstadt, aber keinen weiteren Großbäcker.

Wir haben noch einen Interessenten, der gern ein zusätzliches Ladengeschäft eröffnen möchte. Wir helfen bei der Suche, und es wird uns gelingen. Und auch das Haus, in dem das Spielwarengeschäft ist, wird derzeit saniert, das Geschäft bleibt allerdings erhalten.

Der Frischemarkt am Marktplatz ist auf jeden Fall eine Aufwertung des Ladens und eine tolle Einkaufsmöglichkeit in der Innenstadt.

In der Innenstadt nehmen die Dienstleistungen in den Ladengeschäften zu – ist das vonseiten der Stadt gewollt?

Das ist nicht gewollt. Dienstleistungen sind der neue Einzelhandel, das ist aber nur die Beschreibung des Effekts. Dienstleistungen sind wichtig, sie müssen aber nicht in einer 1-A-Geschäftslage sein.

Was wünschen Sie sich für die leer stehenden Läden? Was fehlt noch in Melsungen?

Wir stehen mit unserer Mischung immer noch gut da im Vergleich mit anderen Städten. Ich mag grundsätzlich Läden mit Boutiquen-Charakter, das sind qualitätsvolle, kleine, individuelle Angebote, mit dem die Inhaber dem Massengeschäft die Stirn bieten können.

Und wie wollen Sie die Innenstadtbelebung als Stadtverwaltung voranbringen?

Es ist sinnvoll, mit kleinen Einzelmaßnahmen Impulse zu setzen. Beispiel: Wir haben einen Fonds aufgelegt, mit dem Melsunger einen Zuschuss für die Fenster oder Fassadensanierung eines Fachwerkhauses erhalten können.

Außerdem hat sich das Parlament für einen Mietzuschuss für neue Geschäfte ausgesprochen. Das sind kleine Dinge, die die Innenstadt attraktiv machen. Wir müssen auch den Verkehr aus der Stadt kriegen. Und wir müssen Kindern mehr kleine Spielinseln bieten.

Denn die Leute sollen wieder ihr Herz in der Stadt schlagen lassen. (Claudia Feser)

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