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Wollröder Krug wurde von Dehoga ausgezeichnet

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Von: Marvin Hinrichsen, Fabian Becker

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Winfried „Buffy“ Künzel heißt seine Gäste im Wollröder Krug willkommen.
Winfried „Buffy“ Künzel heißt seine Gäste im Wollröder Krug willkommen. ©  Fabian Becker

In einem von der Landesregierung und derm Hotel- und Gastronomieverband Dehoga ausgerufenen Wettbewerb wurden die 50 besten Dorfgasthäuser in Hessen ausgezeichnet.

Wollrode – Der Wollröder Krug steckt voller Geschichten, sagt Winfried Künzel, genannt Buffy, über seine Gaststätte. Der 59-Jährige meint damit die vielen Aktionen, die er sich immer wieder ausdenkt, um seine Gäste zu unterhalten. „Ich lasse mir immer wieder etwas einfallen, weil ich will, dass es immer etwas Neues gibt“, sagt er. „Wenn ich einfach nur darauf warte, dass jemand kommt, sein Bier trinkt und ich damit Geld verdiene, wird das nichts.“

Buffy macht Dinge möglich wie ein Sieben-Gänge-Menü für ein Paar in einem separaten Raum, bei dem der Mann der Frau einen Heiratsantrag gemacht hat. Aktuell plant der Gaststättenbetreiber unter anderem Aktionen für Fahrradfahrer, zum Beispiel spezielle Speisen auf der Karte. „Fahrradfahrer wollen im Sommer nichts Schweres, sondern essen eher Leichtes wie Salat.“ Auch vegetarisches und veganes Essen bietet er an. „Wenn Besucher uns etwas Zeit geben, versuchen wir alles möglich zu machen“, sagt Künzel. „Daher empfehle ich, sich vor einem Besuch anzumelden.“

Dem Guxhagener Gastwirt ist wichtig, dass im Wollröder Krug ein gemeinschaftliches Gefühl aufkommt wie bei seinem Pub-Quiz, bei dem Gäste in Teams gegeneinander antreten. Das Gemeinschaftliche ist es auch, weshalb er es nicht mag, wenn sich Besucher mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen, statt miteinander. „Das Gerät ist gut für Notfälle, aber beim Gaststättenbesuch sollten die Besucher ins Gespräch kommen.“

Das sagen Wollröder

Bevor Buffy den Wollröder Krug im Jahr 2020 übernahm, wohnten dort einige Jahre geflüchtete Syrer, die mittlerweile weggezogen sind, sagt Klaus-Jürgen Reinbold vom Ortsbeirat. „Das Gebäude ist immer noch im Besitz der Gemeinde Guxhagen.“ Meist habe der Pächter alle drei bis vier Jahre gewechselt.

Bis in die 1990er-Jahre habe in der Gaststätte die örtliche Kirmes stattgefunden. „Seit der Wiedereröffnung 1998 ist das nicht mehr so“, sagt Reinbold. Jetzt finden dort hauptsächlich Familienfeiern und Hochzeiten statt. „Ein sehr großes Fest war die Feier zum 50-jährigen Bestehen des Posaunenchors 2016.“

Eine Dorfkneipe fördert den Zusammenhalt im Ort, sagt der ehemalige Wollröder Ortsvorsteher, Heinrich Proll. Zum Auftakt des Dorferneuerungsprogramms im Jahr 1989 gab es Überlegungen, um das Dorf attraktiver zu gestalten. Ziel sei gewesen, so viele Wollröder wie möglich in die Planungen einzubinden.

Zapft Bier im Wollröder Krug: Joshua Jäckel ist Barkeeper in der Guxhagener Gaststätte.
Zapft Bier im Wollröder Krug: Joshua Jäckel ist Barkeeper in der Guxhagener Gaststätte. © Fabian Becker

„Schnell wurde uns klar: Wir haben für die Vereine und die Menschen keinen geeigneten Treffpunkt, es fehlt ein Dorfgemeinschaftshaus“, berichtet Proll. Das Gebäude, in dem sich nun der Wollröder Krug befindet, stand damals leer.

Die Idee sei entstanden, das Gebäude zu übernehmen. „Die Gaststätte sollte mit einem Pächter betrieben werden, um einen Anlaufpunkt zu haben, aber auch einen Treffpunkt im Ort zu schaffen.“ Etwa 1 000 000 Mark seien in den Ankauf und die Renovierung geflossen. „Am 4. Juli 1998 war die Einweihungsfeier für den Wollröder Krug.“ Zwar wechselten die Pächter, aber die Gaststätte blieb bestehen. „Die Wollröder und die Vereine können die Gaststätte deshalb auch heute noch nutzen.“

Die Bewertung

Wichtig ist die Förderung der regionalen Identität, Mehrwert für das Gemeinwesen, ein innovatives Konzept und nachhaltiges Wirtschaften. Warum genau der Wollröder Krug ausgewählt wurde, verrät Susanne Schön von Dehoga aber nicht. „Bewerben können sich alle Gasthäuser, Landgasthöfe und Gastwirtschaften mit regelmäßigen Öffnungszeiten in Hessen“, sagt sie. Diese dürfen nicht im Gebiet einer kreisfreien Stadt, also Darmstadt, Frankfurt, Kassel, Offenbach und Wiesbaden, sein und auch nicht in dem einer Sonderstatusstadt, also Hanau, Gießen, Marburg, Rüsselsheim, Fulda, Bad Homburg und Wetzlar.

Bei der Einweihungsfeier 1998: Karl-Heinz Spengler (von links), Reinhard Jung, Christine Schmidt, Ortsvorsteher Heinrich Proll, Irene Franjiek, Georg Margraf und stellvertretender Ortsvorsteher Lothar Barthel.
Bei der Einweihungsfeier 1998: Karl-Heinz Spengler (von links), Reinhard Jung, Christine Schmidt, Ortsvorsteher Heinrich Proll, Irene Franjiek, Georg Margraf und stellvertretender Ortsvorsteher Lothar Barthel. ©  privat

„Die Zahl der Gewinner wird nicht im Vorfeld festgelegt“, sagt Schön. „Die Bewerbung besteht aus zwei Teilen.“ Zunächst müssen Teilnehmer einen Fragebogen ausfüllen, mit dem eine Punktzahl ermittelt wird. „Bewerbungen, die eine bestimmte Punktzahl nicht erreichen, werden beim weiteren Auswahlverfahren nicht berücksichtigt.“ Es folgt eine Präsentation des Betriebes in frei wählbarer Form wie Video, Dokumentationen, Mappe und Fotos. Schließlich entscheidet eine Jury. (Fabian Becker und Marvin Hinrichsen)

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