Zufallsfund beim Streichen in Kehrenbach

Seltene Wandmalerei in Kehrenbach aufgetaucht

Malerei an der Kirchenwand: Pfarrer Sigurd Sadowski zeigt die Wandornamente an der Wand des Kirchenraumes in Kehrenbach.
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In der Kirche in Kehrenbach sind bei Sanierungsarbeiten Schablonenmalereien aufgetaucht, die sich durch den kompletten Kirchenraum ziehen. Im Bild Pfarrer Sigurd Sadowski.

In der Kehrenbacher Kirche versteckte sich über viele Jahrzehnte ein Schätzchen an der Wand, verbogen unter drei Schichten Farbe.

Kehrenbach – Bei der Sanierung des Kirchenraums ist – eher per Zufall – eine Schablonenmalerei aufgetaucht, die sich durch den kompletten Kirchenraum zieht. „Das ist ein aufsehenerregender Fund“, sagt Bezirkskonservator Prof. Dr. Peer Zietz vom Landesamt für Denkmalpflege, „weil es sehr selten ist, dass eine solche Schablonenmalerei in einer so vorzüglichen Qualität erhalten ist.“ In keiner Kirche im Schwalm-Eder-Kreis gebe es Vergleichbares.

Dass eine Sanierung der Kirche aus dem Jahr 1826 dringend nötig war, merkte Pfarrer Dr. Sigurd Sadowski eigentlich schon vor sechs, sieben Jahren: „Wenn ich vom Gottesdienst in Kehrenbach nach Hause kam, musste ich immer erst mal den Talar gut auslüften.“ Er roch muffig wie der Kirchenraum. In den folgenden Jahren tauchten dann kleine Stockflecken unter der Empore und an der Wand auf. Der Grund: Bei einer Renovierung in den 1990er-Jahren sei versäumt worden, die alte Farbe von den Wänden zu nehmen, berichtet Sadowski. Sie wurde überstrichen, was im Laufe der Jahre für Pilzbefall an den Wänden sorgte.

Das ist ein aufsehenerregender Fund

Prof. Dr. Peer Zietz, Bezirkskonservator

Vor drei Jahren standen dann die Sanierungen der Glockensteuerung und der Orgel an. Nach den Sommerferien begannen dann die Handwerker mit dem Innenraum. Ein weiteres Fenster zum Kippen wurde eingesetzt, sodass jetzt Durchzug möglich ist. Außerdem wurde der Putz in 20 Zentimeter Höhe abgenommen: Mit dieser Hygrozone kann die Feuchtigkeit besser abziehen. Und die Bänke wurden teilweise gestrichen und ausgebessert. Bei den Wandarbeiten tauchte plötzlich die Schablonenmalerei in einer Fensternische auf. Das Landesamt für Denkmalschutz wurde eingeschaltet. Aus welchem Jahr die Bordüre stammt, weiß in Kehrenbach keiner mehr. Es gibt ein Foto aus dem Jahr 1935, das die Kanzel zeigt – die Wandbordüre ist darauf aber nicht zu sehen, weil das Bild zu hoch fotografiert wurde. Die Malerei befindet sich in Brusthöhe.

Der Kirchenvorstand hat entschieden, dass die Malerei erhalten werden soll. Ob sie nachgezeichnet wird, steht noch nicht fest. Geplant ist, dass die Gemeinde am 1. Advent wieder Gottesdienst in ihrer Kirche feiern soll. In den letzten Wochen gab es Gottesdienste draußen und in Kirchhof, wo beispielsweise die Kehrenbacher Konfirmation gefeiert wurde.

„Sehr seltene Malereien werden von der Restaurierungswerkstatt in Wiesbaden betreut“, sagt Bezirkskonservator Zietz. Bei der Wandmalerei handelt es sich um ein Palmettenfries, also ein floral angelegtes Schmuckmotiv, wie Restauratorin Manuela Thews vom Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden mitteilt. Diese Zierornamente waren in Innenräumen üblich in der Zeit des Kehrenbacher Kirchenbaus, also um 1826. „Verblüffend ist aber, dass noch so viel erhalten ist“, sagt die Restauratorin. Die Schablonenmalerei sei von drei Farbschichten überlagert gewesen. Der Kirchenmaler habe die Schmuckschablonen mit Ornamenten nebeneinander hergestellt. Sie wurden durchstupft: Zunächst wurde ein Pinsel mit oranger Farbe durch die Löcher gestupft, nach dem Trocknen kamen die grauen Elemente an die Reihe. „Stupfen sorgt dafür, dass überall die gleiche Farbintensität ist.“ (Claudia Feser)

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