Schwalm-Eder

Millionen für Unterkünfte: Landkreis unterhält noch elf Einrichtungen mit 600 Plätzen

Gemeinschaftsunterkunft in Schwalmstadt.
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Gemeinschaftsunterkunft in Schwalmstadt.

Der Landkreis hat seit 2015 deutlich mehr als zehn Millionen Euro für die Unterbringung von Geflüchteten bezahlt.

Schwalm-Eder - Die Kosten ergeben sich aus den jährlichen Kosten, die in der Spitze bei mehr als drei Millionen Euro lagen. Im vergangenen Jahr entstanden dem Landkreis noch Kosten von 2,9 Millionen Euro für unter anderem Miete und Nebenkosten.

Aktuell betreibt der Landkreis noch elf Unterkünfte mit einer Kapazität von mehr als 600 Plätzen. Ende Mai lebten 360 Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf mehr als 1,7 Millionen Euro.

„Die Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden ist ein Zeichen der Solidarität und Humanität für Menschen, die durch Kriege, Völkermorde und andere Umstände ihre Heimat, vielleicht auch Familienmitglieder oder ihre vollständige Existenz verloren haben“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Jürgen Kaufmann.

Jeder Mensch habe das Recht auf Schutz und die Gesellschaft können den Menschen diesen Schutz in Deutschland und im Landkreis geben.

Die Belegungsquote variiere, sagt Kreissprecher Stephan Bürger. Der Schwalm-Eder-Kreis halte ein Kontingent an freien Plätzen für unvorhergesehene Ereignisse bereit, um bei einer erneuten Flüchtlingsbewegung freie Plätze zur Verfügung zu haben.

Die Gesamtkapazität der in Unterkünften vorgehaltenen Plätze wurde in den vergangenen Jahren nach Aussage von Bürger schrittweise abgebaut.

So gab es 2018 noch 13 Unterkünfte mit 750 Plätzen, zum Höchststand im Jahr 2016 waren es 15 Unterkünfte mit etwa 900 Plätzen.

Insgesamt lebten Ende Mai knapp 1300 Geflüchtete im Landkreis. Diese teilen sich auf wie folgt: 360 Menschen leben in Gemeinschaftsunterkünften und etwa 950 in vom Landkreis angemieteten und privaten Wohnungen.

Der Landkreis hat aktuell noch etwa 150 solcher Wohnungen gemietet.

Zuletzt liefen mehrere Mietverträge mit Eigentümern von Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen aus. Viele Verträge waren über einen längeren Zeitraum abgeschlossen.

Dabei zeigte sich ein weiteres Problem: In den Unterkünften sind zahlreiche Schäden entstanden, die über die üblichen Sanierungsarbeiten hinausgehen. Der Landkreis war zwar gegen diese Schäden versichert, übernahm aber Teile der Kosten, die durch Deckungslücken entstanden waren.

Hohe Kosten für Sanierungen: Landkreis unterhält elf Unterkünfte

Recherchen zeigen, dass der Landkreis für das Haushaltsjahr 2020 eine Gesamtsumme von etwa 800 000 Euro zu tragen hat. Dazu heißt es vom Landkreis, dass im Vergleich zu den Vorjahren im Jahr 2020 eine vergleichsweise hohe Anzahl von Wohnungsabgaben vollzogen wurde.

Im Falle eines Schadens werde dieser zunächst über den Versicherer reguliert. Der Landkreis übernehme in begründeten Fällen die Kosten, die über die versicherten Schäden hinausgingen, wenn er nach Mietvertrag dazu verpflichtet ist.

Diese elf Unterkünfte betreibt der Landkreis aktuell noch:

Die Angaben zu Kapazität und Belegung sind von Ende Mai. Die Übersicht der Kosten stammt aus 2018.

Melsungen, ehemalige Jugendherberge, Kapazität: 59, Belegung: 45, Miete: 8523 Euro, Nebenkosten: 5230 Euro

Homberg, BahnhofstraßeKapazität: 50, Belegung: 30, Quote: 78 Prozent, Miete: 4100 Euro, Nebenkosten: 2777 Euro

Schwalmstadt-Treysa, ehemalige Kaserne, Kapazität: 60, Belegung: 60, Miete: keine reale Mietzahlung, an Betreiber untervermietet. Nebenkosten und Betreiberkosten: 16 707 Euro.

Schwarzenborn, Kapazität: 90, Belegung: 44, Miete inklusive Nebenkosten: offen

Neukirchen, Kapazität: 30, Belegung: 12, Miete: 2640 Euro, Nebenkosten: 1911 Euro

Borken, Kapazität: 40, Belegung: 16, Miete inklusive Nebenkosten: 10 875 Euro

Niedenstein, ehemaliges evangelisches Freizeitheim, Kapazität: 75, Belegung: 43, Miete: 9292 Euro, Nebenkosten: 3000 Euro

Gilserberg, ehemaliges BioHotel, Kapazität: 76, Belegung: 36, Miete: 6521 Euro, Nebenkosten: 4674 Euro

Guxhagen, Kapazität: 50, Belegung: 26, Miete: 3768 Euro, Nebenkosten: 3888 Euro

Gudensberg, ehemalige Waffelfabrik, Kapazität: 37, Belegung: 32, Miete: 3312 Euro, Nebenkosten: 3045 Euro

Oberaula, ehemaliges Hotel „Zur Aue“, Kapazität: 45, Belegung: 16, Miete: 6996 Euro, Nebenkosten: 3000 Euro (Damai D. Dewert)

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