Kunde weigert sich zu zahlen

Streit um die Rechnung: Altmorschener soll 1400 Euro Strom nachzahlen

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Altmorschen. Das neue Jahr hat für Wilhelm Paul Meisenberg aus Altmorschen mit einer Mahnung im Briefkasten begonnen. Der Stromanbieter Eon stellt ihm 1402,83 Euro in Rechnung.

Und das nur für den Strom, den er 2017 verbraucht haben soll. Schon mehrfach hat die Eon ihm diese Rechnung geschickt. Doch der 63-Jährige will sie nicht begleichen, weil sie seiner Meinung nach deutlich zu hoch ist.

Während die Eon Meisenberg für das Jahr 2017 einen Stromverbrauch von 6892 Kilowattstunden in Rechnung stellt, lag sein Verbrauch nach eigenen Aufzeichnungen lediglich bei 2600 Kilowattstunden. Dies decke sich auch mit den Stromrechnungen für 2016 und 2018: Für 2016 wurde ihm ein Verbrauch von 2650 Kilowattstunden berechnet, für 2018 von 2301 Kilowattstunden.

Überzeugt, das Summe zu Unrecht in Rechnung gestellt wurde

„Es geht mir ums Prinzip“, stellt Meisenberg klar. Er sei in der Lage, die Rechnung zu bezahlen. Doch Meisenberg ist überzeugt davon, dass die Eon ihm die hohe Summe zu Unrecht in Rechnung stellt. Deshalb weigert er sich, zu zahlen. „Ich lasse es auf eine Klage ankommen“, sagt er.

Der Ärger mit dem Stromanbieter begann bereits mit der Rechnung für 2016. Meisenberg sollte für den Stromverbrauch seines Zwei-Personen-Haushalts 1579,86 Euro bezahlen. Der 63-Jährige beschwerte sich über die aus seiner Sicht viel zu hohe Rechnung – tatsächlich erhielt er daraufhin eine neue, niedrigere Rechnung. Auch die erschien ihm jedoch noch zu hoch. Nach einer erneuten Beschwerde schickte Eon eine neue Rechnung über 793,91 Euro, die Meisenberg dann auch bezahlte – abzüglich der bereits gezahlten Abschläge überwies er der Eon 403,91 Euro.

Neuer Stromzähler seit 2017

Im März 2017 wurde bei Meisenberg ein neuer Stromzähler installiert. Ab diesem Zeitpunkt fing Meisenberg an, täglich seinen Stromzählerstand zu notieren. Das Ergebnis: „Unser Verbrauch liegt etwa bei fünf Kilowattstunden pro Tag.“ Das bezieht sich lediglich auf den Strom, den Meisenberg dazukaufen muss. Denn auf dem Hausdach ist seit 2010 eine Fotovoltaikanlage installiert – der Altmorschener produziert also einen Teil des von ihm verbrauchten Stroms selbst.

Glaubt man der Eon, hätte Meisenberg im Jahr 2017 im Schnitt täglich fast 19 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das wäre laut Stromspiegel selbst für einen Vier-Personen-Haushalt ein sehr hoher Verbrauch. Meisenberg nutzt nach eigenen Angaben ausschließlich neue Elektrogeräte mit niedrigem Verbrauch, Wasser wird bei ihm nicht per Durchlauferhitzer erwärmt. Er hat keine Erklärung dafür, dass sein Stromverbrauch für 2017 derart hoch gewesen sein soll – und vermutet deshalb einen Fehler bei Eon. 

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Das sagt Stromanbieter Eon

Aus Sicht der Eon ist die Stromrechnung für 2017 korrekt. Dass der Verbrauch so stark von anderen Jahren abweicht, erklärt ein Sprecher so: „Seit 2012 lag der Verbrauch von Herrn Meisenberg bei rund 3500 Kilowattstunden pro Jahr. Die größeren Ausreißer in den Jahren 2015, 2016 und 2017 scheinen zunächst eigenartig, ergeben jedoch, wenn man den Verbrauch der drei Jahre in Summe betrachtet, einen durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3605 kWh.“ 

Daher könne es sein, dass sich der 2015 und 2016 zu niedrig abgerechnete Strom ins Jahr 2017 verlagert habe. Die Zählerstände für 2015 und 2016 habe Eon vom Netzbetreiber Energie Netz Mitte erhalten. Der hohe Verbrauch für 2017 sei zum Teil anhand von Werten errechnet, die Meisenberg der Eon selbst übermittelt habe.

Ein Tipp, um Ärger zu vermeiden: Stromzähler am besten monatlich ablesen

Der Eon-Sprecher bestätigt, dass Wilhelm Paul Meisenberg am 7. März 2017 die Rechnung für 2016 moniert habe. Die Rechnung basierte laut Eon auf einem Zählerstand von 22.564, der vom Netzbetreiber übermittelt wurde. Meisenberg habe mitgeteilt, dass der Zählerstand aktuell (Anfang März 17) bei 20.100 liege. Daraufhin wurde eine korrigierte Rechnung verschickt. Auch diese habe Meisenberg moniert und für den 31.12.2016 einen Zählerstand von 19 626 angegeben. 

Auf dieser Basis wurde die Rechnung erneut korrigiert. Am 17. März 2017 habe Meisenberg mitgeteilt, dass der aktuelle Zählerstand bei 23 460 liege. Der Kunde habe vermutet, dass der Zähler defekt sei. Deshalb sei dieser am 22. März 2017 ausgebaut und geprüft worden. „Nach unseren Informationen wurde bei der Prüfung kein Fehler entdeckt“, so der Eon-Sprecher.

 Das sagt Energie Netz Mitte

„Die Zählerstände des Kunden Wilhelm Paul Meisenberg wurden von unserem Dienstleister in unserem Auftrag abgelesen“, teilt eine Sprecherin von Energie Netz Mitte auf Anfrage mit. Die erfassten Zählerstände habe man an den Stromlieferanten – also Eon – weitergegeben. Diese Zählerstände wiesen „lediglich Schwankungen in einem normalen Rahmen auf“. „Wie aus den gemeldeten Zählerständen die Abrechnung mit dem Kunden erfolgt ist, darüber kann Ihnen nur der Stromlieferant Auskunft geben.“

Das sagt der Rechtsanwalt

Wilhelm Paul Meisenberg hat sich im Streit mit der Eon Hilfe beim Rechtsanwalt Felix Fischer aus Hessisch Lichtenau geholt. „Ich befürchte, dass Herr Meisenberg in den vergangenen Jahren zu viel für Strom bezahlt hat“, sagt Fischer. Der Rechtsanwalt vermutet, dass eine Zählerverwechslung vorliegt – denn Meisenberg verfügt neben dem normalen Stromzähler auch über einen Zähler, der den von der Fotovoltaikanlage produzierten Strom misst. Fischer vermutet, dass fälschlicherweise der Wert vom Fotovoltaik-Zähler abgelesen wurde.

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Er kritisiert, dass Eon und Energie Netz Mitte sich die Verantwortung gegenseitig zuschöben. Beanstande man eine Stromrechnung bei der Eon, verweise die an die Energie Netz Mitte – und die verweise zurück an die Eon. Deshalb hat er Wilhelm Paul Meisenberg nun geraten, sich notfalls von der Eon verklagen zu lassen. Denn wenn der Fall tatsächlich vor Gericht lande, müsse die Eon ihren Anspruch auf das Geld nachweisen.

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