Anaid Safaryan aus Turkmenistan fand in Morschen Familienanschluss

Stehen gern gemeinsam am Herd: Erika Görke und Anaid Safaryan aus Turkmenistan, die im Hotel Kloster Haydau eine Ausbildung macht und bei Familie Görke wohnt. Foto: Kamisli

Morschen. Einen Koffer und einen Karton hatte Anaid Safaryan dabei, als sie im September vergangenen Jahres nicht nur in die Einliegerwohnung, sondern auch in die Herzen der Familie Görke einzog.

Die fröhliche 20-Jährige, die Erika und Günter Görke als „unsere Anaid“ vorstellen, kommt aus Turkmenistan und macht gerade eine Lehre zur Hotel- und Restaurantfachfrau im Hotel Kloster Haydau. „Deutschland“, sagt die junge Frau in perfektem Deutsch, „ist mein Traumland.“

Elf Monate habe sie beinahe Tag und Nacht Deutsch gelernt, bevor sie im März 2013 als Aupair nach Deutschland kam, erzählt sie. Zunächst nach Saarbrücken, dann nach Melsungen. Als ihre Aupair-Zeit zu Ende ging, war für Anaid klar, dass sie in Deutschland bleiben wollte. Sie fand zunächst eine Praktikumsstelle bei der damals noch von der Familie Raabe geführten Poststation in Altmorschen, die mittlerweile zum Hotel Kloster Haydau gehört.

Ein Stück zurück geben

Während ihres Praktikums musste ihre Melsunger Aupair-Mutter umziehen und sie habe eine neue Bleibe gebraucht, erinnert sich Anaid Safaryan. Weil Erika Görke schon dafür bekannt ist, dass sie immer wieder Gäste aus aller Welt bei sich aufnimmt, kam die Familie Raabe auf die 62-Jährige zu, um eine Bleibe für Anaid Safaryan zu suchen.

„Ich hab sie gefragt, wann sie denn einziehen will“, erinnert sich Erika Görke. Da habe die 20-Jährige geantwortet: „Morgen“. Und so war es dann auch. Die junge Frau hat in Morschen jedoch nicht nur ein Dach über dem Kopf gefunden, sondern auch Familienanschluss. Gemeinsam wird gekocht, gebacken, gegessen, gefeiert und gelacht. „Ich bin hier richtig glücklich“, lacht Anaid und man glaubt ihr, dass sie sich in Morschen zu Hause fühlt. Ihre Heimat vermisse sie nicht. Sie habe in Turkmenistan keine berufliche Perspektive gesehen. Aber die Mutter und der kleine Bruder, die fehlen ihr. Trotzdem möchte sie nicht zurück.

„Ich liebe Deutschland“, sagt sie. Wenn sie nicht im Hotel arbeitet, mit Erika Görke am Herd steht oder im Garten werkelt, dann liest sie gern. Außerdem interessiert sie sich für Fußball - ihre Vereine sind Real Madrid und der FC Bayern München.

Für die Görkes ist es selbstverständlich, dass sie Gäste aus dem Ausland in ihrem Haus beherbergen. „Wir sind früher selber viel gereist und haben nur gute Erfahrungen gemacht. Das wollen wir ein Stück weit zurück geben“, sagen sie.

Sie wolle einen Ort für Menschen aus dem Ausland mit Familienanschluss bieten und den Gästen unter anderem die Politik, die Geschichte und das Zusammenleben in ihrem Land näher bringen.

„Doch solange unsere Anaid hier ist, sind wird erstmal besetzt“, sagt die 62-Jährige lachend.

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