Problem mit Wildwuchs

Angst vor Hochwasser: Einwohner von Eubach und Empfershausen sind in Sorge

Haben Angst, dass bei einem Unwetter ihr Haus abrutschen könnte: Roland Ernst und Ingrid Lassas in Eubach. Sie kritisieren den Wildwuchs am Mühlenbach.
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Haben Angst, dass bei einem Unwetter ihr Haus abrutschen könnte: Roland Ernst und Ingrid Lassas in Eubach. Sie kritisieren den Wildwuchs am Mühlenbach.

Nicht nur in Rhünda sorgen sich die Menschen wegen eines möglichen Hochwassers (HNA berichtete), sondern auch in Eubach und Empfershausen. Wildwuchs sehen sie als Gefahrenquelle.

Eubach/Empfershausen - Die Familie Ernst in Eubach macht sich Sorgen: Ihr Haus steht am Mühlenbach, und Roland Ernst und seine Frau Ingrid Lassas haben wegen des Gewässerzustandes Angst vor Hochwasser und einem Hangrutsch. „Ich habe die Angst, das eigene Hab und Gut zu verlieren“, heißt es von Roland Ernst. Für den Bach zuständig ist die Gemeinde Morschen. Gefahren bei einem Unwetter mit Wolkenbrüchen lassen sich nie ganz ausschließen, sagte Bürgermeister Ingo Böhm auf HNA-Nachfrage. Ernst und seine Frau wohnen am Ende der Schönewaldstraße am Rande des Dorfes in einer wunderschönen Idylle. Entlang ihres Grundstücks fließt der Mühlenbach, der in Eubach in den gleichnamigen Bach mündet. „Keiner macht was, der Bürger wird allein gelassen“, beklagt Ernst. Bereits im September 2017 hatte er der Gemeinde Morschen geschrieben. Er wies auf ein Stauwehr an der Grenze zum Nachbargrundstück hin, „das immer wieder der Grund für Überschwemmungen ist“. Außerdem müssten Bäume beschnitten oder gefällt werden.

Ein Teil des Wehres sei inzwischen privat beseitigt worden, es seien aber noch Reste vorhanden, sagt Ernst. Die Gemeinde und andere Behörden wie zum Beispiel die von ihm angeschriebene Kreisverwaltung hätten sich nicht darum gekümmert. „Ich sehe das wie in Rhünda: Kein Grünschnitt, keine Vorsorge, alles bleibt liegen.“

Der Mühlenbach könne zum Wildbach werden, wie zum Beispiel 2019. „Die Gemeinde macht nichts“, kritisieren Roland Ernst und seine Frau. Beide haben Angst davor, dass bei einem Unwetter der vor dem Hausbau aufgefüllte Hang unterspült werden könnte und das Haus abrutscht. Das 1972 gebaute Haus haben sie 1998 erworben. Nach früheren Beschwerden seien auf dem Nachbargrundstück etwa zehn Bäume privat beseitigt worden, die Gemeinde aber tue nichts, sagt Ernst.

Hochwasser betreffend habe die Gemeinde Morschen seit Jahren viel Glück gehabt, betonte Bürgermeister Ingo Böhm im HNA-Gespräch. In der Umgebung sei viel für den Hochwasserschutz getan worden, und das habe sich positiv auf Morschen ausgewirkt. „Die Gefahr der kleinen Seitenbäche ist schon immer gegeben“, sagt Böhm. So habe es beispielsweise 1956 ein ganz schlimmes Eubach-Hochwasser gegeben.

Der Bauhof der Gemeinde prüfe permanent die Einläufe der Bäche in die Kanäle: „Wir sind da auf der Hut.“ Der Eubach werde bis Ende August von Wildwuchs und Totholz befreit. „Der Mühlenbach ist bisher nicht als Gefahrenquelle aufgefallen“, erklärt Böhm. Man werde nunmehr eine neue Risikoeinschätzung vornehmen und sachkundigen Rat einholen: „Ganz ausschließen lassen sich Gefahren bei Unwettern mit 200 Litern Regen pro Quadratmeter aber nicht.“

Empfershausen

Sorgt sich wegen Wildwuchs in Empfershausen: Karl Heinz Werner-Zilch

Auch in Empfershausen sorgen sich die Anwohner vor einem möglichen Hochwasser. Beispielsweise Karl Heinz Werner-Zilch. Das Einlaufbauwerk am Heideweg bereitet ihm Sorgen. Denn der Graben, der sich davor befindet, ist zugewachsen mit Disteln und Co. „Das geht hier so lange gut, bis mal ein richtiges Unwetter kommt“, sagt der Senior. Das Einlaufbauwerk an sich ist zwar frei von Unrat, aber Werner-Zilch ist sich sicher, dass der zugewachsene Graben zum großen Problem wird, wenn es richtig schüttet und Wassermassen vom Berg herunterlaufen. „Das Gestrüpp wird doch dann alles mitgerissen und setzt sich vor das Ablaufgitter.“ Im Nu laufe alles über und in die Ortslage hinein. Nur einmal im Jahr würde der Bauhof den Graben mähen „das ist einfach zu selten“, sagt er.

Laut Körles Bürgermeister Mario Gerhold war der Bauhof erst diese Woche in Empfershausen. Das Einlaufbauwerk am Heideweg sei jedoch frei und das Wasser könne ablaufen. Er bezweifelt, dass ein blanker Graben, wie er von Werner-Zilch gefordert wird, eine bessere Schutzfunktion gegen Hochwasser hat. Denn: „Auch ein bewachsener Graben hat eine gewisse Rückhaltefunktion“, sagt der Rathaus-Chef. Jedoch soll der Bauhof nächste Woche die besagte Stelle am Heideweg mähen. Das eigentliche Problem, das eine Hochwassergefahr birgt, sieht Gerhold „viel weiter oben“. Nämlich bei den landwirtschaftlichen Flächen, über die das Wasser bei Starkregen Unmengen von Schlamm in den Ort trägt. „Da muss man ansetzen“, sagt Gerhold.

2019 hatte die Gemeinde ein Konzept zum Erosionsschutz erstellen lassen. Doch zu einer Umsetzung sei es bisher – auch coronabedingt – nicht gekommen. „Man sieht jetzt bei der Katastrophe in Ahrweiler, dass dieses Konzept aktueller ist denn je.“

Gerhold wünscht sich eine bessere Mitwirkung der Landwirte bei diesem Thema, da die Beschaffenheit der Felder eine entscheidende Rolle beim Hochwasserschutz spiele.

Ihm bereite jedoch insbesondere die trockene Mülmisch Sorgen. „Das ist unser wunder Punkt.“ Denn es gebe in Körle keine andere Ablaufmöglichkeit als den kanalisierten Bachlauf. Das Schadenspotenzial sei enorm. Dieses Thema müsse dringend in einer der nächsten Gemeindevertretersitzungen auf den Tisch. Fotos: Barbara Kamisli/SPD Körle

Von Manfred Schaake Und Carolin Hartung

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