Tag des Handwerkes

Buntes aus einem Guss: Keramikmeisterin aus Heina setzt auf Handarbeit

Tauchbad: Jedes Stück, das in der Keramikwerkstatt von Petra Prüssing entsteht, wird von Hand in die Glasur getaucht. Fotos: Barbara Kamisli / Petra Prüssing

Heina – Keramikwerkstatt, das klingt irgendwie nach Töpferscheibe. Die gibt es in der Werkstatt von Keramikmeisterin Petra Prüssing aus Heina auch, aber man muss schon genau hinschauen, um sie zu entdecken.

Die 51-jährige Keramikermeisterin arbeitet hauptsächlich mit Gussformen aus Gips und mit flüssigem Ton. Daraus stellt sie Tassen, Teller, Platten, Dekoartikel, Spardosen, Salz- und Pfefferstreuer und vieles mehr her. „Ich wollte weg von der runden Form und auch einmal etwas Eckiges machen“, erklärt Petra Prüssing, die nicht nur Keramikermeisterin ist, sondern auch staatlich geprüfte Keramikgestalterin mit dem Schwerpunkt Industrieproduktgestaltung.

Ihre ersten Projekte waren dann auch Salz- und Pfefferstreuer in Form von Bauklötzen. Die Modelle, nach deren Vorbild die Gussformen erstellt werden, stellt Prüssing mit der Hand her.

Trotz der Gusstechnik, mit der die Keramikmeisterin arbeitet, steckt viel Handarbeit in den Produkten. Nach dem Gießen müssen die Ränder versäubert werden, erklärt Prüssing. Dann wandern die Objekte das erste Mal bei 900 Grad in den Ofen. „Dadurch wird der Ton poröser und kann die Glasur besser aufnehmen.“ Die Glasuren, die in der Keramikwerkstatt Farbton verwendet werden, hat Prüssing selbst entwickelt. 17 knallig bunte Farben stehen zur Verfügung.

Nach dem ersten Brand geht es zum Tauchbad in die Glasur. Die ist nicht hochglänzend, sondern seidenmatt. Vor dem zweiten Brand werden dann zum Beispiel Teller, Tassen und Sparbüchsen mit kleinen Details bestückt.

In Prüssings Werkstatt gibt es eine ganze Wand mit Schubladen voll kleiner selbsthergestellter Tassen, Teller, Zähne, Spritzen, Kämme, Scheren, Herzen, Blüten und vielem mehr. Damit verzieren sie und ihre Mitarbeiter, deren Anzahl je nach Auftragslage variiert, die Objekte für unterschiedliche Berufsgruppen und Anlässe. Außerdem können Gegenstände auf Wunsch personalisiert, also beispielsweise mit Namen oder Datum, versehen werden.

Verspielt: Salz- und Pfefferstreuer sehen bei Petra Prüssing aus wie Bauklötze und Spielfiguren.

Seit 20 Jahren betreibt Petra Prüssing mit ihrem Mann Michael Schumann ihre Keramikwerkstatt. Während Prüssing noch zwei Jahre auf einen Ausbildungsplatz warten musste, sind Keramiker inzwischen rar geworden, sagt sie. „Vieles wird einfach industriell hergestellt“, sagt Prüssing. Sie selbst bildet nicht aus, da sie an der Scheibe ausbilden müsste, was aber aufgrund ihrer Arbeitsweise nur schwer möglich sei. War es, vor 20 Jahren noch nötig, einen Meistertitel zu besitzen, um sich selbstständig zu machen, sei das heute nicht mehr erforderlich. „Mir hat es aber nicht geschadet“, sagt die 51-Jährige. Sie findet den Meistertitel aber für einen kunsthandwerklichen Beruf nicht unbedingt erforderlich. „Das ist zum Beispiel bei einem Elektriker etwas anderes. Der hat Verantwortung für andere Menschen“, findet Prüssing.

Bevor die in die Glasur getauchten Töpferwaren zum zweiten Mal in den Ofen gehen – diesmal bei 1100 Grad – muss von den Standflächen die Glasur entfernt werden, sonst würden sie im Ofen festkleben. Danach sind die Sachen fertig. „Es begeistert mich immer noch, wenn der Ofen aufgeht und es ist so schön bunt“, sagt Prüssing.

ZUR PERSON

Petra Prüssing (51) stammt aus Schwalmstadt. Nach der Mittleren Reife absolvierte die heute 51-Jährige eine Ausbildung in der dortigen Töpferei Dörrbecker. Sie schloss seinerzeit ihre Ausbildung als hessische Landessiegerin ab und erhielt anschließend ein Stipendium für die Kasseler Werkakademie für Gestaltung. Nach der Meisterprüfung absolvierte sie eine Weiterbildung zur staatlich geprüften Keramikgestalterin. Außerdem ist Petra Prüssing anerkannte freischaffende Künstlerin. Die 51-Jährige ist verheiratet und hat eine Tochter.

farbton-keramik.de

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