Corona als besondere Herausforderung

Die Engel sind gefragt: Mörscher Verein besteht seit zehn Jahren

Unterstützen im Haushalt und betreiben ein Corona-Testzentrum in Neumorschen: Das sind die Mörscher Engel von links Monika Becker, Astrid Ellenberger, Franziska Bengsch, Eva Kaß, Julia Schreiber, Nicole Gleiniger-Otto, Gudrun Schmidt, Katja Schmidt, Nicole Egerer, Doris Kehl, Heike Hartenstein, Sigrid Barkhoff , Cindy Ebert. Vorn von links: Sabine Knobel, Julia Mundt, Kundin Renate Süß und Martina Jäger. Nicht dabei sind Sabine Gischler, Sonja Görke und Philipp Knobel.
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Unterstützen im Haushalt und betreiben ein Corona-Testzentrum in Neumorschen: Das sind die Mörscher Engel von links Monika Becker, Astrid Ellenberger, Franziska Bengsch, Eva Kaß, Julia Schreiber, Nicole Gleiniger-Otto, Gudrun Schmidt, Katja Schmidt, Nicole Egerer, Doris Kehl, Heike Hartenstein, Sigrid Barkhoff , Cindy Ebert. Vorn von links: Sabine Knobel, Julia Mundt, Kundin Renate Süß und Martina Jäger. Nicht dabei sind Sabine Gischler, Sonja Görke und Philipp Knobel.

Sie gehen einkaufen, waschen die Wäsche, unterstützen im Haushalt und übernehmen Fahrten zum Arzt von hilfsbedürftigen Menschen in Morschen, Alheim und Rotenburg. Die Mörscher Engel gibt es nun seit zehn Jahren. Dabei hat die Coronapandemie die Vereinsmitglieder vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Morschen - „Zu Beginn der Pandemie hat es richtig heftige Einbrüche gegeben“, sagt Gründerin Sabine Knobel. Zum Teil hätte nur noch 50 Prozent der Kunden die Dienstleistungen der Mörscher Engel in Anspruch genommen. Viele hätten Angst vor dem Kontakt gehabt und deshalb auf die Unterstützung im Haushalt erst mal verzichtet. Das habe man aber kompensieren können, indem Mitarbeiterinnen ihren Urlaub genommen hätten. „So sind wir dann ganz gut über die Runden gekommen“, sagt Knobel. Die Kunden der Mörscher Engel seien inzwischen zurückgekommen. Wie es nach der Pandemie mit dem ehrenamtlichen Angebot wie etwa dem Mittagstisch in Morschen weitergehen wird, müsse man sehen, sagt Knobel.

Die Gründung

Vor zehn Jahren sei die Idee der Hilfe vor Ort von vor Ort entstanden. Sabine Knobel, die als Vorsitzende in der evangelischen Frauenhilfe aktiv war, stellte fest, dass auch ältere Menschen gern im Ort wohnen bleiben wollten, aber das mit Haus und Garten für viele ohne Unterstützung nicht mehr zu stemmen war. Als Umfragen in der Gemeinde ihren Eindruck bestätigten, wurden die Mörscher Engel gegründet.

„Zunächst haben wir nur mit Ehrenamtlichen gearbeitet“, sagt Knobel. Erst nach einem Jahr habe sie sich getraut, jemanden hauptamtlich anzustellen. Der Mut hat sich gelohnt, denn das Angebot wurde unter anderem mit dem Goldenen Senfkorn, dem Innovationspreis des Kirchenkreises ausgezeichnet.

Einen richtigen Schub gab es für die Mörscher Engel auch durch das Pflegestärkungsgesetz, sagt Knobel. Das mache es möglich, dass bei vorhandenem Pflegegrad 125 Euro bei der Pflegekasse für niedrigschwellige Dienstleistungen von den Kunden beantragt werden können.

Mittlerweile unterstützen die Mörscher Engel 160 Menschen in Morschen, Alheim und Rotenburg. „Ich habe gewusst, dass das Angebot gebraucht wird, aber nicht in diesem Maß“. 19 Mitarbeiterinnen hat der Verein. Viele davon arbeiten in Teilzeit oder auf 450 Euro-Basis, sagt Knobel weiter.

Die Mitarbeiterin

Eine Mitarbeiterin, die schon seit neun Jahren dabei ist, ist Astrid Ellenberger aus Wichte. 2012 wurde die heute 50-Jährige durch einen Artikel auf die Mörscher Engel aufmerksam. Damals wollte sie sich beruflich verändern „Weil ich mehr mit Menschen arbeiten und Stunden reduzieren wollte“, sagt sie. „Die Arbeit der Mörscher Engel fand ich toll.“ Also gab Ellenberger ihren Beruf als Rechtsanwaltsfachangestellte auf „Ich habe das Gefühl, damit etwas Sinnvolles zu tun.“

Doch Corona hat auch ihre Arbeit schwieriger gemacht: Abstand halten, viel Desinfizieren, Handschuhe und Mund-Nasenschutz tragen. „Das ist gerade bei körperlicher Arbeit sehr anstrengend“, sagt Ellenberger. Daher seien zurzeit oft zwei Mörscher Engel bei langen Terminen. Auch würde nun anders geplant, wenn es um Fahrten mit den Betroffenen ginge. „Wir legen möglichst viel zusammen, zum Beispiel Arztbesuche und Einkäufe“, sagt sie, „beim Gang ins Geschäft müssen nun auch die Hilfsbedürftigen einen Wagen schieben.“ Zudem würden die Mörscher Engel zweimal pro Woche getestet und arbeiteten im Mörscher Testzentrum.

Einige Menschen, um die sich Ellenberger als Mörscher Engel gekümmert hat, sind ihr besonders in Erinnerung geblieben, zum Beispiel eine alte Dame. „Sie war einsam und als ich nach einer Woche zu ihr kam, lief sie weinend auf mich zu und sagte: Ich habe mich so sehr auf Sie gefreut.“

Oder ein an Demenz erkrankter Mann, den sie beim Gassigehen mit seinem Hund begleitete. „Irgendwann hat er mich nur noch an der Farbe meiner Arbeitskleidung erkannt“, sagt die 50-Jährige, „und weil er wusste, ich bin die, die ihn mit dem Hund begleitet.“ Auch wenn sie versucht, Distanz zu wahren: Besonders schwierig wird es, wenn ein Mensch stirbt, den sie lange betreut hat. „Ich versuche, Distanz zu wahren, aber je nachdem, wie gut ich den Betroffenen kannte, ist das schwierig“, sagt sie. „Ich spreche dann oft mit Kollegen, die den Verstorbenen auch kannten.“

Die Kundin

Renate Süß gehört zu denen, die sich Hilfe von den Mörscher Engeln holen. „Ich schaffe das wegen mehrerer Krankheiten nicht mehr“, sagt die 82-jährige Altmörscherin.

Montags kommt daher ein Mörscher Engel zum Putzen vorbei. „Für mich ist das sehr wichtig, weil das sonst meine Töchter machen müssten, die jedoch beide voll berufstätig sind.“ Als Dankeschön gibt es von Süß nach getaner Arbeit einen frisch gebrühten Kaffee. (Barbara Kamisli Und Fabian Becker)

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