Morschen

Ein Chronist mit viel Herzblut: Seit 62 Jahren dokumentiert Günter Kerste das Vereinsleben des TSV Altmorschen

Jahrzehntelang für den TSV Altmorschen aktiv: vorn links Chronist Günter Kerste und der Ehrenamtsbeauftragte Bernhard Heideloff, hinten Vorsitzender Arnt Maaßen und seine Stellvertreterin Hannelore Kalkstein.
+
Jahrzehntelang für den TSV Altmorschen aktiv: vorn links Chronist Günter Kerste und der Ehrenamtsbeauftragte Bernhard Heideloff, hinten Vorsitzender Arnt Maaßen und seine Stellvertreterin Hannelore Kalkstein.

Diese Vereinschronik dürfte in dieser Form einmalig sein: Günter Kerste aus Altmorschen hat seit 1959 alles dokumentiert, was sich im TSV Altmorschen bewegt und was darüber veröffentlicht wurde.

Altmorschen – Ungezählte HNA-Berichte, weitere Veröffentlichungen und Protokolle befinden sich in den mehr als 20 Aktenordnern.

In Buchform legt die Chronik Zeugnis ab von den Nachkriegs-Aktivitäten des 1906 gegründeten Vereins. Ein Verein, der immer in Bewegung war und ist.

Der 88-jährige Günter Kerste gerät ins Schwärmen, wenn er in den Bänden blättert. Sie dokumentieren das Leben eines aktiven Vereins, der heute noch 420 Mitglieder hat.

Kerste war Verwaltungsangestellter in den früheren Forstämtern Altmorschen und Spangenberg. Wenn er früher am Montagmorgen zum Dienst ging, hatte er bereits am Abend vorher die Spielberichte an die HNA durchgegeben.

Kerste war Mitglied der Feldhandball-Sparte, die schon 1957 aufgelöst wurde. Er wechselte zum Fußball, war Jugendleiter, Betreuer, Spartenleiter, ab 1978 acht Jahre TSV-Vorsitzender, danach stellvertretender Vorsitzender und Pressewart.

Auch für die frühere Spielgemeinschaft mit Neumorschen war er zuständig.

16 Jahre saß Kerste für die SPD in der Gemeindevertretung, acht Jahre war er als Erster Beigeordneter Vertreter des Bürgermeisters. Im Sport musste er bereits 1983 etwas kürzer treten – sein Herz machte nicht mehr so mit wie früher.

Was nichts daran änderte, dass er weiterhin viel Herz für den Verein zeigte.

Fußballer traten 1965 gegen den Deutschen Meister im Amateur-Fußball, Hannover 96, an.

„Wir hatten eine starke Turnabteilung“, erinnert er sich. Die Chronik dokumentiert aber auch die Aktivitäten der Leichtathletik-, Judo- und Volleyballsparte.

Als schönstes Erlebnis und größten Erfolg bezeichnet Kerste den 9. Mai 1965: Dem TSV gelang es, den damaligen deutschen Fußball-Amateurmeister Hannover 96 nach Altmorschen zu holen.

„Über 2000 Zuschauer kamen. Das war eine tolle Sache, auch Nationalspieler Hannes Baldauf war mit dabei“, sagt Kerste.

Bevor das Spiel angepfiffen werden konnte, war viel Kraft erforderlich. Nach einem Wolkenbruch stand der Platz unter Wasser. „Mit voller Kapelle“, so beschreibt Kerste heute den Einsatz, haben die Sportler damals Eisenstangen in den Boden gerammt – das Wasser lief ab.

Auch einen großen Turnabend mit Sportlern aus Hinwill in der Schweiz wird Kerste nie vergessen. „Ich freue mich über alles, was über unsere Vereinsaktivitäten noch in der Zeitung erscheint, auch wenn immer weniger darüber berichtet wird.“

Er hat seit 1965 auch den kleinsten Bericht über den Altmörscher Sport archiviert. „Hör’ endlich auf“, hat seine Frau schon mal gesagt, mit der er mehr als 60 Jahre verheiratet ist.

„Ich habe noch ein bisschen Lust und mache gern weiter“, sagt der Vater einer Tochter.

Seine Frau habe dafür immer Verständnis. „Ich konnte nie Nein sagen“, kommentiert Kerste all die Aktivitäten, die der Hessische Fußballverband, der Sportkreis Melsungen und die Gemeinde Morschen mit verschiedenen hohen Auszeichnungen gewürdigt haben.

„Es ist überragend, dass Günter Kerste über so viele Jahre mit viel Herzblut durchgehalten hat und weiter durchhält, das ist vorbildlich und einmalig“, freut sich Arnt Maaßen, seit 2016 Vorsitzender des TSV.

Und die zweite Vorsitzende, Hannelore Kalkstein, fügt hinzu: „Das ist bewundernswert.“

„Super Arbeit“ bestätigt der TSV-Ehrenamtsbeauftragte Bernhard Heideloff (83) dem Vereins-Chronisten, „er hat mich überzeugt, die Chronik für den Fußball mal fortzusetzen.“ (Manfred Schaake)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.