Ruth Ogwel will Hotelfachfrau werden

Fast hätte sie aufgegeben, jetzt macht sie eine Ausbildung - mit 40 Jahren

So deckt man richtig: Restaurant- und Bankettleiter Tobias Jazak zeigt der Auszubildenden Ruth Ogwel, wo welches Glas hingehört. Foto: Kamisli

Altmorschen. Eigentlich hatte Ruth Ogwel die Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz schon aufgeben. Jetzt hat sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen.

„Wenn das hier im Hotel Kloster Haydau nicht geklappt hätte, wäre ich zurück nach Kenia gegangen", sagt die 40-Jährige, die im September eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen hat.

Eineinhalb Jahre lang habe sie ungezählte Bewerbungen geschrieben - ohne Erfolg.

Das Problem, sagt sie, sei oft ihr Alter gewesen. Ganz anders in Altmorschen. „Ich habe gar nicht über das Alter von Frau Ogwel nachgedacht“, sagt Hoteldirektor Alexander Hess. Ihn habe die Bewerberin im Gespräch und beim Probearbeiten überzeugt.

Ruth Ogwel erinnert sich noch genau an den Anruf aus Morschen, auf den sie nicht zu hoffen gewagt hat. „Ich saß gerade beim Abendessen. Es war wie ein Traum“, sagt die 40-Jährige, die in Oberkaufungen lebt. Noch immer ist sie ganz gerührt, wenn sie sich daran erinnert.

Direktionsassistentin Julia Trümpelmann, die im Hotel unter anderem für die Ausbildung zuständig ist, lud sie zum Vorstellungsgespräch ein. Nach dem ersten Gespräch arbeitete Ruth Ogwel zwei Tage Probe. Nach einem weiteren Gespräch mit Hoteldirektor Alexander Hess kam die Zusage. „Ich war so froh, ich hätte ihn am liebsten gedrückt“, sagt die 40-Jährige lachend. Eigentlich sagt Ruth Ogwel, die aus Nairobi stammt, habe sie bereits eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau, die sei aber in Deutschland nicht anerkannt. Also hat sie unter anderem Kindern Englisch beigebracht und auch schon in verschiedenen Hotels gearbeitet.

Aber mit Aushilfsjobs wollte sie sich nicht länger zufrieden geben, deshalb habe sie nach einer Ausbildungsstelle gesucht. „Ich will sagen können, ich habe eine qualifizierte Ausbildung“, sagt sie. Die bekommt sie jetzt. Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Hotelfachfrau. In dieser Zeit durchläuft Ruth Ogwel im Hotel die Bereiche Restaurant, Verwaltung, Zimmerservice, Küche und Rezeption. Außerdem muss sie im ersten Ausbildungsjahr regelmäßig zur Berufsschule nach Homberg, später nach Kassel. Auch dort ist der Altersunterschied zwischen ihr und den anderen Berufsschülern kein Thema. „Wir haben jede Menge Spaß“, sagt sie und lacht.

Sieben Auszubildende gibt es zur Zeit im Hotel Kloster Haydau. Zwei werden als Köche ausgebildet, die anderen zu Hotelfachleuten. Eigentlich, sagt Hotelchef Hess, habe man nur vier Ausbildungsplätze anbieten wollen. Weil Ausbildung aber ein wichtiges Thema in der Compass Group sei und weil es so viele gute Bewerbungen gegeben habe, werden nun sieben Männer und Frauen ausgebildet.

„Einerseits wollen wir jungen Menschen mit der Ausbildung einen Weg ebnen, aber es geht auch darum, in der Gastronomie und Hotellerie eine Basis für die Zukunft zu schaffen“, sagt Hess in Hinblick auf Fachkräftemangel in der Branche.

Von Barbara Kamisli

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