Serie „Arbeitszeit“

„Frauen können das auch“: Martina Krug ist Klärwärterin in Morschen

Martina Krug ist Klärwärterin in der Gemeinde Morschen. Sie liebt ihren Beruf und findet nicht, dass die Arbeit bei der Kläranlage ein Männerjob ist.
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Martina Krug ist Klärwärterin in der Gemeinde Morschen. Sie liebt ihren Beruf und findet nicht, dass die Arbeit bei der Kläranlage ein Männerjob ist.

Ob Steueramt, Kläranlage, Kinderbetreuung oder Friedhofsverwaltung – die Arbeitsbereiche in den Kommunen sind vielfältig. In unserer Serie Arbeitszeit stellen wir Mitarbeiter und ihre Aufgaben vor.

Morschen – Klärwärtern stinkt ihr Job gewaltig. Stimmt das oder ist es nur ein Vorurteil? Bei Martina Krug, der Klärwärterin von Morschen, ist das definitiv ein Vorurteil. Sie ist stolz auf ihren Job.

Seit 20 Jahren führt sie die Morschener Kläranlage fast ganz allein. „Man arbeitet quasi wie ein alleinschaffender Künstler. Ich überprüfe mich immer selbst.“ Denn wenn die täglichen Wasserproben die richtigen Werte haben, weiß Martina Krug, dass sie alles richtig gemacht hat. Mittlerweile hat die 55-Jährige auch jahrelange Erfahrung und weiß sofort, wenn mal etwas nicht stimmt.

Arbeit am Schreibtisch und an der frischen Luft

Direkt nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik. „Damals gab es wenig Lehrstellen, und da ich gerne draußen bin, dachte ich, das ist das Richtige für mich“, erinnert sich Krug. In ihrer Arbeitshose sitzt sie im Büro der Kläranlage. „Klärwärterin zu sein heißt: draußen zu arbeiten und auch am Schreibtisch.“ In der Kläranlage zu arbeiten, ist nämlich gar nicht so eklig oder schmutzig, wie die meisten denken.

Zu Martina Krugs Aufgaben gehört weitaus mehr, als im Schmutzwasser zu wühlen. Ihr Beruf ist sehr vielseitig: „Ich muss die Maschinen in Schuss halten und zum Beispiel Ölwechsel machen, das Kläranlagengrundstück pflegen, Wasserproben nehmen und Auswerten und Abwasser-Berichte schreiben“, erklärt sie.

Manchmal wünsche sie sich eine starke helfende Hand, da einige Arbeiten „ein ganz schöner Knochenjob“ seien. Doch ihr Motto ist: „Wir Frauen können das auch alleine.“

„Von Anfang an ernstgenommen“

In ihrer Berufslaufbahn hat die starke Frau gelernt, sich durchzusetzen. Zwölf Jahre lang war sie bei der Bundeswehr in Wolfhagen und hat dort die Kläranlage überwacht. „Da war ich die einzige Frau. Trotzdem hat man mich von Anfang an ernstgenommen“, erinnert sie sich. „Ich glaube, die Männer fanden es auch mal toll, dass eine Frau da war.“

Mittlerweile gebe es viele Frauen, die in der Kläranlage arbeiten. „Ich finde es toll, dass das auch Frauen machen“, sagt Martina Krug. „Ich hoffe, dass ich die Arbeit bis zu meiner Rente machen kann.“ Dass es auch manchmal unangenehm werden kann und man als Klärwärterin auch mal in einen Kanal steigen muss, macht Martina Krug nichts aus. „Ich bin da abgehärtet. Man gewöhnt sich auch an den Geruch“, verrät sie.

Natur als Ausgleich

Zum Ausgleich in ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gerne mit der Natur. „Ich komme aus einer landwirtschaftlichen Familie und hatte schon immer eine Verbindung zur Natur.“ In ihrem Lädchen in Altmorschen verkauft sie Gestecke, selbst gemachte Salben und Tees. „Ich sammele gerne Dinge in der Natur und verarbeite sie. Das ist etwas für meine Seele und auch noch kostenlos.“

Weil ihr die Umwelt so am Herzen liegt, könne sie nicht verstehen, warum die Menschen sie zerstören. Auch in ihrem Beruf sieht sie täglich die Folgen der Umweltverschmutzung. „Menschen werfen Dinge in den Abfluss, die gar nicht da rein gehören.“ Q-Tips, Farbreste oder Feuchttücher verstopfen den Kanal regelmäßig. „Ich wünsche mir, dass die Menschen umweltbewusster werden, denn Umweltschutz beginnt vor der Haustür“, sagt die Klärwärterin. (Clara Pinto)

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