Begleiten bis in den Tod

Gegen aktive Sterbehilfe: Diskussion in Morschen

Diskutierten über Sterbehilfe: von links Ex-Vizekanzler Franz Müntefering, Bundestagsabgeordneter Prof. Dr. Edgar Franke, Dekan Prof. Dr. Helmut Umbach, Thomas Sitte von der Deutschen Palliativ-Stiftung sowie Gerta Barth und Petra Hochschorner vom Trauer- und Hospiznetzwerk Schwalm-Eder. Foto: Schaake

Altmorschen. 150 Zuschauer waren am Dienstagabend ins Kloster Haydau nach Altmorschen gekommen, wo über Sterbebegleitung und -hilfe diskutiert wurde.

Dazu eingeladen hatte das Evangelische Forum Schwalm-Eder in Zusammenarbeit mit dem Trauer- und Hospiznetzwerk Schwalm-Eder. Ein Fazit war: Eine neues Gesetz zur Sterbehilfe sei nicht notwendig. Stattdessen müsse man Ärzte und Hospize bei ihrer Arbeit besser unterstützen. Die wichtigsten Aussagen:

FRANZ MÜNTEFERING: 

„Das natürliche, normale Sterben muss möglich sein. Es ist die Kunst der Hospize, zu erkennen, wann das beginnt“, sagte der Ex-Vizekanzler Franz Müntefering. „Mit der Begleitung im Sterben sind wir weit gekommen. Wir müssen es weiter ausbauen und alles tun, Menschen auf der letzten Strecke zu helfen, damit das Sterben gelingt. Auch das letzte Stück kann schön sein.“

HELMUT UMBACH: 

„Das Leben ist eine Gabe Gottes, und ich beleidige den Schöpfer, wenn ich mich selbst töte“, sagte Dekan Helmut Umbach. „Wenn ich eine aktive Sterbehilfe, Tötung auf Verlangen, straffrei mache, dann sind einem rein kommerziellen Menschenbild Tor und Tür geöffnet, und die Menschenwürde geht am Ende verloren.“ Die aktuelle Gesetzeslage sei ausreichend.

PETRA HOCHSCHORNER: 

Aktive Sterbehilfe widerspreche laut Satzung dem Zweck des Vereins. Das betonte Petra Hochschorner, Koordinatorin der Hospizgruppe Felsberg/Melsungen. Ziel sei, Menschen zu begleiten, damit das Leben auch am Ende noch lebenswert sei. Von den 35 Ehrenamtlichen der Hospizgruppe hätten sich 19 an einer Umfrage beteiligt: fünf seien für aktive Sterbehilfe, 14 dagegen.

THOMAS SITTE:

„Wir können jedes Leiden am Lebenden lindern“, sagte Thomas Sitte, Arzt und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Palliativ-Stiftung. Der Wunsch nach einem Sterben in Würde sei ein stiller Wunsch, „der in unserem Gesundheitssystem bislang kaum wahrgenommen wird“.

Mit richtigen Medikamenten könne man Menschen Angst und Schmerzen nehmen. Ziel sei, dass alle Menschen die Chance haben, Wünsche über das eigene Sterben auszusprechen.

EDGAR FRANKE: 

„Aus rechtlichen Gründen brauchen wir kein Gesetz, aktive Sterbehilfe ist verboten“, sagte Bundestagsabgeordneter Edgar Franke. Man streite sich derzeit darüber, ob Ärzte den Suizid unterstützen dürfen. „Den Konflikt kann kein Gesetzgeber auflösen.“ Die Politik sollte keine Voraussetzungen aufstellen, wann ein ärztlich begleiteter Suizid möglich sein solle. Ärzten sollten größere Entscheidungsspielräume zugebilligt werden. Wichtig sei, die Palliativ- und Hospizversorgung auf dem Lande weiterzuentwickeln.

Von Manfred Schaake

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