Material liegt im Trend

Harte Schale, weicher Klang: Morschener baut Lautsprecherboxen aus Beton

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Gehäuse aus Beton: Seine Lautsprecherboxen entwirft Stefan Schramm nach Kundenwunsch. Dieses Exemplar steht auf einem Betonfuß.

1800 Euro kosten Stefan Schramms Lautsprecherboxen aus Beton. Der Morschener entwirft sie aber nur nebenbei. 

Der Sänger holt Luft, der Schlagzeuger hebt die Sticks an, ein Glas zerbricht. Diese Details hört Schramm in seinem Lieblingslied. Wegen des massiven Materials entstehen keine Schwingungen in der Box. Dadurch werden alle akkustischen Details hörbar. Die Idee, Beton als Baumaterial für Boxen einzusetzen, hatte Schramm schon mit 15 Jahren. Schon damals war er leidenschaftlicher Bastler von Lautsprecherboxen. Zusammen mit Freunden baute er Modelle aus mitteldichten Holzfaserplatten. Schnell stellten die Jugendlichen fest, dass die Tonqualität dabei ausbaufähig war.

Mit 25 wurde er zum Erfinder 

Das Holz übertrug zu viele Schwingungen, was sich negativ auf den Klang auswirkte. „Da habe ich aus Spaß gesagt, eigentlich müssten wir mal einen Lautsprecher aus Beton bauen“, erzählt Schramm. Weil das Material so stabil und hart sei, vibriere die Lautsprecherbox beim Abspielen nicht. Dadurch herrsche bei jeder Lautstärke eine gleichmäßig gute Tonqualität. Aus dem Spaß wurde Realität. Etwa zehn Jahre später baute der heute 54-Jährige seine erste Betonbox mit Eisenarmierung (Gerüst). Die Box habe anfangs auch gut funktioniert, nach ein paar Jahren hätten sich jedoch die ersten Risse gezeigt. Außerdem habe sich das Metall im Inneren des Betons gelockert und Geräusche gemacht.

Daraufhin lag die Idee lange auf Eis, bis Schramm vor etwa zehn Jahren von einem Freund angesprochen wurde, AlexanderPaul vom Betrieb b.ton betondesign. „Er hat mich gefragt, ob ich eine Idee für ein neues Produkt hätte, und so sind wir auf die Boxen gekommen“, erzählt der Hobbymusiker, der in mehreren Soul-Bands mitspielt.

Seitdem entwirft er in seiner Freizeit die Gehäuse, und b.ton gießt sie. Jede Box wird in einem Stück gegossen. „Beim Gießen gibt es einiges zu beachten, zum Beispiel, dass keine Luftblasen entstehen“, sagt Schramm, der anschließend die Feinarbeit wie das Abschleifen sowie die technische Ausstattung übernimmt.

Bezüglich Form und Farbe orientiert sich der Hobbymusiker soweit wie möglich an den Wünschen seiner Kunden. Von gelbem Beton über eingravierte Initialien bis hin zu Jeansstoff-Abdruck in der Oberfläche gab es schon einige ausgefallene Anfragen. Jede Box ist ein Unikat. „Die meisten Kunden möchten aber einfach eine schwarze Box mit glatter Oberfläche“, verrät Schramm.

150 Arbeitsstunden

10 Kilogramm wiegt eine Lautsprecherbox aus Beton. Trotzdem ist sie leicht zu transportieren. Stefan Schramm bietet jedoch auch Hilfe beim Transport an.

40 Quadratmeter Raum sind laut Schramm eine Größe, bei der die Betonbox ihre Tonqualität gut entfalten kann. Kunden berät er über den passenden Standort im Zimmer.

150 Arbeitsstunden stecken ungefähr in einer Lautsprecherbox, bis Schramm sie an den Kunden übergeben kann. Je spezieller die Gestaltungswünsche sind, desto länger dauert es.

1800 Euro kosten zwei rechteckige Boxen mit Lautsprechern ohne Stativ.

Hauptberuflich bei B. Braun

Stefan Schramm (54) lebt mit Ehefrau Vera und ihrem Hund im Morschener Ortsteil Konnefeld. Schramm arbeitet hauptberuflich bei B. Braun in Melsungen. In seiner Freizeit interessiert er sich für Musik. Er spielt seit vier Jahren Saxofon und tritt regelmäßig mit verschiedenen Bands auf. Seine Leidenschaft sind die Musikrichtungen African Soul und Neo-Soul. Ihn begeistern aber auch andere Genres wie zum Beispiel Musik im Stil von Liedermacher Reinhard Mey.

Kontakt:Stefan Schramm, Tel. 01 78/ 9 38 71 02.

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