Steine müssen aufwändig saniert werden 

Jahrhunderte alte Grabsteine auf jüdischem Friedhof in Binsförth werden saniert

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Die Steine sind zum Teil mehrere hundert Jahre alt: Steinmetz Uwe Kieling aus Homberg sorgt mit seinen Mitarbeitern dafür, dass die Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Binsförth wieder standsicher sind.

Binsförth. Steinmetz Uwe Kieling aus Homberg sorgt mit seinen Mitarbeitern dafür, dass die Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Binsförth wieder standsicher sind.

Er saniert Grabsteine, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind. Der Jüdische Friedhof versteckt sich an einem Hang oberhalb von Binsförth. Wer ihn sucht, muss genau hinsehen, denn der kleine Wegweiser an einem Lattenzaun im Dorf ist leicht zu übersehen. Ein, zwei Kilometer geht es den ausgetretenen Feldweg hinauf, über den schon Generationen von jüdischen Mitbürgern zu den Gräbern ihrer Familienmitglieder und Freunde gegangen sind. Mittlerweile kommt nur noch selten Besuch.

Seit Monaten vor Ort sind aber Steinmetze aus Homberg, die die Grabsteine sanieren. Die Aktion läuft bereits seit 2017. Wenn die Arbeiten in den kommenden Tagen abgeschlossen sein werden, sind 159 der 256 Grabsteine wieder in einem stabilen Zustand. Bund und Land tragen die Sanierungskosten von 44.000 Euro. Friedhofseigentümer ist der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, die Pflege wird von der Gemeinde Morschen betreut.

Uwe Kieling und seine Mitarbeiter sind erfahrene Steinmetze, denn die Arbeit an den zum Teil jahrhundertealten Steinen ist manchmal Puzzlearbeit, wenn beispielsweise ein Stein abgebrochen ist und der passende Sockel dazu gesucht werden muss.

Manchmal müssen fehlende Stücke geschickt ergänzt werden. Steinmetz Uwe Kieling sagt: „Wir versuchen, darauf zu verzichten, mit Schlagbohrer Edelstahldübel zu setzen.“

Die Grabsteine werden jedes Jahr auf ihre Standfestigkeit überprüft, der älteste lesbare Stein stammt aus dem Jahr 1694, ist also 324 Jahre alt. Jüdische Grabstätten haben ewiges Ruherecht und werden nicht eingeebnet.

Christoph Schindler, der Beauftragte des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, arbeitet dann einen Sanierungsplan für jeden Grabstein aus. „Wir versuchen, die Substanz soweit wie möglich zu erhalten“, sagt Kieling. Manche Steine sind stark verwittert, stehen schief oder sind abgebrochen. Andere sind erstaunlich gut erhalten wie der prächtige Grabstein aus dem Jahr 1695, der mit Engelsgestalt im Giebel, Levitenkanne und Blumenmotiven verziert ist. An den Schriftzeichen wird nichts verändert. Die Standsicherheit der Steine ist das Wichtigste. Mit Wasser und Bürste werden alle Steine gereinigt und von Moos befreit.  

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