Künftiger Bürgermeister von Morschen präsentiert 100-Tage-Plan

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Hat viele Ideen für Morschen: Ingo Böhm, der am vergangenen Sonntag zum Bürgermeister von Morschen gewählt wurde. 

Morschen. Ingo Böhm ist am Sonntag in der Stichwahl zum Bürgermeister von Morschen gewählt worden - im Interview äußert sich der 44-Jährige zu seinen Plänen.

Bereits vor seiner Wahl hatte Ingo Böhm einen 100-Tage-Plan auf seiner Internetseite veröffentlicht. Wir sprachen mit ihm unter anderem über Optimierung in der Verwaltung, die Arbeit mit dem Parlament und seine Ideen für die Zukunft. Seine Amtszeit beginnt am 1. Juli.

Sie haben einen 100-Tage-Plan aufgestellt. Da geht es auch um Optimierung und schriftliche Arbeitsanweisungen für die Verwaltung. Sind Sie ein Bürokrat Herr Böhm?

Ingo Böhm: (lacht) Ich bin zumindest ein Verwaltungsmensch und lege Wert auf Ordnung. Es gibt einen Geschäftsverteilungsplan, der muss überarbeitet werden. Mir ist wichtig, dass jeder weiß, wer für was zuständig ist und welche Befugnisse er hat. Die Mitarbeiter haben dadurch ja auch Sicherheit. Sie haben Bereiche, in denen sie eigenverantwortlich agieren können.

Man kann sagen, dass Sie eher als Außenseiter an den Start gegangen sind. Was glauben Sie, warum Sie sich trotzdem durchsetzen konnten?

Böhm: Ich glaube, dass es bei den Menschen einerseits Verdruss gab, eine Parteipolitikerin, die nur an einer Partei hängt, zu wählen und dass viele beim Amtsinhaber fehlende Motivation gesehen haben. Ich habe gemerkt, dass es da Punkte gab, wo die Stimmung zu meinen Gunsten gekippt ist. Ein Beispiel ist der HNA-Lesertreff, wo ich meine Positionen noch mal genauer darstellen konnte.

Was machen Sie denn jetzt die nächsten drei Monate?

Böhm: Am liebsten würde ich sofort loslegen. Ich würde mich natürlich freuen, wenn mich der jetzige Bürgermeister ordentlich einarbeitet. Und ich habe schon einige Gesprächstermine vereinbart.

Sie wollen nicht nur die Verwaltung optimieren. Sie wollen auch die Arbeit der Ortsbeiräte stärken. Nennen Sie mal ein Beispiel?

Böhm: Eine Idee ist es, dass man den Ortsteilen eigene Budgets zur Verfügung stellt, über die sie selbst entscheiden können. Damit sind sie in einem gewissen Rahmen handlungsfähig.

Ist diese Idee bei der maroden Haushaltslage wirklich realisierbar?

Böhm: Das ist insofern hinzukriegen, dass die Gemeinde ja sowieso jedes Jahr bestimmte Beträge an die Ortsteile bezahlt. Das muss man sich aber sicher genau anschauen.

Ihre Ziele können Sie nicht ohne die Unterstützung der Gemeindevertretung angehen.

Böhm: Ich bin da voller Zuversicht auch durch die neue Konstellation mit den Freien Wählern. Da sind viele motivierte Leute mit tollen Ideen dabei.

Die aber auch keine Mehrheit haben. Ihr Verhältnis zur SPD ist eher angespannt. Wie wollen Sie eine sachorientierte Arbeit hinbekommen?

Sie fragen sich, was es mit diesem Ei auf sich hat? Hier gibt es die Erklärung.

Böhm: Ich will gern mit der SPD zusammenarbeiten. Ich bin absolut gesprächsbereit. Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt will ich unvoreingenommen und unbelastet meine Arbeit beginnen. Wir erreichen nur etwas auf dem Weg des Konsens‘. Wir müssen alle Kompromisse eingehen. Es wird sicher viele, viele Gespräche geben.

Im 100-Tage-Plan ist auch von der Förderung von Gewerbetreibenden und Selbstständigen die Rede. Geld ist keines da. Wie soll das aussehen?

Böhm: Die Gemeinde könnte zum Beispiel mit Grundstücken oder bei Anträgen zur Förderungen durch die KfW-Bank unterstützen. Das muss man sehen. Wichtig ist, ich bin zentraler Ansprechpartner für alle Gewerbetreibenden und Selbstständigen.

Was für Gewerbe könnte das denn sein?

Böhm: Es geht hier nicht um Unternehmen mit 50 oder 60 Arbeitsplätzen - da mache ich mir keine Illusionen. Sondern es geht um Selbstständige und Handwerker, die sich zum Beispiel im Umfeld vom Hotel Kloster Haydau einbringen könnten. Wir brauchen gutbürgerliche Gastronomie in Morschen. Ich hatte auch schon Kontakt mit dem Hoteldirektor.

Damit wären wir beim Tourismus. Wie wollen Sie den in Schwung bringen?

Böhm: Wir liegen an ganz vielen Radwegen. Ich stelle mir außerdem eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden vor. Ich denke da vor allem an Malsfeld und Ahlheim. Auch über touristische Artbeitsgemeinschaften muss man kritisch reden.

Zur Person

Ingo Böhm (44) aus Altmorschen ist Diplom-Finanzwirt (FH) und Jurist. Am 1. Juli tritt er sein Amt als Bürgermeister der Gemeinde Morschen an. Er ist verheiratet und hat einen Sohn (6) und eine Tochter (10). In seiner Freizeit reist er gern, fotografiert und werkelt im Haus herum.

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