Erster Fall nach Änderung des Bundesjagdgesetzes

Novum in Hessen: Morschener will Jäger von seinem Grundstück fernhalten

Morschen. Jörg Hanstein sorgt für ein Novum in Nordhessen: Der Morschener möchte seine Grundstücke befrieden lassen - aus ethischen Gründen. Möglich macht das eine Änderung des Bundesjagdgesetzes.

Im Paragrafen 6a heißt es, dass eine Befriedung von Grundflächen aus ethischen Gründen möglich ist. Der Paragraf ist seit dem 6. Dezember 2013 in Kraft.

Jeder Grundstückseigentümer im Außenbereich wird zwangsweise Mitglied in der Jagdgenossenschaft und muss die Jagd dulden.

Hessenweit gebe es noch keinen vergleichbaren Fall, sagt Jochen Dörrbecker, Fachbereichsleiter Ordnung und Sicherheit beim Landkreis. Im Schwalm-Eder-Kreis sei es der erste Fall. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte 2012 entschieden, dass Grundstückseigentümer nicht mehr verpflichtet werden dürfen, den Abschuss von Tieren auf ihrem Grund und Boden zu dulden. Denn dies stelle eine unverhältnismäßige Belastung für Grundstückseigentümer dar, die die Jagd ablehnten. Die Richter argumentierten, dass die alte Rechtsprechung den Schutz des Eigentums verletzten.

Pikant ist allerdings, dass der Paragraf eine Befriedung zum Ende des Jagdpachtvertrags vorsieht. Im Fall von Hanstein läuft dieser noch zehn Jahre. „Ich kämpfe doch nicht für eine Befriedung, bekomme Recht und muss noch zehn Jahre darauf warten“, kritisiert der Tierschützer.

In Ausnahmefällen sei eine Befriedung zum Ende des laufenden Jagdjahres (31. März) möglich. Allerdings nur, wenn es für den Eigentümer eine besondere Härte darstellen würde, zu warten.

Die Entscheidung liegt bei der Unteren Jagdbehörde. „Wir müssen die schutzwürdigen Interessen der Jagdgenossenschaft gegenüber der besonderen Härte für den Antragsteller abwägen“, sagt Dörrbecker. Mit einer Entscheidung sei in den kommenden Wochen zurechnen.

Von Damai D. Dewert  

Mehr lesen Sie in unserer gedruckten Samstagsausgabe.

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.