Firmeninhaber wurde ermordet

Heimag-Exponate werden in Altmorschen neu präsentiert

Freuen sich über die Sammlung: Vorn Gudrun und Jochen Reichmann, hinten von links Ingo Böhm, Oskar Musolff und Arnt Maaßen, der für die digitale Präsentation der Ausstellung verantwortlich ist.
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Freuen sich über die Sammlung: Vorn Gudrun und Jochen Reichmann, hinten von links Ingo Böhm, Oskar Musolff und Arnt Maaßen, der für die digitale Präsentation der Ausstellung verantwortlich ist.

Im Kloster Haydau in Altmorschen werden jetzt Exponate der ehemaligen Maschinen- und Gerätebaufirma August Heinzerling (Heimag) präsentiert. Im Erdgeschoss des Ostflügels erwacht die Heimag-Geschichte zu neuem Leben.

Altmorschen – Bisher waren die Exponate bisher im Haus Schröder untergebracht, das der Arbeitskreis Ortsgeschichte auch als Archiv nutzt. Nun kann man sie während der Klosterführungen anschauen.

Heimag war ein Unternehmen von überregionaler Bedeutung und bestem Ruf. Die noch vorhandenen Exponate stellte Gudrun Reichmann, die Tochter von August Heinzerling (1899 – 1989), für die Dauerausstellung zur Verfügung. Bereits im Dezember 2019 hatten Bürgermeister Ingo Böhm und Professor Dr. Heinz-Walter Große, Vorsitzender des Fördervereins Kloster Haydau, den Leihvertrag unterschrieben. „Im Kloster werden unsere Schätze endlich so präsentiert, wie sie es verdienen“, hatte sich schon damals Otto Wohlgemuth vom Arbeitskreis Ortsgeschichte gefreut. Und für Große ist der jetzige Raum der richtige Ort für die Präsentation der Geschichte „eines großartigen Erfinders und Unternehmers“.

Im Mittelpunkt der neuen, vom Leader-Programm geförderten Präsentation steht der von August Heinzerling erfundene Rührfix. Den hatte das Unternehmen zunächst in Kassel produziert. Der Glasbehälter, der später aus Plastik bestand, hat zwei Metallquirle, die mit einer Handkurbel gedreht wurden. „Mein Vater hatte unwahrscheinliche Ideen“, sagt Gudrun Reichmann heute. Und nennt als weiteres Beispiel eine Zitronenpresse mit einem Eidotter-Fänger.

Bis 1997 stellte Heimag den Rührfix in Altmorschen her. Mehr als acht Millionen Stück wurden weltweit verkauft. In Kirchditmold hatte der Maschinenbau-Meister und Ingenieur August Heinzerling das Unternehmen 1933 gegründet. Nach der Zerstörung Kassels im Krieg flüchtete die Familie zunächst in ein Dorf im Schwälmer Land und kam 1945 ins verfallene Kloster Haydau. Mit viel Fleiß baute August Heinzerling das Unternehmen neu auf. Es hatte in den besten Zeiten 140 Mitarbeiter.

Tragisch endete die Heimag-Erfolgsgeschichte 1997. Renate und Karl Heinzerling, der die Firma von seinem Vater übernommen hatte, wurden in ihrem Wohnhaus ermordet. In der Mörscher Chronik ist zu lesen: „Der Versuch des Großneffen Walter Heinzerling, die Firma wiederzubeleben, scheitert. 2004 wurde das Unternehmen geschlossen. Die verbliebenen 100 Mitarbeiter wurden entlassen. Die Reste der insolventen Firma wurden versteigert. Darunter waren auch die letzten Paletten mit dem Rührfix.

Seit vielen Jahren hält der Arbeitskreis Ortsgeschichte im Förderverein Kloster Haydau die Heimag-Geschichte in Ehren. Gudrun Reichmann freut sich über die Präsentation. Aus ihrem Nachlass hat sie auch den Lederkoffer zur Verfügung gestellt, mit dem ihr Vater vor der Firmengründung zehn Jahre lang durch die USA reiste. Auch der Meisterbrief aus 1922 ist ausgestellt. „Ich bin glücklich, dass die Exponate einen solch schönen Platz gefunden haben, die Präsentation ist sehr gut“, sagt Gudrun Reichmann, die das Projekt auch mit einer Geldspende unterstützt hat. Oskar Musolff, 42 Jahre Heimag-Mitarbeiter: „Eine neue Attraktion für Morschen, das Kloster und die Region.“ (Manfred Schaake)

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