Affen klauten ihnen die Äpfel

Paar aus Binsförth zog mit dem Auto nach Uganda um

Vollgepackt bis unter das Dach: Regina Schade ist im Jahr 1999 gemeinsam mit Hans Mohlfeld umgezogen – alle Habseligkeiten in ihrem Toyota Hilux verstaut.
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Vollgepackt bis unter das Dach: Regina Schade ist im Jahr 1999 gemeinsam mit Hans Mohlfeld umgezogen – alle Habseligkeiten in ihrem Toyota Hilux verstaut.

Corona hat vielen einen Strich durch die Urlaubspläne gemacht. Deshalb erinnern wir uns mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, an Ihre schönsten Reise. Im letzten Teil der Serie geht’s einmal quer durch Afrika.

Morschen – Einen Umzug mit dem Auto durch Afrika machen: „Warum nicht?“, dachten sich Regina Schade (59) und Hans Mohlfeld (61) aus Binsförth. Und das Ganze haben die beiden mit einem knapp dreiwöchigen Urlaub verbunden. Ihre Reisewege durch den afrikanischen Kontinent haben sie noch ganz genau vor Augen. Keine Spur davon, dass die Reise schon über 20 Jahre her ist.

Mohlfeld und Schade arbeiteten 1999 als Entwicklungshelfer für Landwirtschaft in Afrika. „Regina war in Namibia eingesetzt worden und ich in Uganda. Dort ist dann ein Projektplatz frei geworden und Regina hat ihn tatsächlich bekommen“, berichtet Mohlfeld. Die Freude sei riesig gewesen. Für den anstehenden Umzugsurlaub wollten sich die beiden dann auf halbem Weg in Lusaka (Sambia) treffen. Vor Schade lagen mehr als 1500 Kilometer teils unwegsame Strecke. „Das war die schlimmste Autofahrt meines Lebens“, erzählt die 59-Jährige lachend. „Es ging über Stein-Pisten, auf denen konnte ich maximal 30 Stundenkilometer fahren. Das war echt Wahnsinn.“ Insgesamt war sie zwei volle Tage unterwegs. Mohlfelds Anreise dauerte sogar fünf Tage. Von Uganda ging es für den 61-Jährigen erst einmal per Bus in die tansanische Großstadt Daressalam und dann weitere 48 Stunden mit dem Zug von Tansania nach Sambia. „Der Zug fuhr damals nur zwei Mal die Woche, da kann man nicht sehr wählerisch sein“, erzählt Mohlfeld.

Nach den herausfordernden Anreisen konnte der Urlaub beginnen. Ihren ersten Stopp legten sie im Süd-Luangwa Nationalpark in Sambia ein. Dort präsentierte sich ihnen die ganze Vielfalt der afrikanischen Tierwelt, darunter Löwen, Elefanten und Zebras. „Die Tiere dort waren nicht scheu, wir konnten sehr nah heran“, berichtet Schade. Doch man müsse sich auch vor einheimischen Tieren in Acht nehmen. „Wenn Elefanten etwas Leckeres in einem Auto wittern, knacken sie gern mal den Wagen auf“, erzählt Schade. „Uns wurden glücklicherweise nur ein paar Äpfel von Affen gestohlen“ ergänzt Mohlfeld.

„Wirklich verrückt war es, als wir eine Autopanne hatten“, erinnert sich der 61-Jährige. „Wir dachten, wir wären im absoluten Nirgendwo. Doch dann kamen von überall her Einheimische. Plötzlich wurden uns Tomaten und Fanta verkauft. Was auch sonst?“ Mohlfeld und Schade müssen immer noch herzlich lachen bei der Erinnerung an diesen Moment. „Aber natürlich wurde uns auch schnell geholfen“, sagt Schade. Das Ehepaar durchquerte auf ihrer Reise die Länder Malawi, mit einem Abstecher an den großen Malawisee, und auch Tansania. Dort genossen sie die Strände des Indischen Ozeans in dem Küstenstädtchen Pangani. „Es war einfach unglaublich schön“, erzählt Schade mit glänzenden Augen. In Uganda angekommen, war das Ehepaar besonders von den Bujagali Wasserfällen angetan. „Ganz in der Nähe entspringt der Nil aus dem Viktoriasee“, weiß Mohlfeld. „Wir waren während der Schmetterlings-Saison da, so viele Schmetterling auf einmal hat man noch nicht erlebt“, erzählt er weiter.

Spannend sei jedoch nicht nur die Natur gewesen, sondern auch das Treiben am Flussufer. „Dort werden Kleider gewaschen, es wird Trinkwasser abgefüllt“, sagt Schade. „Das Leben findet dort am Wasser statt.“ Nach über 6000 Kilometern quer durch Afrika war das Ziel erreicht: Mbarara in Uganda. Für Schade und Mohlfeld bleiben sowohl Urlaub als auch Umzug unvergessen. (William Abu El-Qumssan)

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