Kommunen kritisieren neue Zuordnung

Morschen und Spangenberg sollen anderen Mittelzentren zugeteilt werden

Wollen im Kreis bleiben: Die Gemeinde Morschen soll laut dem Entwurf des Landesentwicklungsplanes Hessens 2020 künftig zum Mittelzentrum Rotenburg im Kreis Hersfeld-Rotenburg gehören.
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Wollen im Kreis bleiben: Die Gemeinde Morschen soll laut dem Entwurf des Landesentwicklungsplanes Hessens 2020 künftig zum Mittelzentrum Rotenburg im Kreis Hersfeld-Rotenburg gehören.

Wenig Begeisterung herrscht gerade in Morschen und Spangenberg. Der Grund: Im Entwurf des Landesentwicklungsplanes Hessen 2020 sind die beiden Kommunen Mittelzentren außerhalb des Schwalm-Eder-Kreises zugeordnet. Statt wie bisher Melsungen wäre das im Falle Spangenbergs Hessisch Lichtenau und im Falle Morschens Rotenburg.

Morschen/Spangenberg – Nicht nur die Bürgermeister Ingo Böhm und Peter Tigges finden die Neuordnung nicht gut, auch die SPD-Fraktion in Morschen ist damit nicht einverstanden. Für die Sitzung am heutigen Donnerstag hat sie beantragt, dass die Gemeindevertretung das Land Hessen auffordern soll, die neue Zuordnung wieder zu ändern.

Man befürchte, dass durch die neue Zuteilung zu Rotenburg gewachsene Strukturen verloren gehen, sagt Fraktionsvorsitzende Sabine Knobel. „Wir in Morschen sind Richtung Melsungen orientiert.“ Man sei an Melsungen beispielsweise über die Leader-Region, den Schulverbund und das Gewerbegebiet Mittleres Fuldatal angebunden. „Das Land schiebt den ländlichen Raum hin und her, ohne auf gewachsene Strukturen Rücksicht zu nehmen“, sagt Knobel.

Welche Auswirkungen die neue Zuordnung wirklich habe, dazu sagt Morschens Bürgermeister Ingo Böhm, fehlten fundierte Informationen. Er sehe Morschen in erster Linie an Melsungen und am Schwalm-Eder-Kreis orientiert. „Warum Morschen da jetzt rausdefiniert werden soll, weiß ich nicht.“

„Das wir künftig Hessisch Lichtenau zugeordnet werden sollen, hat mich doch überrascht“, sagt Spangenbergs Bürgermeister Peter Tigges. Für ihn sei die Zuordnung wenig sinnvoll. „Wir gehören in den Schwalm-Eder-Kreis“, sagt Tigges auch im Hinblick auf die interkommunale Zusammenarbeit der Kommunen.

Nicht nur die Gemeindevertreter in Morschen werden sich mit diesem Thema beschäftigen, sondern auch die Kreistagsfraktionen von SPD und FWG. Sie wollen in der Kreistagssitzung am 21. September den Antrag stellen, dass der Landesentwicklungsplan geändert werden soll, um den ländlichen Raum nicht mit der Neuzordnung zu schwächen.

Die Zuordnung von Bad Zwesten, Morschen, Oberaula, Ottrau, Schrecksbach und Spangenberg zu Mittelzentren außerhalb des Kreises bewerten die Fraktionen als falsch.

Das Land Hessen soll aufgefordert werden, die Bereiche an die „tatsächlich gegebenen, historisch und kulturell gewachsenen Strukturen anzupassen“. Aktuell beruht die Zuordnung der Städte auf der Berechnung der Hessen Agentur, die dafür die Entfernungszeiten mit dem Auto als Maßstab annahm. Das gehe aber am Lebensalltag der Bevölkerung vorbei.

Eine Gefahr sehen SPD und FWG vor allem beim Einfluss auf Neustrukturierungen, etwa beim Nahverkehrsplan, den Schulbezirken, der Versorgungsbezirke der Kassenärztlichen Vereinigung oder den Gerichtsbezirken. Auch arbeiteten im Kreis viele Kommunen erfolgreich interkommunal zusammen. Dies werde durch die Neuzuordnung gefährdet. Laut Franziska Richter, Sprecherin des Wirtschaftsministeriums ist die kreisübergreifende Zuordnung kein Einzelfall. Das Kriterium der Fahrtzeit habe man gewählt, weil sich Arbeits- oder Schülerpendlerbeziehungen komplex entwickelten und keine klare Zuordnung erlaubten.

Termin: Öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Morschen, heute, Beginn ist um 19 Uhr, Rathaus Altmorschen, in der Sitzung geht es unter anderem auch um einen Antrag der FDP-Fraktion zu den Parkgebühren im Domänenhof. (Barbara Kamisli Und Maja Yüce)

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