Projekt der Jugendwerkstatt

Mutig in die Zukunft: 19-Jährige aus Afghanistan machte Schulabschluss durch „Careful Integration“

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Hat den Hauptschulabschluss durch das Projekt „Careful Integration“ an der Jugendwerkstatt geschafft: Eidia Haidari mit ihrer Lehrerin Retty Paruntu.

An ihre Heimat in Afghanistan denkt Eidia Haidari noch oft – trotzdem ist sie vor allem dankbar für die Chance, die sie hierzulande bekommen hat.

Ihre Familie ist Ende 2015 aus Kabul nach Deutschland geflüchtet, zunächst war sie in Wolfhagen in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Eidia ist das erste Kind der Familie, das in Deutschland einen Schulabschluss macht. Eine ältere Schwester und zwei jüngere Brüder hat sie.

„Wenn alles gut geht, wird meine Schwester im nächsten Jahr auch ihren Schulabschluss in der Jugendwerkstatt machen“, erzählt Eidia Haidari. Sie sei ihrer Schwester ein gutes Vorbild, erzählt sie.

Denn ihre Schwester unterstütze die Familie derzeit finanziell mit einem Nebenjob in einem Lebensmittelgeschäft. „Aber sie sieht jetzt, dass man in Deutschland mit einem Schulabschluss mehr Auswahl bei der Berufswahl haben kann“, sagt Eidia Haidari. In Afghanistan besuchte Eidia zuletzt die achte Klasse.

Gerne zur Schule gegangen ist sie dort nicht. Aber nicht, weil der Unterricht kein Spaß machte. „Sondern weil man immer Angst haben musste, dass es beispielsweise einen Bombenangriff auf dem Weg gibt“, erzählt Eidia Haidari. Diese Angst habe sie und ihre Familie nun hinter sich lassen können. Der lange Schulweg mit Bus, Bahn und einer Fußstrecke von Fuldabrück bis nach Felsberg macht der 19-Jährigen auch nichts aus, sagt sie.

Sie sei einfach nur froh darüber, dass sie den Platz an der Jugendwerkstatt bekommen hat. Ein Lehrer der IGS habe sie damals darauf aufmerksam gemacht, denn „an der Schule war zunächst alles unbekannt – ich konnte die Sprache noch nicht so gut und habe nicht so viel verstanden“, sagt sie. Auch ihre Lehrerin Retty Paruntu ist stolz auf die 19-Jährige.

„Dass sie den Schulabschluss trotz der ganzen Komplikationen wegen der Pandemie geschafft hat, ist bemerkenswert“, sagt Retty Paruntu. Gerade in der intensiven Vorbereitungsphase habe der Lockdown das Lernen für Eidia Haidari und ihre Mitschüler erschwert. „Aber sie hat es geschafft – das freut uns“, sagt sie.

Eidia Haidari wird weiterhin bei der Jugendwerkstatt sein. Gemeinsam mit ihrer Betreuerin suchen sie nach einem geeigneten Ausbildungsplatz. Einen genauen Berufswunsch hat die 19-Jährige noch nicht. Ein Praktikum beim Friseur ist bereits in Aussicht. „Aber ich kann mir auch gut vorstellen, Sanitäterin zu werden oder im Kindergarten zu arbeiten“, erzählt Eidia Haidari.

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