Nach langen Diskussionen: Erste Stolpersteine in Felsberg verlegt

Der Künstler: Gunter Demnig mit den drei Stolpersteinen für Isaak, Siegmund und Malchen Kruck, die er vor dem Robert-Weinstein-Haus an der Felsberger Obergasse verlegte. Fotos: Féaux de Lacroix

Felsberg/Melsungen. In Felsberg wurden jetzt die ersten Stolpersteine verlegt - dank engagierter Schülerinnen von der Melsunger Radko-Stöckl-Schule.

Malchen Kruck soll nicht vergessen werden. Die Felsberger Jüdin wurde 1941 in das Ghetto von Riga deportiert und später ermordet. Vor ihrem früheren Wohnhaus an der Obergasse liegt jetzt ein Stolperstein, der an Malchen Kruck erinnert. Zwei weitere Steine vor dem Haus tragen die Namen von Isaak und Siegmund Kruck.

Es sind die ersten Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig in Felsberg verlegt hat. Zu verdanken ist das Schülerinnen der Melsunger Radko-Stöckl-Schule: Sie haben nicht nur Geld für die Stolpersteine gesammelt, sondern auch die Felsberger von ihrer Idee überzeugt - was viel Geduld erforderte. Die Mädchen mussten lange auf eine positive Antwort warten. „Danke, dass ihr diesen langen Atem gehabt habt“, sagte Felsbergs Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach.

„Ich hätte nie gedacht, dass dieses Thema für so große Diskussionen in Felsberg sorgt“, sagte Steffi Hoffmann vom Bund Deutscher Pfadfinder. Sie sei froh, dass die Steine verlegt werden konnten: „Ihr habt Malchen Kruck nach Hause geholt, sie wieder sichtbar gemacht“, lobte sie das Engagement der Schülerinnen.

Weitere Steine sollen folgen

Davon beeindruckt zeigte sich auch ein Filmteam aus Korea, das eine Dokumentation über die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland drehte: Die Koreaner befragten die Mädchen vor der Kamera über ihr Projekt.

„Wir wünschen uns, dass weitere Stolpersteine in Felsberg verlegt werden“, sagte Lara Liebetrau (19) aus Spangenberg, „wir übergeben dieses Projekt an die Drei-Burgen-Schule.“ Deren Schüler haben bereits erste Ideen, wo weitere Stolpersteine in Felsberg einen Platz finden können - etwa vor der Eisdiele an der Untergasse, sagte Schulleiter Dr. Dieter Vaupel. „Unser Ziel ist, im Frühjahr 2016 den nächsten Stein zu verlegen.“

Bis in Felsberg so viele Stolpersteine liegen wie in Melsungen, wird es aber noch lange dauern: Dort wurde am Montag der 43. Stolperstein verlegt - vorerst der letzte.

Zum Einsetzen der Steine waren viele Besucher gekommen. In Felsberg war auch die 79-jährige Margrete Wendel dabei, sie wohnt bis heute in ihrem Elternhaus an der Obergasse. Gleich nebenan lebte früher Malchen Kruck, für die jetzt einer der Stolpersteine verlegt wurde. „Meine Cousine hat mir erzählt, dass sie, meine Mutter und ich Malchen Kruck in Kassel besucht haben, wo sie in einem Keller eingesperrt war“, berichtet Wendel. Sie selbst sei damals aber erst zwei oder drei Jahre alt gewesen und könne sich nicht mehr daran erinnern. Es sei eine furchtbare Zeit gewesen, als die Juden aus Felsberg vertrieben und ermordet wurden. Sie hoffe nur, dass sich so etwas nie mehr wiederhole, sagte Wendel.

Auch dazu können die Stolpersteine in Felsberg beitragen: Sie sorgen dafür, dass Menschen wie Malchen Kruck und ihr Schicksal nicht vergessen werden.

Von Judith Féaux de Lacroix

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