Nirgends in Deutschland soviel Fachwerk wie im Schwalm-Eder-Kreis

Fachwerk dicht an dicht: Dieses Foto entstand in Spangenberg. Foto: Archiv

Schwalm-Eder. Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es die dichteste Fachwerk-Bebauung Deutschlands. Und hier lag auch der Ursprung der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte, die vor 40 Jahren gegründet wurde.

Der damalige Melsunger Bürgermeister Dr. Ehrhart Appell war maßgeblich daran beteiligt. Auch die erste Regionalstrecke führte durch den Schwalm-Eder-Kreis.

Allein in Melsungen und seinen Stadtteilen stehen 970 Fachwerkhäuser. Das teilt Prof. Manfred Gerner, Präsident der AG Historische Fachwerkstädte, mit. Er hat das Fachwerk in Melsungen exemplarisch begutachtet: „Es ist die einzige Fachwerk-Bilanz einer Stadt, die es in Deutschland gibt.“ Zehn Bände füllen seine Beschreibungen aller Melsunger Häuser über Baujahr, Baustil, Konstruktion.

Gründe für das viele Fachwerk seien wenige oder keine Kriegsschäden in den kleinen Städten sowie ein gut ausgeprägtes Bewusstsein: „Fachwerk dient auch als Identifikation für die Einwohner und bietet ihnen ein anderes Wir-Gefühl für ihre Stadt“, sagt Gerner. Mancherorts habe Flächensanierung mit Beton-Fertigbauteilen für ein fachwerkfreies Stadtbild gesorgt.

Für Ex-Bürgermeister Appell hat die Erhaltung des Fachwerks auch touristischen und vor allem wirtschaftlichen Nutzen: für Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel. Zugleich schließen sich moderne Technik und alte Fachwerkbaukunst nicht aus: Gemeinsam mit dem Denkmalschutz werde etwa nach Lösungen gesucht, Solaranlagen zu installieren. Auch aufgrund der erhöhten Forderungen an Wärmedämmung müssten Lösungen für Fachwerkhäuser gefunden werden. Präsident Gerner sagt: „Da sind noch Hürden zu überwinden.“ Dennoch habe Fachwerk Charme. „Ein Schwimmbad kann sich jede Stadt zulegen“, sagt Gerner, „aber Fachwerkhäuser hat man seit Jahrhunderten.“

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