Pädagoge: Jugendliche vereint der Frust

Schwalm-Eder. Die Jugendlichen, die am vergangenen Wochenende zum Teil bewaffnet auf die Autofans in Gensungen losgehen wollten, haben unterschiedliche Migrationshintergründe.

Dass sich junge Menschen mit verschiedenen Nationalitäten zusammentun, ist laut Serge Schetinin keine Seltenheit. Der Pädagoge arbeitet in Kassel und in Melsungen mit Jugendlichen und beobachtet dieses Phänomen.

„Junge Menschen, seien es Deutsche, Russen oder Türken, bleiben gerne unter sich. Haben sie aber ähnliche Probleme, ist ihre Herkunft egal. Was sie verbindet, ist ihre soziale Lage. Wenn sie beispielsweise keinen Schulabschluss haben“, sagt der 51-Jährige. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund gebe es die einen, die etwas in Deutschland erreicht haben. Sie haben einen Schulabschluss, machen eine Ausbildung oder studieren.

Eine andere Gruppe hat eben diese Erfolgserlebnisse nicht. Daraus entstehe Frustration und manchmal auch Gewalt wie in Gensungen. „Sie treffen sich, wollen cool sein, wollen zeigen, dass sie jemand sind und einen Wert haben. Manche benutzen Gewalt dazu“, sagt Schetinin.

Der gebürtige Russe ist vor neun Jahren nach Deutschland gekommen und kennt auch die Erziehungsunterschiede. So kümmern sich Eltern und Schulen in Russland stärker um die jungen Menschen, ähnlich auch in der Türkei. In Deutschland sei das anders. Die Eltern spielen keine so große Rolle mehr.

„Hier bekommen die Jugendlichen plötzlich mehr Freizeit, sie passen sich an die Gepflogenheiten an. Sie treffen Menschen, die die gleichen Probleme haben wie sie. Und zu Hause sitzen oft ihre Eltern, die arbeitslos sind.“

Die hätten zwar die Möglichkeit, sich stärker um ihre Kinder zu kümmern, aber dazu komme es nicht, weil die Migranten in eigene Probleme verstrickt sind, die sich durch die Arbeitslosigkeit ergeben. (ska)

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