Parlament will Akten sehen

Morschen. Gemeindevertretung Morschen befasste sich mit Mehrausgaben fürs Dorfgemeinschaftshaus Konnefeld.

Die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Konnefeld hat die Gemeinde Morschen laut Bürgermeister Herbert Wohlgemuth 152 000 Euro mehr gekostet als geplant. Mindestens 85 000 Euro davon sollen laut Wohlgemuth vom Architekten zurückgefordert werden, weil dieser seiner Informationspflicht gegenüber dem Gemeindevorstand nicht in vollem Umfang nachgekommen sei und dadurch Zuschüsse verloren gegangen seien.

Die Gemeindevertreter kamen in ihrer Sitzung am Donnerstagabend überein, einen Akteneinsichtsausschuss einzurichten. Den vorgelegten Nachtragsetat 2015 verwies das Parlament auf Antrag der SPD-Fraktion zurück in den Haupt- und Finanzausschuss.

Das Problem

Die 152 000 Euro Mehrkosten sind bereits ausgegeben, bestätigte Wohlgemuth auf Nachfrage von Erwin Döhne (FDP). Deshalb könne man für die Summe kein Fördergeld mehr aus dem Dorferneuerungsprogramm erhalten. Uwe Ludwig (FDP) erklärte dazu, bislang habe man keine ausreichenden Informationen erhalten, wie es dazu kommen konnte. Etliche Parlamentarier fühlten sich übergangen, sie seien nicht informiert worden über die Mehrausgaben für das Dorfgemeinschaftshaus.

Die Vorgeschichte

Im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes wurde das Gemeinschaftshaus in Konnefeld saniert. Die Gemeindevertretung hatte 2013 beschlossen, dafür 400 000 Euro bereitzustellen. Der Gemeindevorstand hat daraufhin laut Herbert Wohlgemuth gemeinsam mit der Dorfnerneuerungsbehörde einen Architekten beauftragt. „Ihm sind alle Leistungsphasen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure übertragen worden“, sagt der Bürgermeister. Dazu gehörten laut Wohlgemuth auch die Überwachung der Baukosten und die Rechnungsprüfung.

„Das ist kein unübliches Vorgehen. Wir machen das auch bei anderen Arbeiten, an denen Ingenieure oder Architekten beteiligt sind“, sagte der Rathauschef. Grund dafür sei, dass die Gemeinde keine eigenen Architekten oder Ingenieure beschäftige. Vertraglich sei auch vereinbart worden, dass der Gemeindevorstand informiert werden muss, wenn abzusehen ist, dass das Budget nicht eingehalten werden könne. „Das ist beim Fußboden, beim Dachstuhl und der Elektrik auch passiert“, sagt Wohlgemuth. Über mehr sei er nicht informiert worden.

Der Architekt habe die Rechnungen der Handwerker geprüft und dann freigegeben. In der Verwaltung wurden sie laut Wohlgemuth dann zur Zahlung angewiesen. Dazu sei man verpflichtet gewesen, da die Leistungen bereits erbracht waren.

„Ich finde es in Ordnung, dass ein Ausschuss gegründet wurde, so kann die Angelegenheit nun von allen Seiten geprüft werden“, sagt Wohlgemuth.

Der Architekt wollte sich gestern auf Nachfrage mit dem Hinweis auf die laufenden Verhandlungen zu der Sache nicht äußern.

Von Barbara Kamisli

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