Coronavirus

Pflegekräfte oft Patienten: Erste Bilanz der Covid-19-Schwerpunktpraxen im Landkreis 

Betreuen die Patienten in den Schwerpunktpraxen in Gensungen und Wabern: von links Dr. Meinhard Rudolff und Dr. Philipp Klapsing. Fotos: linett hanert

In den zwei Covid-19-Schwerpunktpraxen im Schwalm-Eder-Kreis steigt die Zahl der Patienten zunehmend.

Während in den vergangenen Wochen weniger Untersuchungen stattfanden, verzeichnet Dr. Philipp Klapsing, der die Schwerpunktpraxis in Wabern gegründet hat, derzeit wieder mehr Patienten. „Dies hat sicherlich auch mit den Lockerungen zu tun“, sagt er. Rund 40 Patienten pro Woche seien es im Schnitt. „In den nächsten Wochen rechne ich wieder mit einem Anstieg.“

Seit Gründung der Schwerpunktpraxis im Gensunger Bahnhof vor etwa einem Monat sind bereits mehr als 100 Patienten untersucht und getestet worden, erklärt Dr. Meinhard Rudolff. Bei 60 Prozent fielen die Testergebnisse auf eine Covid-19-Erkrankung positiv aus. Der Anstieg der Untersuchungen habe unter anderem damit zu tun, dass mittlerweile auch viele Menschen mit milderen Symptomen kämen, so Rudolff. Es gebe aber nach wie vor einige Patienten, die wegen ihres kritischen Gesundheitszustandes direkt ins Krankenhaus gebracht werden müssen, sagt Rudolff.

Es seien häufig Pflegekräfte, die behandelt werden müssten, sagt Klapsing. Dies sei besonders brisant, weil dadurch das Risiko für Ältere und Pflegebedürftige steige, zu erkranken. Die Folge: Eine hohe Sterblichkeit. „Es bleibt eine schwierige Aufgabe und erfordert von den Heimen, Hausärzten sowie Pflegekräften, aber auch selbst pflegenden Angehörigen höchste Disziplin und Wachsamkeit.“

In Gensungen werden vorwiegend Menschen aus dem Altkreis Melsungen behandelt, „aber auch aus dem Raum Kassel sowie aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis haben wir Patienten“, sagt Rudolff. Wünschenswert sei deshalb auch eine zusätzliche Schwerpunktpraxis im südlichen Landkreis.

Die Ärzteschaft habe sich dort bereits intensiv mit dem Gedanken auseinandergesetzt, wie mit der Behandlung von Covid-19-Patienten zumindest in herkömmlichen Praxen umgegangen werden kann.

Laut Karl Matthias Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen ist dort allerdings bislang noch keine Schwerpunktpraxis geplant.

Das Gesundheitsamt des Landkreises befürwortet Schwerpunktpraxen. „Die Abläufe in den Schwerpunktpraxen sind in ihren Routinen auf die Behandlung unter entsprechenden Hygiene- und Schutzauflagen ausgerichtet“, heißt es von der Behörde.

 

Der Bahnhof in Gensungen: Das DRK hat vor dem Bahnhof ein Zelt aufgestellt, falls ein Patient draußen warten muss.

Covid-19-Schwerpunktpraxen: So laufen die Untersuchungen ab

Mit dem Coronavirus infizierte Personen sollen von anderen Patienten getrennt werden – das ist laut der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) das oberste Ziel der Schwerpunktpraxen, das gilt auch im Schwalm-Eder-Kreis.

„Schwerpunktpraxen tun nichts anderes, als sich um die Covid-19-Patienten zu kümmern. So werden diese aus der regulären Versorgung herausgehalten“, betont Pressesprecher Karl Matthias Roth.

Die Praxen

Wichtig sei allerdings: „Infizierte werden nicht ausschließlich in den Schwerpunktpraxen behandelt.“

Es solle also niemand Angst haben, keine gesundheitliche Unterstützung zu bekommen, nur weil es in der Region noch keine Praxis gibt – wie zum Beispiel im Bereich rund um Schwalmstadt.

Nach Angaben des Gesundheitsamtes des Landkreises wurde in Gesprächen mit den Ärzten im südlichen Schwalm-Eder-Kreis besonders auf separate Zugänge und Räumlichkeiten sowie individuell zu vereinbarende Infektionssprechstundenzeiten eingegangen, um den Schutz zu gewährleisten.

Trotzdem: „Aus Sicht des Gesundheitsamtes wäre pro Altkreis eine Schwerpunktpraxis wünschenswert“, heißt es. Das bestätigt auch Dr. Meinhard Rudolff. In der Schwerpunktpraxis in Gensungen seien auch Patienten aus dem Südkreis behandelt und untersucht worden.

„Wir langweilen uns hier nicht“, sagt Rudolff. Seit es die Praxis in Gensungen gibt, habe man allerhand zu tun. „Aber wir merken auch, dass wir uns Hausärzte gegenseitig damit entlasten“, sagt er. Auch Ärzte in einem höheren Alter würden so entlastet. „Sie gehören ja auch zur Risikogruppe“, erklärt Dr. Philipp Klapsing.

Die Behandlung

Anders als zunächst geplant, werden den Patienten in den Schwerpunktpraxen nun auch Abstriche entnommen, um feststellen zu können, ob sie an Corona erkrankt sind, erklärt Rudolff. „Der Rachenabstrich wird aber erst gemacht, wenn die Sauerstoffsättigung im Blut, der Blutdruck oder aber die Körpertemperatur auffällig sind.“

Er betont aber auch, dass die Schwerpunktpraxen das Testzentrum im Landkreis nicht ersetzen soll. Die Abstriche werden dann an die Labore geschickt. „Für das Ergebnis benötigt das Labor dann etwa zwei Tage“, sagt er. „Auch wir werden informiert, damit wir eine Statistik führen können über die Patienten“, sagt Rudolff. „Außerdem liegt uns auch am Herzen, zu wissen, wie es den Patienten beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt geht“, sagt er.

Bei einem positiven Befund mit dem Coronavirus werden die Patienten dann auch durch das Gesundheitsamt weiter betreut, teilt Pressesprecher Stephan Bürger mit. Dann werde ein Bescheid zur häuslichen Isolierung beziehungsweise Quarantäne erstellt. Die Aufhebung des Bescheides erfolge wieder durch das Gesundheitsamt. Zudem stelle der Landkreis einen finanziellen Beitrag für die Schwerpunktpraxen in Höhe von je 2000 Euro zur Verfügung. Die geleisteten Stunden der Ärzte werden wie gewöhnlich über die Krankenkassen abgerechnet.

Die Fachärzte

Derzeit bestehe enormer Bedarf an den Schwerpunktpraxen. Das spüren auch Rudolff und Klapsing. In jüngster Zeit habe man zudem bemerkt, dass Fachärzte wie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte zunehmend das Angebot der Schwerpunktpraxen in Anspruch nehmen würden. „Wenn sich Patienten bei ihnen mit Halsschmerzen und Husten melden, müssen ja auch sie erst einmal ausschließen, dass es sich nicht um einen Corona-Verdachtsfall handelt“, so Klapsing. In beiden Schwerpunktpraxen sind noch keine Kinder untersucht worden. „Die Patienten sind zwischen 20 und 80 Jahre alt“, sagt Rudolff. Eine Altersstruktur sei nicht festzustellen.

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