Harmlose Bilder bei Pädophilen beliebt – So schützt man sich

Polizei rät: Besser keine Kinderfotos ins Internet stellen

ILLUSTRATION - ARCHIV - Schatten von Händen einer erwachsenen Person und dem Kopf eines Kindes an einer Wand eines Zimmers am 12.01.2014 in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul (zu dpa "Studie: Fast jeder 20. Mann hat pädophile Tendenzen" vom 18.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Symbolbild

Viele Eltern posten scheinbar harmlose Fotos ihrer Kinder in sozialen Netzwerken und bei Messenger-Diensten. Doch das kann fatale Folgen haben.

Schwalm-Eder – 35 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern sind für 2020 bei der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis registriert – fast doppelt so viele wie für 2019 – da waren es 19. Aktuelle Zahlen nennt die Polizeidirektion Schwalm-Eder nicht. Ein Grund sei, dass Kinder wegen der Coronakrise deutlich mehr im Internet unterwegs seien, sagt Polizeisprecher Jens Breitenbach.

Zum sexuellen Missbrauch von Kindern gehören auch Straftaten wie das Verbreiten kinderpornografischer Bilder. Besorgniserregend ist aktuell, dass ein offenbar neuer Trend unter Pädophilen kein solcher Straftatbestand ist.

Redakteure des ARD-Politmagazins Panorama hatten jüngst aufgedeckt, dass es auf diversen illegalen Internetportalen Kategorien gibt, unter denen sich Alltagsfotos von Kindern befinden. Diese Kategorien heißen häufig „non nude“ – also „nicht nackt“.

Die Täter beschaffen diese Fotos massenweise und hochprofessionell von Konten aus den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Pinterest, Tiktok und anderen. Die Polizeidirektion Schwalm-Eder kennt diese Vorgänge. Erschreckend dabei ist, das zeigt eine TV-Dokumentation, dass diese Bilder beliebt sind und tausendfach geteilt und mit abstoßenden Kommentaren versehen werden. Es handele sich nicht um sexualisierte Bilder, erklärt Breitenbach dazu. Die Motive zeigten Jungen und Mädchen beim Spielen im Garten, beim Planschen am Strand oder bei anderen Gelegenheiten. Es gebe aber offenbar Täter mit entsprechenden Neigungen.

Es sei keine Straftat, die Bilder herunterzuladen oder sie zu besitzen. Wer solche Bilder weiterverbreitet, verstoße zwar gegen die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Kinder und mache sich einer Urheberrechtsverletzung strafbar, verbreite aber keine kinderpornografischen Inhalte. Die Täter blieben quasi straffrei.

Die Polizei stellt diese Sachlage vor ein weiteres Problem. Selbst wenn sie im Zuge von Ermittlungen auf solche Bilder stoße, gebe es keine Geschädigten. „Wir wissen nicht, wer die Kinder auf den Bildern sind“, sagt Breitenbach. Da es sich leider um Randerscheinungen handele, würden diese auch nicht ausermittelt. Für die betroffenen Eltern sei es bei Bekanntwerden nur schwer zu ertragen, dass ihre Kinderbilder auf Internetseiten Pädophiler gezeigt und kommentiert würden. Der Schutz der eigenen Profile sei daher von immenser Bedeutung.

Noch sicherer sei es, überhaupt keine Kinderbilder im Internet zu posten, sagt Jens Breitenbach.

Im Internet und im Darknet werden Bilder mit kinderpornografischem Inhalt geteilt. Allerdings tauchen auf den Plattformen auch vermeintlich harmlose Bilder auf. Dabei handelt es sich um Kinderbilder von sozialen Netzwerken. Das bestätigt die Polizei im Landkreis.

Eine TV-Dokumentation hat jüngst das Ausmaß offengelegt. Abertausende solcher Bilder finden sich in Rubriken mit Bezeichnungen wie „nicht nackt“. Die Polizei gibt Tipps, wie insbesondere Eltern sich schützen können.

Über allem stehe die genaue Prüfung, ob ein Bild überhaupt online gestellt werden müsse, sagt Polizeisprecher Jens Breitenbach. Jedes Bild, das nicht online verfügbar sei, könne auch nicht missbräuchlich verwendet werden. Auch bei Bildern, die über Messengerdienste wie WhatsApp verschickt würden, solle man sich diese Frage stellen.

Die Bilder lägen anschließend auf Servern dieser Unternehmen. Vielfach stünden diese Server dann nicht einmal in Deutschland oder Europa. Es würden andere Datenschutzbestimmungen gelten und es gebe Hacker, die sich darauf spezialisiert hätten, solche Datenbanken zu knacken.

Würden doch Bilder gepostet werden, sollten Eltern darauf achten, dass sowohl die Konten der Kinder als auch der Eltern auf privat gestellt seien. So könnten wenigstens nur zugelassene Freunde, Bekannte und Verwandte auf die Bilder zugreifen. Professionellen Bildersammlern sei es möglich, mit Sniffingtools im großen Stil Bilder von Accounts zu erbeuten – auch von privaten. Außerdem können Bilder verwendet werden, auf denen die Gesichter der Kinder nicht zu erkennen sind.

Wenn Kinder bereits selbst Konten in sozialen Netzwerken haben, sollten Eltern rechtzeitig über die Problematik des Bilderdiebstahls aufklären. Auch Hinweise auf Anbahnversuche dürften nicht fehlen.

Freizügige Bilder sollten auch nicht über Chats geteilt werden. Auch nicht unter Freunden. Das Internet vergesse nicht, wer könne schon wissen, wann und in welchem Zusammenhang diese

Bilder nicht doch irgendwann auftauchen. Niemand möchte, dass zum Beispiel im Zuge einer Bewerbung Firmen früher mal geteilte Bilder finden. Auch Statusbilder von Kindern seien nicht nötig.

Wer einen Blog oder Ähnliches betreibt, kann eine Anmeldung mit Klarnamen implementieren. So sind wenigstens nur registrierte Nutzer zugelassen. Das biete zwar keinen hohen Schutz, erschwere aber den Zugriff.

Bei Anbietern von Fotoabzügen und Fotobüchern können die Geschäftsbedingungen geprüft werden. Dort finden sich Hinweise zum Umgang mit den hochgeladenen Bildern. Außerdem solle man Freunde und Verwandte bitten, geteilte Bilder nicht weiterzuverbreiten.

In Hessen gibt es bei der Polizei die AG Focus mit dem Themenschwerpunkt Kinderpornografie. (Damai D. Dewert)

Informationen: Mehr im Internet unter klicksafe.de, polizei-praevention.de

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