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Polizei warnt vor Betrügern: Mann aus dem Landkreis verliert sechsstelligen Betrag

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Von: Damai Dewert

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Profis: Lars Ebert vom K 20 der Kripo Homberg ist Anlagebetrügern auf der Spur. Die Ermittlungen sind schwierig, führen oft ins Ausland.
Profis: Lars Ebert vom K 20 der Kripo Homberg ist Anlagebetrügern auf der Spur. Die Ermittlungen sind schwierig, führen oft ins Ausland. © Damai Dewert

Ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat einen sechsstelligen Betrag an Anlagebetrüger verloren. Die Kriminalpolizei warnt.

Schwalm-Eder – Ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat einen sechsstelligen Betrag an Anlagebetrüger verloren. Die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Schwalm-Eder nimmt diesen Fall zum Anlass, vor den Maschen der Betrüger zu warnen.

Denn immer wieder fallen Menschen im Landkreis auf vermeintlich lukrative Anlagemöglichkeiten mit hoher Steuerersparnis herein.
Angezeigt würden nicht so viele Fälle, sagt Polizeisprecher Markus Brettschneider. Meist handele es sich um bis zu zehn Fälle jährlich.

Die Polizei gehe aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn: Einige Opfer scheuten den Gang zur Polizei. Nicht nur aus Scham, das angelegte und verlorene Geld stamme auch mal aus schwarzen Kassen.

Maschen sind bekannt – Schäden sind hoch

Die Fälle, mit denen es Lars Ebert vom Kommissariat 20 – unter anderem zuständig für Betrugsfälle – zu tun bekommt, haben es dafür meist in sich.

Die Maschen seien eigentlich bekannt, die Schäden dennoch regelmäßig hoch. Die Aufklärungsquote hingegen ist durchwachsen. Alles Gründe, warum die Aufklärung so wichtig sei, sagt Kriminaloberkommissar Ebert.

Im aktuellen Fall habe sich der Unternehmer Ende des vergangenen Jahres auf die Suche nach einer lukrativen Anlagemöglichkeit gemacht. Unter anderem recherchierte er im Internet. Dort sei er auf ein verlockendes Angebot gestoßen. Auf einer überaus seriös aussehenden Internetseite hinterließ er seine Kontaktdaten.

Alarmglocken sollten schrillen: Wenn hohe Renditen in kurzer Zeit versprochen werden, ist besondere Aufmerksamkeit und zusätzliche Beratung nötig. Das Symbolbild zeigt ein Aktienportfolio.
Alarmglocken sollten schrillen: Wenn hohe Renditen in kurzer Zeit versprochen werden, ist besondere Aufmerksamkeit und zusätzliche Beratung nötig. Das Symbolbild zeigt ein Aktienportfolio. © Damai Dewert

Kurz danach habe sich ein gewiefter Verkäufer gemeldet, berichtet Ebert. Diese Leute seien bei Anbahnungsgesprächen echte Profis. Der Unternehmer investierte also seit Jahresbeginn immer wieder hohe Beträge in das vermeintlich bombensichere Geschäft. Sein Portfolio verzeichnete vordergründig auch enorme Zuwächse.

Tatsächlich sei das Geld natürlich nie investiert worden, sondern über diverse Bitcoinkäufe in dunklen Kanälen verschwunden. Als der Unternehmer im April seinen beträchtlichen Gewinn ausgeschüttet haben wollte, forderte ihn der Berater auf, zuvor die Steuerschuld zu begleichen: Dem Geschädigten seien die folgenden Gespräche – einen persönlichen Kontakt gab es nie – komisch vorgekommen.

Er ging zur Polizei und wollte sich beraten lassen. Schnell sei den Beamten klar geworden, dass er auf betrügerisches Angebot hereingefallen war. Das Geld ist verloren – den Hintermännern sei nur schwer beizukommen, sagt Ebert.

Wenn die Gier das Hirn frisst: Anlagebetrüger versprechen hohe Renditen

Ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat einen hohen Geldbetrag an Anlagebetrüger verloren. Die Anbahnprofis entlockten dem Mann immer neue Investitionen in ein vermeintlich lukratives Portfolio. Kriminaloberkommissar Lars Ebert schildert, warum die Verfolgung der Täter so schwierig ist.

Die Ermittlungen

Die Nachverfolgung der Täter sei sehr schwierig, sagt Lars Ebert, der Kriminaloberkommissar arbeitete jahrelang bei einer Bank und kennt sich mit Geldgeschäften hervorragend aus.

Meist agierten die Täter aus dem Ausland. Die Server der Internetseiten stünden in jedem Fall dort. Es sei also ein Rechtshilfeersuchen notwendig. Die seien aufwendig und die kontaktierten Länder auch nicht unbedingt immer kooperationsbereit, sagt Ebert.

Also nicht einmal das Abschalten der Internetseite sei aus Deutschland so ohne Weiteres möglich. Das sei nur schwer zu erklären. Immerhin sei bekannt, dass dort mutmaßlich Verbrecher am Werk seien.

Wenn eine solche Seite kompromittiert sei, werde sie mit leicht verändertem Erscheinungsbild und unter neuem Namen wieder ins Netz gestellt. Die Seiten seien so gut programmiert, dass gängige Internetsuchmaschinen sie häufig als prominente Treffer anzeigten. Die Betrüger müssten nur warten, bis sich wieder Opfer meldeten.

Die Ermittlungen zögen sich meist über Wochen hin, wenn alle relevanten Anfragen und Rückläufer ausgewertet seien, werde das Ermittlungsergebnis an die Staatsanwaltschaft übergeben, sagt Ebert.

Täter würden dabei meist nicht ermittelt. Das Geld müssten die Opfer in eigentlich allen Fällen abschreiben. „Wir erleben hier mitunter auch Dramen.“ So wollte beispielsweise ein Paar den Erlös aus dem Hausverkauf investieren und verlor durch solche Betrügereien die Altersversorgung.

Vorbeugen

Wer auf der Suche nach einer lukrativen Kapitalanlage ist, sollte sich nicht von Gier leiten lassen und gerade bei der Aussicht auf angeblich hohe Gewinne vorsichtig sein. Denn dahinter können Anlagebetrüger stecken, die mit dem Versprechen auf traumhafte Gewinne, beispielsweise hohe Zinsen, an das Geld leichtgläubiger Anleger wollen. Dabei kommt ihnen die für Laien oft undurchsichtige Komplexität der Finanzprodukte entgegen, aber auch die angesichts traumhafter Renditen fehlende Vorsicht potenzieller Anleger.

Anlage-Risiken müssen benannt werden: Bankmitarbeiter sowie sonstige Finanzdienstleister (zum Beispiel Vermögensberater oder -vermittler) sind dazu verpflichtet, die Risiken ihrer Anlageprodukte in der Beratung ausdrücklich zu nennen. Zudem müssen sie die Inhalte der Beratung in einem Protokoll festhalten und ihren Kunden vor Abschluss eines Vertrags aushändigen. Zu Beratung und Dokumentation gehören insbesondere: die Angaben

und Wünsche des Kunden in Zusammenhang mit einer Kapitalanlage (konservative oder spekulative Anlagewünsche), die vom Berater erteilten Empfehlungen und die für die Empfehlung maßgeblichen Gründe.

Tipps der Polizei

Vertrauen Sie Ihr Geld ausschließlich seriösen Anbietern an. Lassen Sie sich aussagekräftige Referenzen zeigen. Nehmen Sie sich Zeit. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und zum Vertragsabschluss drängen. Lesen Sie die AGBs des Anbieters durch und fragen Sie bei Unklarheiten gezielt nach.

Fragen Sie nach der Absicherung Ihrer Investition. Bestimmte Produkte (z.B. Inhaberschuldverschreibungen) sind beispielsweise nicht über einen sogenannten Einlagensicherungsfonds abgesichert – das heißt, bei einer Insolvenz des ausgebenden Unternehmens sind diese Gelder verloren. Holen Sie Vergleichsangebote anderer Anbieter ein.

Nutzen Sie den Service von Verbraucherzentralen und spezialisierten Anwälten (z.B. Fachanwälte für Kapitalmarktrecht) und lassen Sie die Ihnen vorliegenden Angebote prüfen.

Lassen Sie sich nicht von hohen Gewinnversprechen blenden. Der Aussicht auf einen hohen Gewinn (Rendite) steht immer ein hohes Risiko, bis hin zum Totalverlust, gegenüber. (Damai Dewert)

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