Onlinebetrügereien haben während der Coronapandemie zugenommen

Polizei im Schwalm-Eder-Kreis warnt vor Fake-Shops im Internet

Vor dem Kauf gut recherchieren: Schnäppchenjäger aufgepasst – nicht immer sind Onlineshops seriös. Häufig werben Fakeshops mit günstigen Angeboten, aber für das Geld gibt es dann keine Ware. Das Bild zeigt ein Symbolfoto.
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Vor dem Kauf gut recherchieren: Schnäppchenjäger aufgepasst – nicht immer sind Onlineshops seriös. Häufig werben Fake-Shops mit günstigen Angeboten, aber für das Geld gibt es dann keine Ware. Das Bild zeigt ein Symbolfoto.

Während der Coronapandemie hatten Betrüger Oberwasser. Insbesondere die Anzahl der Onlinebetrügereien hätte zugenommen, berichtet Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder.

Schwalm-Eder – Aktuell würden sich besonders häufig Opfer von Fake-Shops (engl. für falsches Geschäft) melden. Also Personen, die im Internet auf einer vermeintlichen Internsetseite eines Anbieters ein Produkt erworben haben, welches dann nicht geliefert wurde. Es gibt laut Brettscheider eine signifikante Zunahme, die genauen Zahlen könnten aber erst in der polizeilichen Kriminalstatistik genannt werden. Generell sei während der Pandemie mehr online gekauft worden, daher seien auch alle Fallzahlen gestiegen. Brettschneider beschreibt einige Maschen und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Fake-Shops
Viele Opfer seien auf falsche Angebote einer beliebten Spielkonsole hereingefallen. Die Playstation 5 galt zu Jahresbeginn als vergriffen. Auf einigen Seiten habe es sie zu einem auffällig günstigen Preis aber dennoch zu kaufen gegeben. Wer dort zugeschlagen hat, bekam aber keine Konsole, und das Geld war futsch. Die Täter säßen häufig im Ausland. Die Fake-Seiten liefen mitunter unter sonderbaren Namen, die nichts mit dem Gewerbe zu tun haben. Es gebe aber auch solche, die gut gemacht seien und eine Betrugsabsicht nicht sofort zu erkennen sei. Generell gelte bei günstigen Angeboten auf unbekannten Seiten, diese im Netz zu googeln. Häufig fänden sich dann bereits Hinweise darauf, dass es sich um einen Fake-Shop handele, sagt Brettschneider. Ansonsten könne man die Namen der Shopbetreiber aus dem Impressum überprüfen, die Zahlungsmöglichkeiten überprüfen und im Zweifel die Finger von vermeintlichen Schnäppchen lassen. Verschiedene Verbraucherseiten bieten Listen mit bekannten Fakeshops an. Einige von diesen inserieren sogar Werbung auf Kleinanzeigenportalen.Ein gutes Zeichen seien Zertifikate von Seiten wie Trusted-Shop und angebotene Zahlungsmöglichkeiten mit Käuferschutz, wie beispielsweise Paypal sie biete. Kreditkarten bieten das nicht automatisch. Wenn das Geld erst mal überwiesen ist, ist es für gewöhnlich weg. „Leider ist es so, dass für einige Geiz ist geil gilt. Bei zu tollen Angeboten sollte man extra argwöhnisch sein. Das kann am Ende doppelt teuer werden“, warnt Brettschneider.

Microsoftmitarbeiter
Bei dieser Masche ruft jemand an, gibt sich als Microsoftmitarbeiter aus und weist auf ein Computerproblem hin. Meist sprechen die Täter einen Sprachmix aus Deutsch und Englisch.

Der Computer soll angeblich von Viren befallen oder gehackt worden sein. Der Mitarbeiter bietet laut Brettschneider seine Hilfe an. Dazu sollen die Opfer eine Fernwartungssoftware installieren, mit der die angeblichen Probleme gelöst werden sollen. Die Software ist aber ein Programm, mit dem die Betrüger Zugriff auf den PC erhalten. So können sie sensible Daten ausspähen. Zusätzlich verlangen die Betrüger eine Gebühr. Die Opfer sollen das Geld überweisen.Dass Microsoft Nutzer anrufe und auf ein Computerproblem hinweise, komme in der Praxis nicht vor, sagt Brettschneider. Am besten legt man einfach auf. Betroffene können zwar die Nummer aufschreiben. Die Täter nutzten aber eine Technik, die die echte Nummer verschleiert. Das nennt sich Call-ID-Spoofing. So gelingt es den Tätern auch, die Nummer 110 im Display anzeigen zu lassen. Die Betroffenen sollten den Computer ausmachen. Wer Software heruntergeladen hat, sollte den PC zu einem Fachmann bringen. Außerdem sollte die Bank informiert werden, falls es zu verdächtigen Überweisungen kommt, denn die Täter verfügen unter Umständen über die Zugangsdaten des Onlinebankings der Opfer.

Handwerker-Masche
In der Region seien aktuell falsche Handwerker unterwegs, die Dienstleistungen rund ums Haus anböten, berichtet Brettschneider – zum Beispiel Pflasterarbeiten oder das Säubern von Regenrinnen.Im Vorgespräch werde ein Preis vereinbart, der später deutlich nach oben korrigiert werde. „Die Arbeiten werden dabei unfachmännisch ausgeführt.“ Der höhere Preis werde teilweise mit Drohungen eingefordert.
Brettschneider weist daraufhin, dass es sich bei einer Barzahlung an der Haustür um eine Ordnungswidrigkeit handeln könne, weil so die Schwarzarbeit unterstützt werde. „Bei mündlichen Verträgen hat man die Schwierigkeit, eine Vereinbarung auch nachzuweisen.“
Es sei also schwierig, auf der ursprünglich abgemachten Summe zu beharren. Vor jedem Auftrag sollte ein schriftlicher Kostenvoranschlag gemacht werden.

Gewinnversprechen
Ebenfalls derzeit aktuell sind falsche Gewinnversprechen, die am Telefon gemacht werden. Brettschneider erklärt die Masche: Die Betrüger versuchten vorrangig, ältere Menschen per Telefon zu kontaktieren.

Sie behaupten, dass der Angerufene eine größere Summe gewonnen habe oder auch mal ein Auto. Vor der Gewinnausschüttungen müsse aber eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von meist mehreren Hundert Euro gezahlt werden.
Die Anrufer gäben sich als Rechtsanwälte aus. Beim ersten Anruf würden die Betrüger eine Nummer nennen, unter der die Kanzlei zurückgerufen werden könnte. Die Betrüger seien professionell aufgestellt. So könnten die Opfer beim Rückruf in einem Callcenter der Betrüger landen.
„Bei seriösen Gewinnspielen ist es nicht üblich, dass Gebühren vorab überwiesen werden, um an einen Gewinn zu kommen“, sagt Polizeisprecher Markus Brettschneider. Wieder gelte, das Gespräch zu beenden.

Beratung
Die Polizei bietet im Internet Informationen an unter polizei-beratung.de, polizei.hessen.de unter Schutz und Sicherheit, k-einbruch.de. Weitere Infos bei den Verbraucherzentralen. (Damai D. Dewert)

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