Gewerkschaft kritisiert Aussage von Volker Bouffier

Polizeistationen im Schwalm-Eder-Kreis sind unterbesetzt

Melsungen. Die vier Polizeistationen im Schwalm-Eder-Kreis sind deutlich unterbesetzt. Das sagt der Bezirksvorstand Nordhessen der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Im Landkreis gibt es nach Auskunft der Gewerkschaft derzeit 200 Vollzugsbeamte, das sind Schutzpolizisten und Kriminalbeamte. Laut Stellenplan sollten es 207,5 sein. Im Jahr 1999 waren es hingegen noch 217. Klaus Vestweber und Iris Icke vom GdP-Bezirksvorstand widersprechen damit der Aussage von Ministerpräsident Volker Bouffier. Dieser hatte jüngst gesagt, es gebe so viele Polizisten wie noch nie.

Das möge zwar grundsätzlich stimmen, die Frage sei allerdings, wo diese eingesetzt würden, sagt Klaus Vestweber. Jedenfalls nicht dort, wo sie dringend benötigt würden - in den Polizeistationen.

Bis auf die Kriminaldirektion in Kassel seien derzeit in allen nordhessischen Polizeistationen weniger Beamte im Dienst als es Stellen gibt. Und das, obwohl die Arbeitsbelastung der Kollegen ständig zunehme und immer weitere Aufgaben hinzu kämen, sagt Vestweber.

Das führe dazu, dass die Beamten beispielsweise in der Melsunger Polizeistation mehr als 3000 Überstunden angesammelt hätten. Ein Abfeiern sei wegen der Unterbesetzung nicht möglich. Es gebe in Nordhessen einen Kollegen mit mehr als 1000 Überstunden, kritisiert Vestweber.

Solche Belastungen könnten zu Burn-out-Symptomen und Depressionen führen, mahnt Icke. In den Stationen gebe es keine personelle Reserven mehr. Erholung sei kaum möglich. Wegen der vielen Gefährdungssituationen könnten die Kollegen auch nicht alleine Dienste übernehmen, sagt Icke.

Die Pressestelle des Innenministeriums sagt dazu: „Die Aussage von Volker Bouffier bezog sich auf insgesamt in Hessen vorhandene Polizisten und nicht auf Stellen.“

Von Damai D. Dewert

Lesen Sie auch: Lage im Schwalm-Eder-Kreis: Polizeibeamte arbeiten am Limit

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.