Was seine Mutter immer bei sich trug

Postkarte von der Ostfront: Konrad Sinning hat ein Andenken behalten

Großvater Johannes Trieschmann mit seiner zweiten Ehefrau. Foto: privat/nh

Beiseförth. Konrad Sinnig hat sie aufgehoben, die Feldpostkarte von der Ostfront, die sein Großvater seiner Mutter als kleines Kind 1917 aus den Kriegswirren schickte. Damals war sie sechs Jahre. Sie hat sie immer bei sich gehabt, sagt Konrad Sinning.

„Ja, meinen Großvater habe ich noch erlebt, er ist erst in den 50er Jahren gestorben“, erzählt Konrad Sinning. Der Großvater, Johannes Trieschmann, war Gastwirt, Kaufmann, Landwirt und Gemeinderechner. In Mosheim betrieb er das Gasthaus „Zum deutschen Haus“. Jeder im Ort nannte ihn in Anlehnung an den Namen seiner Gaststätte nur den „deutschen Hans“.

„Mein Großvater hat nichts vom Krieg erzählt“, sagt Sinning. Er wisse nur, dass er im „Zweiten Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 82“ gedient hat. Dieses war ein Infanterieregiment der Preußischen Armee, deren III. Bataillon seit dem 1. Oktober 1896 und seit dem 1. April 1897 auch als gesamtes Regiment in Göttingen stationiert war. Im Ersten Weltkrieg unterstützte das Bataillon die Eroberung Lüttichs und später auch Namurs, ehe es Ende August 1914 nach Ostpreußen verlegt wurde und dort an der österreich-russischen und österreich-ungarischen Front kämpfte. Erst am 27. November 1918 traf das Regiment wieder in Göttingen ein, wo es schließlich aufgelöst wurde.

Eine kleine Postkarte, in der viel Erinnerung steck: Konrad Sinning zeigt die Geburtstagskarte seines Großvaters an seine Mutter, die sie immer bei sich trug. Foto: Hirchenhain

Als Johannes Trieschmann seiner kleinen Tochter Anna zum sechsten Geburtstag 1917 die Karte mit dem kleinen „82er“ schickte, kämpfte der Vater an der Ostfront. Die Feldpostkarte zeigt ein Kind in Soldatenuniform, in der linken Hand einen Blumenstrauß, die rechte Hand zackig zum Gruß an die Schirmmütze gehalten, begleitet von einem kleinen Hund, der ein Brieflein in der Schnauze trägt. Den „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ der Kartenvorderseite ergänzt der Vater mit den Worten “...sendet dir dein dich liebender Vater. Schicke dir zugleich von hier...einen kleinen 82er. Hoffentlich gefällt er dir auch. Nochmals herzlichen Gruß...Dein dich liebender Vater. Herzliche Grüße auch an Mütterchen sowie Heinrich und Martha.“

Der Text ist kaum noch zu entziffern, die Karte wurde aber von Konrad Sinnings Mutter Anna als einzige Erinnerung an die Zeit aufbewahrt und in der Familie in Ehren gehalten.

Von Gert Hirchenhain

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