Coronavirus

Quarantäne in den Flüchtlingsunterkünften im Altkreis Melsungen aufgehoben

Zugang wieder möglich: Am gestrigen Donnerstag endete die Quarantäne der Melsunger Gemeinschaftsunterkunft am Lindenberg. Wegen zwei weiterer Coronafälle war die Quarantäne um eine Woche verlängert wor den. Foto: Pascal Spindler

In den zwei Flüchtlingsunterkünften in Melsungen und Guxhagen sind aktuell keine Bewohner mehr an Covid-19 erkrankt. Das bestätigt die Kreisverwaltung auf HNA-Nachfrage.

 Die Quarantäne in Melsungen musste jedoch verlängert werden, nachdem es zu zwei weiteren Fällen gekommen war. In der Gemeinschaftsunterkunft waren also insgesamt fünf Geflüchtete positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden. Die Quarantäne habe daher bis zum Donnerstag verlängert werden müssen, teilt Stephan Bürger, Kreissprecher mit.

Bewohner, die mit dem Erstinfizierten Kontakt hatten, zeigten trotz erster negativer Testung, nun doch Symptome. Eine erneute Testung brachte dann auch ein positives Testergebnis. Seither habe es keine weiteren Fälle gegeben. „Die zuletzt positiv getesteten Personen wurden separat untergebracht“, sagt Bürger.

Vorsorglich habe in der vergangenen Woche ein Sicherheitsdienst aufgepasst, dass es nicht zu weiteren Ansteckungen kommt. Der Sicherheitsdienst war vom 20. Mai bis zum gestrigen Donnerstag im Einsatz. Dabei habe es sich lediglich um eine vorsorgliche Maßnahme gehandelt, sagt Bürger.

In Guxhagen ist die Quarantäne seit dem 20. Mai aufgehoben. In der dortigen Unterkunft kam es nicht zu weiteren Infektionen.

Wegen der Coronakrise versuchten immer mehr Geflüchtete, vorzeitig aus den Gemeinschaftsunterkünften auszuziehen, berichtet Katja Kunst von der Initiative „Kein Mensch ist illegal“ aus Kassel. Aktuell stellten Flüchtlinge Anträge auf die Erlaubnis zum Auszug aus Unterkünften. „Dieser wird nur unter bestimmten Bedingungen stattgegeben, andere werden abgelehnt“, sagt Kunst.

Die Menschen dort fürchteten, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Diese Entwicklung zeige die Dringlichkeit an, die Sammelunterbringungen zu überdenken. „Insgesamt ist zweifelhaft, ob eine vorsorgliche Quarantäne ganzer Unterkünfte mit verschiedenen Hausständen mit dem Grundgesetz vereinbar ist“, sagt Kunst. Entweder gebe es in den Sammelunterkünften tragfähige Sicherheits- und Hygienekonzepte, dann ist eine Quarantäne der gesamten Unterkunft nicht notwendig. Oder aber die Sicherheit und der Schutz vor Ansteckung kann nicht gewährleistet werden, dann müssten die Bewohner sofort dezentral untergebracht werden.

Zum Hintergrund: Asylantragsteller sind ab Antragstellung für die Dauer von insgesamt bis zu 18 Monaten oder im Falle von Familien bis zu sechs Monaten verpflichtet, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen. Diese Verpflichtung kann gesetzlich aus verschiedenen Gründen bereits früher enden. Die Wohnverpflichtung endet unter anderem dann, wenn die Asylantragsteller einer Stadt oder einem Landkreis zugewiesen werden. Das Verwaltungsgericht Gießen hat vor einer Woche in sechs verschiedenen Verfahren Eilanträge abgelehnt, mit denen die Antragsteller beantragt hatten, wegen des Ansteckungsrisikos vorzeitig aus Gemeinschaftsunterkünften auszuziehen.

Das Gericht hält es nicht für unzumutbar, für die Dauer bis zu einer Zuweisungsentscheidung in der Erstaufnahmeeinrichtung zu wohnen. Insbesondere stünden keine Gründe der Gesundheitsvorsorge einem Fortbestehen der Wohnverpflichtung entgegen. Für alle Gemeinschaftsunterkünfte gebe es Hygienepläne, die sich an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts orientierten und mit den lokalen Gesundheitsämtern abgestimmt seien.

Corona-Ausbruch im Norden von Hessen: Weil Flüchtlinge einer Unterkunft in Eschwege positiv auf das Virus getestet wurden, wurde nun eine Quarantäne angeordnet.

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