Herbert Gischler aus Schnellrode fühlt sich von Behörden im Stich gelassen

Risse in der Hauswand: Mann kämpft um sein Anwesen

Risse in der Hauswand: Herbert Gischlers Grundstück in Spangenberg-Schnellrode liegt direkt an der Bundesstraße, täglich donnern Lastwagen vorbei. Er fühlt sich von den Behörden allein gelassen. Fotos: Feser

Schnellrode. Herbert Gischler aus Schnellrode fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Seit Jahren weist er auf Risse in seiner Hauswand hin, „die immer länger und breiter werden".

Das hat seiner Meinung zwei Ursachen: Zum einen werde sein Grundstück von Wasser unterspült, zum anderen donnern täglich die Lastwagen direkt an seinem Grundstück entlang. Der Aktenordner mit dem Briefverkehr, den Gischler seit Jahren mit den Behörden führt, wird immer dicker.

DIE AUSGANGSLAGE 

Hinter Gischlers Grundstück, oberhalb des Dorfes, fließt das Wasser des Bachlaufs „Alter Graben“. Eigentlich sollte es im Dorf in der Esse landen. Doch mithilfe eines Farbzusatzes wurde vor 13 Jahren nachgewiesen, dass das Wasser nicht in der Esse ankommt - es versickert im Berg. Damit hat sich der Ortsbeirat damals beschäftigt. Hauseigentümer Gischler vermutet, dass sein Grundstück von dem Wasser des Bachlaufs unterspült werde: „Es steht auf schwammigem Grund.“ Denn die Setzungsrisse in der 100 Jahre alten Scheune werden immer offensichtlicher.

DAS PROBLEM 

Vor drei Jahren wurde die Ortsdurchfahrt erneuert. Keine zwei Meter liegen zwischen Gischlers Hauswand und der Spangenberger Straße.

Durch den Straßenbau sei es zu einer Ablaufsperre gekommen, „die eine mögliche Unterspülung meines Anwesens hervorruft“, vermutet Gischler. Und das sei der Grund „für den stetigen Verfall meines Anwesens“. Gleichzeitig wird die Ortsdurchfahrt, also die Bundesstraße 487, vom Schwerverkehr als mautfreie Strecke zwischen den Autobahnen 7 und 44 genutzt. Im Jahr 2010 hatte eine Verkehrszählung ergeben, dass pro Tag durchschnittlich 3100 Fahrzeuge durch Schnellrode fahren, darunter 163 Lastwagen. Die aktuelle Verkehrszählung (Frühsommer 2015) sei noch nicht ausgewertet, teilt Horst Sinemus, Pressesprecher von Hessen Mobil mit.

DIE SICHT DER BEHÖRDEN 

Nach Auskunft von Hessen Mobil gebe es „keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der Baumaßnahme“. Aufgrund des „sehr stark durchnässten Baugrundes“ wurden bei den Bauarbeiten unter anderem Drainagen und Geotextilien als Trennschicht verlegt. Dass dadurch eine Ablaufsperre entstanden sei könnte, „halten wir für sehr unwahrscheinlich“, schreibt Hessen Mobil in einem Brief an Herbert Gischler, der der HNA vorliegt.

Nach einem Ortstermin mit dem Spangenberger Bauamtsleiter Jörg Emilius im September 2014 stellte dieser fest, dass die Rissbildung an den Fundamentmauern eine Folge der umfangreichen Erdarbeiten während des Straßenbaus sein könnte.

Ein Beweissicherungsverfahren wurde nicht veranlasst, weil bei Auftragserteilung keine umfangreichen Erdarbeiten beabsichtigt waren. Dies wurde situativ, aufgrund des vorgefundenen Fahrbahnausbaues, entschieden, teilt damals Hessen mobil auf Anfrage der Stadtverwaltung mit.

Landrat Winfried Becker, den Hauseigentümer Gischler auch kontaktierte, empfahl diesem, sich Rechtsbeistand zu holen, was Gischler aber ablehnte.

DAS SAGT DIE STADT 

Warum wird der „Alte Graben“ nicht über einen Kanal in die Esse abgeleitet? Jörg Emilius, Bauamtsleiter der Stadt Spangenberg, verweist hierzu auf die EU-Wasserrechtsrahmenlinie: Diese gibt vor, dass Bachläufe nicht verrohrt werden sollen, weil ihr naturnaher Charakter erhalten bleiben soll. Eine Verrohrung sorgt für schnelleres Abfließen des Wassers und erhöht bei die Hochwassergefahr.

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