Rückkauf der Stromnetze: Erstes Parlament fasste Grundsatzbeschluss

Rückkauf der Stromnetze: Körle eröffnet den Poker

Körle. Die kleinste Gemeinde des Kreisteils Melsungen hat die Vorreiterrolle übernommen: Körle will – möglichst in einer Gemeinschaft mit neun weiteren Kommunen – das örtliche Stromnetz von Eon Mitte zurückkaufen.

Eine Netzeigentums-Gesellschaft soll gegründet werden, an der die zehn Kommunen mit 51 Prozent beteiligt wären und ein Versorgungsunternehmen mit 49 Prozent (HNA berichtete). Eine Arbeitsgemeinschaft der zehn Städte und Gemeinden soll dafür die Vorbereitungen treffen.

Einstimmig fassten die Körler Gemeindevertreter dazu am Dienstag den Grundsatzbeschluss. In den nächsten Tagen werden weitere Parlamente folgen, hofft Körles Bürgermeister Mario Gerhold. Er ist Sprecher der Energie-Kommission, in der sich die zehn Städte und Gemeinden zusammengeschlossen haben.

Neben den Kommunen aus dem Kreisteil Melsungen sind das Gudensberg, Edermünde und Niedenstein. Sie hatten ein Gutachten erarbeiten lassen, dass nach Angaben Gerholds die Wirtschaftlichkeit des Rückkaufs belegt.

Einkünfte sollen künftig nicht nur aus den Konzessionsabgaben, sondern auch aus der Verpachtung der Stromnetze erzielt werden. Dieses Geschäftsmodell sei für die Kommunen selbst dann lukrativ, wenn das Geld für den Kauf der Netze am Kapitalmarkt aufgenommen werden müsste. Ein Kaufpreis ist bisher nicht genannt worden.

Gerhold bestätigte aber Informationen der HNA, wonach im Gutachten von 16 Millionen Euro für das 1650 Kilometer lange Leitungsnetz die Rede ist. Welcher Betrag tatsächlich gezahlt werden müsste, werden die Verhandlungen mit der Eon zeigen. Der Kaufpreis könne aber nicht in astronomische Höhen getrieben werden. Das sei in anderen Fällen bereits gerichtlich geklärt worden. Gerhold: „Der Gesetzgeber hat den Wettbewerb um die Stromnetze schließlich gewollt.“

SPD und CDU begrüßten im Parlament diese Entwicklung, die mehr Einfluss auf die Nutzung regenerativer Energien sowie zusätzliche Einnahmen verspricht. Das Geld, das erwirtschaftet werde, sollte stärker in der Region bleiben, war der Tenor. Die Fraktionen sahen es als sinnvoll an, dieses Ziel in einer kommunalen Gemeinschaft anzustreben.

Neben der Eon gibt es sechs weitere Versorger, die als Partner einer Netzeigentums-Gesellschaft in Frage kommen. Die Verhandlungen würden voraussichtlich im August aufgenommen, kündigte Gerhold an. Über die Ergebnisse werden wieder die Parlamente zu befinden haben. (hro)

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