Warum Martina Werner lieber ihren Andreas kochen lässt und als Falke die Familientradition weiter führte

Schuh-Fimmel und Schmidt-Fan

Laufen ist eines ihrer Hobbys: Mehrmals in der Woche schnürt Martina Werner ihre Laufschuhe und joggt durch die Natur.

Spangenberg. Rote Pumps, pinkfarbene Ballerinas, flache Sandalen und ebensolche Slipper, leichte braun-beige Schnürschuhe, schwarze Stiefeletten - Martina Werner gibt zu, dass sie an Schuhgeschäften schlecht vorbeigehen kann. 40 Paar Schuhe nehmen fast ein halbes Zimmer ein in der Dachgeschosswohung am Brückenhof in Niestetal-Sandershausen. Und das ist nur die Sommermode.

Doch ihre liebste Fußbekleidung sind Joggingschuhe. Die 47-jährige hat sich auf den Weg gemacht nach Spangenberg. Dort will sie am 29. November mit Schwung ins Rathaus stürmen. Immer zwei Stufen auf einmal. Die stellvertretende SPD-Bezirksvorsitzende will die erste Bürgermeisterin im Schwalm-Eder-Kreis werden.

Wenn es warm genug ist, geht Martina Werner zuhause gern barfuß: bequeme Röhrenhose, pinkfarbene Bluse zum kastanienrot-getönten langen, glatten Haar. Die rote Heidi ist ihre Parteigenossin, die dicke Biografie von Helmut Schmidt, zu dessen Fangemeinde sie sich bekennt, borgt sie dem Nachbarn, und bereits die Schwester ihrer Oma verkündete mit Stolz: „Wir haben schon immer alle SPD gewählt.“

Martina Werner kommt aus einer typischen nordhessischen Arbeiterfamilie. Sie hat das Interesse an politischen Themen mit der Muttermilch aufgesogen. Aus der Eichwald-Siedlung in Bettenhausen, wo sie mit einem vier Jahre jüngeren Bruder als Kind eines Maschinenschlossers und einer Friseurin aufgewachsen ist, in die 130-Quadratmeter-Mietwohnung unterm Dach eines Siedlungshauses in Sandershausen, das ist kein weiter Weg. Lediglich die schwarze Mercedes-A-Klasse und der Schuh-Fimmel lassen einen Hauch von Luxus aufkommen. Die Wohnungseinrichtung jedenfalls könnte unter den Augen jedes kritischen Wählers bestehen: unspektakulär und bodenständig.

Für Haus und Garten habe sie keine Zeit, sagt die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und erzählt von ihrer Arbeit als Leiterin des Beteiligungsmanagements beim Landkreis Kassel – und vielen Abenden als Genossin. Ortsvereinsvorsitzende, stellvertretende Bezirksvorsitzende, Parlamentsmitglied: „Es ging mir schon immer um Gerechtigkeit.“ Die ist ihr wichtiger als die Arbeit am Herd: „Ich finde es immer schade beim Kochen, dass es hinterher so schnell aufgegessen ist.“

Deshalb darf Ehemann Andreas an die Töpfe. Er kocht gern, am liebsten Spaghetti nicht nur weil das schnell geht, sondern weil sie ihm und ihr schmecken. Da brechen bei Andreas Werner seine italienischen Wurzeln väterlicherseits durch.

Tagsüber sorgt der Polizist dafür, dass Verkehrssünder ihre Knöllchen kriegen, ohne dass zuviel Papier bedruckt wird. Bis auf den Brief an den Empfänger passiert die Bearbeitung der Ordnungswidrigkeiten im Computer. Da gucken manche Bundesländer neidisch, was sich die Hessen ausgedacht haben, weiß Andreas Werner und ist stolz darauf, an dem Projekt digitale Akte in der zentralen Bußgeldstelle als EDV-Spezialist mitzuarbeiten.

Von Andrrea Brückmann

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