90.000 sterben jährlich

90.000 sterben jährlich: Landwirte wollen Rehkitze vor dem Mähtod retten

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Sie leben gefährlich: Rehkitze, die sich in hohem Gras verbergen, werden oft von Mähdreschern überfahren. Das soll mit dem neuen Gerät verhindert werden. Das Foto hat unser Leser Lothar Kunkel bei Treysa geschossen. 

Schwalm-Eder. Bis zu 90 000 Rehkitze sterben bundesweit jedes Frühjahr beim Gräserschnitt auf den Feldern. Im Schwalm-Eder-Kreis soll das Kitzsterben durch Mäharbeiten jetzt mit einem Pilotprojekt verhindert werden.

Etwa 50 Landwirte bestücken ihre Felder in dieser Saison mit Rehkitz-Rettern. Die Geräte senden in unregelmäßigen Abständen blaue Licht- und Tonsignale aus. Der Rehkitzmutter soll damit signalisiert werden, dass das Feld kein sicherer Ort ist, um ihren Nachwuchs abzulegen.

60 solcher Geräte haben der Landkreis und der Landwirtschaftsverein Maschinenring Schwalm-Eder gemeinsam angeschafft. Die Kosten von 8000 Euro teilen sie sich. „Bisher gab es kein wirksames Mittel, um dieses Problem zu beheben“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann, der selbst Diplomforstwirt und Jäger ist. Es gebe beispielsweise eine Art Vogelscheuchen, die aufgestellt werden können, um die Tiere zu vertreiben. „Die erzielen allerdings nur kurzzeitig einen Effekt. Wenn sie zwei, drei Tage stehen, dann gewöhnen sich die Tiere daran.“ Besonders in höheren Lagen wie Knüll, Kellerwald oder im Bereich um Spangenberg sei die Gefahr groß, dass Kitze in den Wiesen abgelegt würden, so Kaufmann. 

Zwei bis drei Tage vor den Mäharbeiten werden die neuen Geräte an einer Metallstange aufgehangen und ins Feld gesteckt. Die Licht- und Tonsignale sollen die Tiere in einem Bereich von drei Hektar vertreiben. Gesteuert wird alles über einen Computerchip. Der Vorteil: Die Signale werden in unterschiedlichen Zeitabständen ausgesendet, „dadurch tritt kein Gewöhnungseffekt ein“, sagt Kaufmann. „Landwirte, die damit arbeiten, haben bereits gute Erfahrungen gemacht.“

Das Projekt ist zunächst auf eine Saison festgesetzt, um die Wirksamkeit zu testen. Für die teilnehmenden Landwirte ist das zunächst komplett kostenfrei. 

Rehkitze rennen nicht weg

Die elektronischen Wildretter sind seit Kurzem auf dem Markt und wurden von einem Landwirt aus Oberbayern entwickelt. Ein Gerät kostet 95 Euro. Sie sollen die Rehe daran hindern, ihre Kitze in den Wiesen abzulegen. Insbesondere für die erste Lebenswoche ihres Nachwuchses suchen die Rehe einen sicheren Ort, an dem sie ihre Kitze zurücklassen können. Hohes Gras auf den Feldern ist ein willkommener Platz. Die Kitze rennen nicht weg, wenn sie den nahenden Traktor hören, sondern drücken sich auf den Boden, um sich zu schützen. Laut der Deutschen Wildtier-Stiftung sterben auf diese Weise nicht nur Kitze, sondern jährlich insgesamt 500.000 Wildtiere. 

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