Biologe gibt Tipps

Mit diesen Pflanzen locken Sie Bienen & Co. in den eigenen Garten

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Hat eine Wiese voller Ackerwitwenblumen: Biologe Hans-Joachim Flügel vom Lebendigen Bienenmuseum erfreut sich an seinem Garten, der von zahlreichen Insekten besucht wird.  

Schwalm-Eder. Ob Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge: Biologe Hans-Joachim Flügel vom Lebendigen Bienenmuseum weiß genau, welche Pflanzen die meiste Nahrung für sie bieten. 

In seinem Garten in Niederbeisheim wachsen unzählige Stauden und Sträucher, in denen es summt und brummt. Flügel erklärt, welche  Pflanzen die meiste Nahrung für Insekten bieten. 

Weiden: Männliche Blüten bieten mehr Nahrung

Weiden (Blüte je nach Sorte März bis Juni) sind eine hervorragende Nahrungsquelle, insbesondere auch für die Weidensandbiene, deren Lebenszeit mit dem Ende der Weidensaison vorüber ist. 

Wichtig: „Beim Kauf darauf achten, dass es eine männliche Pflanze ist“, sagt Flügel. „In einer guten Gärtnerei wissen die Mitarbeiter das.“ Denn männliche Blüten bieten sowohl viel zuckerhaltigen Nektar als auch eiweißreichen Blütenstaub. Die weiblichen Blüten bieten nur Nektar. Bienen brauchen allerdings beides, erklärt Flügel. 

Übrigens: Wer eine Weidenhecke hat, darf diese auch noch – entgegen der normalen Regelung – nach März schneiden. „Es gibt eine Sonderregelung im Schwalm-Eder-Kreis“, sagt Flügel. Denn stutzt man die Weide vor März, dann schneidet man alle Blüten ab.

Lippenblütler: Für alle Insekten interessant

Echtes Herzgespann, Taub- oder Schwarznessel – alle Lippenblütler sind laut Flügel empfehlenswert. Sie bieten reichlich Nektar und Blütenstaub und ziehen damit auch viele Schmetterlinge an. 

Ein Herzgespann mit einer Hummel. 

„Lippenblütler sind für alle Insekten interessant.“ Woher der Name kommt? „Die Blüten haben eine Lippe, auf der können die Insekten gut landen“, sagt Flügel.

Beerenpflanzen: Beliebt bei Sandbienen

Die Blüten der Stachelbeeren (Blüte von April bis Mai) bieten sehr viel Nektar, sagt Flügel. Das macht sie zum Beispiel für die fuchsrote Sandbiene interessant.

 Auch der Zitronenfalter ist ein häufiger Gast an der Stachelbeere. Brombeeren und Himbeeren eigneten sich ebenfalls hervorragend für einen insektenfreundlichen Garten. „Und von den Früchten haben wir Menschen ja auch noch etwas.“ Johannisbeerblüten würden im Gegensatz zu den anderen Beerenpflanzen etwas weniger Nektar bieten.

Blasenstrauch: Nahrung auch noch später im Jahr 

Auf eines ist Flügel in seinem Garten besonders stolz: den Blasenstrauch. Der blüht vom Mai bis in den Herbst hinein und bietet Insekten so auch noch spät im Jahr eine gute Nahrungsquelle.

An dem Blasenstrauch ist gerade eine Holzbiene zugange.

Blattschneiderbienen und Holzbienen findet man häufig an diesem winterharten Strauch, der mit seinen rötlichen, aufgeblasenen Früchten und seinen gelben Blüten äußerst dekorativ aussieht. Das Gehölz aus Südeuropa wird etwa zweieinhalb Meter hoch und bietet sich genau wie Weißdorn, Wildrose und Faulbaum gut als Heckengewächs an.

Ackerwitwenblume: Besonders viel Nektar

Flügel hat in seinem Garten eine Wiese gespickt mit Ackerwitwenblumen, die zur Familie der Geißblattgewächse gehören. 

Eine Honigbiene saugt gerade den Nektar aus einer Blüte der bei allen Insekten beliebten Ackerwitwenblume. 

„Sie ist mein Favorit. Sobald die Sonne scheint, ist hier richtig was los.“ Die Pflanzen bieten äußerst viel Nektar und Blütenstaub. Die Hauptblütezeit ist Juli bis August. Die Pflanze blüht in einem hellen Violettton.

Kräuter und Blumen: Gerüche locken Schmetterlinge an 

Ein gemischter Kräutergarten biete Insekten viel Nahrung, so Flügel. Salbei, Lavendel, Rosmarin oder Oregano ziehen mit ihren Gerüchen Schmetterlinge magisch an.

Zwölf Bienenarten ernähren ihre Brut ausschließlich von Glockenblumen-Pollen, erklärt Flügel. Deshalb dürften sie in keinem Garten fehlen. Über 300 Glockenblumenarten gibt es. Sie blühen etwa von Juni bis August in den Farben Weiß, Blau und in Violetttönen. Manche Arten bieten männlichen Bienen mit ihren hängenden Blütenköpfen ein lauschiges Plätzchen für die Nacht.

Hummeln markieren abgeerntete Blüten

Wenn eine Hummel den Nektar einer Blüte abgeernet hat, dann setzt sie einen duftenden Markierungspunkt, erklärt Hans-Joachim Flügel. 

Die Hummeln, die danach zu den Blüten fliegen, riechen das und müssen dadurch gar nicht in die Blüte fliegen, um nachzuschauen, ob die Blüte abgeerntet ist. Nach einiger Zeit verfliegt der Duft. Bis dahin hat auch die Pflanze neuen Nektar in der Blüte produziert. Gut im Team arbeiten auch die Bienen.

Die intelligenten Tiere schwärmen früh morgens aus und erkunden, wo neue Blüten aufgegangen sind, erklärt Flügel. Die Bienen fliegen dann zurück zum Stock und teilen ihre Entdeckungen mit. „Die Bienen können den anderen die Richtung der Blüten, die Entfernung, den Duft und den Geschmack mitteilen.“

Wollbienen greifen auch Vögel an

Wer Wollbienen anlocken will, der könnte sich Wollziest in den Garten pflanzen. Die Pflanze verdankt ihren Namen dem flauschigen Besatz auf ihren Blättern.

Sie blüht etwa von Juli bis August. Wollbienen bauen ihr Nest, wie ihr Name schon vermuten lässt, mit Wolle. Diese schaben sie von den Blättern des Wollziest ab, rollen die Wolle zu einer Kugel unter ihrem Bauch zusammen und fliegen damit zum Nest. Entdeckt eine männliche Wollbiene einen Wollziest, dann kommt es vor, dass die Biene diese Pflanze zu ihrem Territorium erklärt und gegen Eindringlinge verteidigt. 

„Ich habe sogar schon gesehen, dass eine Wollbiene auf einen Vogel losgeflogen ist, weil dieser an dem Wollziest vorbeigeflogen ist“, sagt Biologe Hans-Joachim Flügel. Die männlichen Wollbienen haben am Hinterleib Dornen. Wenn sie auf ihren Feind zufliegen, drehen sie sich kurz vorher blitzschnell um und rammen ihm die Dornen in den Leib. „Ich finde unter dem Wollziest häufig betäubte Honigbienen. Die berappeln sich aber wieder nach einiger Zeit.“

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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