Halt geben im Krisenfall

Porträt: Gudrun Ostheim koordiniert die Notfallseelsorge im Schwalm-Eder-Kreis

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Gudrun Ostheim: Sie ist die neue Koordinatorin der Notfallseelsorge im Schwalm-Eder-Kreis. 

Schwalm-Eder. Wenn es einen schweren Unfall gibt, rücken nicht nur Polizei und Rettungsdienste aus – auch ein Notfallseelsorger kommt zur Unglücksstelle.

„Wir sprechen mit den Leuten und versuchen, ihnen Halt zu geben“, erklärt Pfarrerin Gudrun Ostheim aus Sipperhausen. Sie ist seit einem Jahr die Beauftragte für Polizei- und Notfallseelsorge im Schwalm-Eder-Kreis und wurde kürzlich in einem Gottesdienst offiziell ins Amt eingeführt.

Hingehen, wo Not ist

„Fast jeder ist froh, wenn er nach einer Notsituation jemanden hat, der einfühlsam ist und für einen da ist – egal, ob man gläubig ist oder nicht“, sagt Ostheim.

Besonders Unfälle mit Todesfolge seien für andere Unfallbeteiligte, Ersthelfer und Angehörige eine Extremsituation. Da könne es vorkommen, dass auch religiöse Menschen mit ihrem Glauben haderten. „Die Klage ist aber etwas Urmenschliches und gehört zum Glauben dazu. Wenn die Leute dann konstant von Seelsorgern begleitet werden, verstärkt das häufig ihre Bindung zum Glauben langfristig.“

Deswegen hat Ostheim, die seit 1991 Pfarrerin der Gemeinde Sipperhausen ist, schon immer Wert auf diese Art der Seelsorge gelegt. Nicht jedem Pfarrer falle das leicht – weil es bei Unfällen mitunter schwer verdauliche Anblicke zu sehen gebe.

Wie zum Beispiel bei dem Unfall auf der A 7, bei dem vor drei Wochen ein Lkw-Fahrer vom Auto einer holländischen Familie erfasst wurde.

„Grundsätzlich sind wir aber natürlich im Umgang mit Tod und Sterben ausgebildet. Wo Not ist, müssen wir hingehen.“

Koordinatorin

In ihrer Funktion als Koordinatorin für die Polizei- und Notfallseelsorge pflegt Ostheim nicht nur Kontakte zu Polizei und Rettungsdiensten. Sie ist auch zuständig, wenn Mitarbeiter von Polizei und Rettungsdiensten seelsorgerische Betreuung wünschen.

Ablauf im Notfall

Die Notfallseelsorge ist grundsätzlich die Aufgabe des Pfarrers der jeweiligen Gemeinde. Zwei Pfarrer pro Kirchenkreis haben Bereitschaftsdienst. Die Kirchenkreise: Fritzlar-Homberg hat rund 40 Pfarrstellen, Melsungen rund 20 und Ziegenhain rund 30. In wechselnden Schichten sind die Pfarrer mit einem Piepser oder Notfallhandy ausgestattet und werden bei Bedarf von der Notfall-Leitstelle alarmiert. Sie versuchen dann zunächst, den Pfarrer vor Ort zu erreichen. Wenn das nicht gelingt, fahren sie selbst zur Unglücksstelle. Pro Jahr gibt es laut Ostheim in einem Kirchenkreis etwa 25 Einsätze für die Notfallseelsorger.

Neben der Betreuung am Notfall- oder Unglücksort begleiten die Seelsorger die Polizeibeamten auch dann, wenn diese die Nachricht von einem Todesfall an Angehörige überbringen müssen.

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