Schulsozialarbeit im Schwalm-Eder-Kreis ist gerettet

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Auf der Kippe: Bereits im Jahr 2009 machte das Land Anstalten, sich aus der Finanzierung zurückzuziehen. In Gudensberg gingen gegen die Pläne hunderte Schüler auf die Straße.

Schwalm-Eder. Die Schulsozialarbeit in Hessen ist gerettet. Das gab das hessische Kultusministerium gestern bekannt. Für die 19 Sozialpädagogen im Schwalm-Eder-Kreis und die 15 im Landkreis Waldeck-Frankenberg geht es auch über den 31. Juli hinaus weiter.

Zu diesem Termin war den 34 Pädagogen im Schulamtsbezirk gekündigt worden. Bis zuletzt hatten sich Land und Kommunen nicht über eine Finanzierung einigen können. Bei einem Gespräch im Staatlichen Schulamt in Fritzlar haben sich das hessische Kultusministerium, der Schwalm-Eder-Kreis und der Landkreis Waldeck-Frankenberg auf eine Vereinbarung zur künftigen Finanzierung und Organisation von Schulsozialarbeit verständigt.

 „Wir freuen uns sehr, dass nun eine Einigung erzielt worden ist“, erklärten Kultusminister Professor Dr. Ralph Alexander Lorz, der Erste Kreisbeigeordnete des Schwalm-Eder-Kreises, Winfried Becker, und der Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg, Dr. Reinhard Kubat. Einigung über Finanzierung „Im politischen Ziel sind wir uns seit langem einig: Schulsozialarbeit ist notwendig, hat eine wichtige, präventive Aufgabe und soll auch weiterhin Bestand haben.“ Nun sei auch eine Einigung über die Finanzierungsdetails aufgrund der neuen rechtlichen Erfordernisse erfolgt, sagte Lorz.

Die 19 Schulsozialarbeiter im Schwalm-Eder-Kreis erhielten kurz vor Weihnachten ihre Kündigungen zum 31. Juli 2015: Die gute Nachricht ist, dass es für sie ab dem 1. August weitergeht. Der Mustervertrag sei so gut wie fertig, berichtet Waltraud Credé, Leiterin des Staatlichen Schulamtes Fritzlar. Denn künftig werden die Pädagogen nicht mehr beim Land, sondern beim Landkreis als Schulträger angestellt sein. Träger wird aber weiterhin der Starthilfe Ausbildungsverbund sein.

Die Einigung zwischen Land und Landkreis hing bis zuletzt an der unklaren künftigen Finanzierung. Nach dem neuen Modell bleibt es bei der Drittelfinanzierung von Land, Landkreis und Kommune.

Allerdings, so berichtet Karl-Adam Stiebeling, Schulleiter der Dr.-Georg-August-Zinn-Schule in Gudensberg, ändere sich beim Länderanteil etwas. Bisher hatte das Land seinen Anteil auf die Schulen abgewälzt. Diese hatten die 6,75 Stunden für die Sozialarbeiter aus ihrer allgemeinen Lehrerzuweisung bestreiten müssen. „Wir greifen künftig nicht mehr in den Topf allgemeine Lehrerzuweisung, sondern in den Topf Ganztag“, sagt Stiebeling. Da die Beruflichen Schulen kein Ganztagsprogramm haben, greifen sie aufs große Schulbudget zurück. Das große Schulbudget ist die 105-prozentige Lehrerversorgung. Von dieser knapsen sie die 6,75 Stunden ab. „Wir benötigen zwar noch die Beschlüsse der Schulkonferenz, dass wir die Töpfe tauschen, aber das ist eine Formalie. Alle wollen die Schulsozialarbeit“, sagt Stiebeling.

Aber Stiebeling kritisiert noch mal das Vorgehen des Landes, das die Hängepartie verursacht hatte: „Wenn sich nicht so viele Menschen für die Schulsozialarbeit eingesetzt hätten, dann wäre der ursprünglich geplante Erlass des Kultusministeriums durchgesetzt worden. Dann hätten wir als Schulen die Schulsozialarbeit alleine finanzieren müssen“, sagt er. Dies wäre ein massiver Eingriff in das Schulbudget gewesen - für die Schulsozialarbeit hätten fast alle Angebote wie die Hochbegabtenförderung, die zusätzliche Förderung für schwache Schüler und das AG-Angebot reduziert oder eingestellt werden müssen.

Wegen der Koppelung an das Ganztagsangebot ergebe sich jetzt aber eine langfristige Perspektive für die Pädagogen, sagt Credé. Die Frage in den Schulkonferenzen laute künftig nicht mehr Sozialarbeit ja oder nein.

Seit 2008 teilen sich das Land Hessen, die Kommunen und der Landkreis die Finanzierung der Schulsozialarbeit. Los ging es damals mit acht Schulen - ohne Gymnasien. Mittlerweile sind im Schulamtsbezirk mehr als 30 Schulen bei der Schulsozialarbeit dabei. Bezahlt werden allerdings nur 25 Wochenarbeitsstunden.

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