Standorte für neue Masten stehen bereits fest

Weiße Flecken beim Mobilfunk im Schwalm-Eder-Kreis

Die Mobilfunkabdeckung im Schwalm-Eder-Kreis ist ein Flickenteppich: Das belegt beispielsweise der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI).

In den Mittelzentren und entlang der Bundesstraßen bieten demnach die drei deutschen Anbieter Telekom, Vodafone und Telefonica (O2) im Schwalm-Eder-Kreis mehr oder weniger eine flächendeckende Abdeckung –von Telekom und Vodafone meist sogar auf LTE-Niveau. Das bedeutet, dass theoretisch Geschwindigkeiten von bis zu 225 MBit/s möglich sind. Der Breitbandatlas weist indes auch einige Funklöcher und schlecht abgedeckte Gebiete im Landkreis aus. Insbesondere kleinere Orts- und Stadtteile mit wenig Einwohnern, Gebirgsregionen und Täler haben große Lücken in der Mobilfunknetzabdeckung.

Um Spangenberg und Günsterode, im Knüll und um Gilserberg (jeweils alle Netze) werden nur bis zu zehn Prozent der Flächen mit mobilem Breitbandnetz versorgt.

Die Mobilfunkanbieter sprechen von einer nahezu flächendeckenden Mobilfunkversorgung in Hessen. Volker Petendorf, Sprecher von Vodafone: Man habe in Hessen die Zahl der Basisstationen auf rund 1900 Standorte gesteigert. „Davon befinden sich etwa 70 Stationen im Landkreis“, sagt Petendorf. Es gebe aber noch einiges zu tun, um weiße Flecken zu schließen. Sieben neue Masten seien für die kommenden Jahre geplant, um insbesondere die LTE-Versorgung zu erhöhen. Diese liege aktuell bei 88 Prozent im Landkreis.

Von der Planung bis zur Nutzung eines Mobilfunkmastes dauere es etwa zwei Jahre, auch wegen der langwierigen Genehmigungsverfahren, sagt George McKinney von der Telekom-Pressestelle.

Idealerweise stehe eine erschlossene Infrastruktur wie ein hohes Gebäude zur Verfügung, sagt Jörg Borm, Sprecher von Telefonica. (ddd/lth)

Fünf Standorte für neue Masten stehen bereits fest

Fünf der sieben neuen Standorte der Vodafone-Masten stehen bereits fest. So werden in den kommenden zwei Jahren die LTE-Leistung und somit auch alle Basisdienste verbessert in den Städten und Gemeinden: Borken, Homberg, Neukirchen, Schwalmstadt und Bad Zwesten. Das teilt der Vodafone-Sprecher mit. Das Land Hessen und die Mobilfunkunternehmen hatten im September eine Vereinbarung unterzeichnet, die vorsieht, dass das Land mit 50 Millionen Euro den Bau von 300 von 1100 geplanten Masten an Standorten finanziert, die für die Anbieter nicht wirtschaftlich sind. Statt wie im hessischen Landtagswahlkampf angekündigt bis Ende 2020 soll die Beseitigung aller weißen Flecken in Hessen bis 2024 abgeschlossen sein. Die Förderrichtlinie für nicht wirtschaftliche Standorte von Mobilfunkmasten wird derzeit erarbeitet. (ddd/czi)

Viele Dörfer ohne Netz

Deutschlandweit wird bei der Mobilfunkversorgung zurzeit bereits über eine Bandbreite von 5G diskutiert, also von Datenübertragungsraten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde. Im Schwalm-Eder-Kreis wären jedoch viele Mobilfunknutzer froh, wenn sie wenigstens 2 Megabit pro Sekunde hätten und mit dem Handy überall telefonieren könnten – aber die Realität sieht immer noch anders aus. Es sind vor allem die Randbereiche im Landkreis, die weiterhin schlecht bis gar nicht mit Mobilfunk versorgt sind – etwa in nicht wie dünn besiedelten Waldgebieten rund um Spangenberg, in Richtung Kellerwald oder im Knüllgebirge. Das zeigt auch die Karte des Breitbandatlases des Bundesministeriums für verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), die man im Internet einsehen kann.

„Wir haben im Unterdorf keinen Empfang“, sagt etwa Petra Platte vom Wartberg-Verlag in Gudensberg-Gleichen. Für den auch international tätigen Verlag bedeutet das einen erheblichen Nachteil. Und für alle Einwohner dieses Dorfbereichs, dass sie in Sachen Telefonverbindung Pech gehabt haben. Wer im Fritzlarer Stadtteil Rothhelmshausen mit seinem Smartphone telefonieren will, muss bis hoch an den Waldrand gehen – dort hat er vielleicht eine Chance auf eine minimale Funkverbindung. Ansonsten: totes Handy. Manchmal gar kein Netz, und wenn, dann höchsten eine sehr geringe Verbindungsqualität haben die Menschen in Züschen. Das bestätigt eine Mitarbeiterin der Unternehmensberatung Kneier Consult, die im Schloss Garvensburg ihren Sitz hat. Verbindungen zumindest über 3G oder 4G? Davon träumt man dort. Wenn eine Verbindung da ist, dann nur über E gleich EDGE ohne schnelle Datenübertragung.

Im Jesberger Ortsteil Densberg kommt es darauf an, in welchem Teil des Dorfes man wohnt. Bürgermeister heiko Manz hat Glück, viele andere Densberger können mit ihrem Handy noch nicht einmal telefonieren, geschweige denn, im Internet surfen.

Laut aktuellem Breitbandatlas sieht die Netzabdeckung für UMTS (größer als 1 Mbit/s) und LTE (größer als 2 Mbit/s) im Schwalm-Eder-Kreis in den zentralen Bereichen zwischen Niedenstein, Guxhagen, Fritzlar, Wabern, Borken, Homberg bis Schwalmstadt und Neukirchen gar nicht so schlecht aus. Es gibt einige kleinere Funkloch-Gebiete, die wie Sommersprossen im Landkreis verteilt sind.

Die größten schlecht versorgten Gebiete im Landkreis liegen rund um Spangenberg mit seinen Stadtteilen, um die Ortsteile von Knüllwald und in Willingshausen. Das bestätigen auch die Kommentare vieler Facebook-Nutzer, die wir auf der Seite der HNA Schwalm-Eder nach ihren Erfahrungen gefragt hatten.

Umfrage auf Facebook: Über 210 Nutzer äußerten sich zum Mobilfunk

Die Mobilfunkanbieter, ob Telekom, Vodafone oder O2, sprechen von guter bis sehr guter Netzabdeckung im Schwalm-Eder-Kreis – aber wie sieht die Realität aus? „Wir wüssten gerne, ob bei euch alles funktioniert“, schrieben wir auf der Facebook-Seite der HNA Schwalm-Eder und hofften auf Reaktionen der Nutzer. Nicht vergeblich: Über 210 Stimmen meldeten sich binnen kurzer Zeit, viele davon gaben auch Kommentare ab, die die Situation beleuchten. Bei 142 Nutzern hieß es: Hier geht gar nix, bei 72 ist der Empfang offenbar tipptopp. Nicole aus Niedenstein und Sabrina aus Körle sind mit ihrem Mobilfunknetz offenbar sehr zufrieden. Dafür sind Brigitte aus Wiera und Maria aus Treysa, Andre aus Spangenberg und Frank aus Guxhagen gar nicht glücklich mit der Situation.

Insgesamt erreichte die kleine Umfrage auf unserer Facebook-Seite 4655 Personen innerhalb von knapp 24 Stunden, es kam zu 347 Interaktionen. Ein Beweis dafür, dass das Thema viele Menschen bewegt.

Wie schon vermutet, sind es viele Spangenberger, die klagen: „In Spangenberg-Pfieffe braucht man kein Handy, kein Netz“ schreibt Heidrun Mildenberger, und André Sennhenn schreibt: „Spangenberger Ortsteile wenn überhaupt nur O2 und E-plus, wenn nicht sogar komplett tot“. Und Stephanie Gebhardt ergänzt: „Absolut nix! Besonders toll, wenn man einen Unfall hat“. Da habe es bei Günsterode schon Probleme gegeben, den Rettungsdienst zu erreichen.

„In Obergrenzebach im Tal Funkstille, weiter oben an den Hängen Empfang so la la“, meint Manfred Rininsland, „Frielendorf mit Vodafone ganz schlecht“, ergänzt Daniela Ela, „Großropperhausen ganz schlecht bis nix“, erlebt auch Franzi Hi.

„In Edermünde-Grifte ist die Netzabdeckung von Vodafone seit dem Frühjahr mangelhaft“, meint Nimsaj WS, „in Homberg-Hülsa kein O2, seit Wochen, wird auch noch eine Weile dauern laut Anbieter, den man übrigens nur auf Umwegen ans Telefon bekommt!“, beschwert sich Maria Nohl. Auch Sondheim, Unter- und Oberempfershausen, Niederbeisheim werden genannt, Funklöcher wurden von Ingo Schütz registriert in Gudensberg, Niedenstein und Bad Emstal. Es bleibt die Erkenntnis: Abhängig vom Netzbetreiber gibt es zahllose schlecht versorgte Bereiche im Landkreis, auch dort, wo Menschen wohnen und arbeiten.

Danny Stieglitz aus Wabern fasst zusammen: „Ist echt traurig, dass es in einem Land wie Deutschland noch Funklöcher gibt. Das ist fast einzigartig im Vergleich.“ (ula)

Die Situation im Altkreis Ziegenhain

Mit Blick auf den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) zeigt sich auch der Altkreis Ziegenhain als Mobilfunkflickenteppich. Wirklich guten Empfang hat man in der Regel nur in Städten und größeren Ortsteilen.

Wie wohl überall ist die Netzabdeckung aber auch immer abhängig vom jeweiligen Anbieter. Während es in Schwalmstadt bei UMTS nach Angaben des BMVI eine 95-prozentige Netzabdeckung gibt, sieht es beispielsweise in den Knüllgemeinden Oberaula und Olberode an vielen Stellen buchstäblich düster aus – zumindest was den UMTS-Empfang angeht.

Eine bessere Mobilfunkversorgung gibt es mit LTE, hier ist der Abdeckungsgrad im Vergleich zu UMTS zumindest laut Breitbandatlas wesentlich besser.

Wobei man beim Studium der BMVI-Landkarte auch hier durchaus einige kuriose Entdeckungen machen kann: Während es zum Beispiel rund um Michelsberg eine fast 95-prozentige LTE-Abdeckung geben soll, gibt es mitten im Ort ein Funkloch, in dem die Verfügbarkeit lediglich zwischen zehn und fünfzig Prozent liegt. Ähnlich sieht es in Loshausen und Leimsfeld aus. In dem Frielendorfer Ortsteil liegt ein LTE und UMTS Funkloch sogar mitten auf die das Dorf durchschneidenden Bundesstraße 254 und sorgte wohl schon bei vielen Autofahrern für das abrupte Ende von Telefongesprächen. Zusammengefasst kann man sagen, dass in topografisch schwierigen Gegenden des Altkreises mit Wäldern, Hügeln und Tälern der Mobilfunkempfang schlecht ist.

Besonders Flächengemeinden wie Gilserberg und Frielendorf sind betroffen. Um überall in der Gemeinde erreichbar zu sein benötige man eigentlich Handys von drei verschiedenen Netzanbietern, ärgert sich Bürgermeister Thorsten Vaupel: „In Großropperhausen soll jetzt erst einmal ein weiterer Mast aufgestellt werden.“

Probleme gibt es auch in Gilserberg: Ist die Netzabdeckung im Kernort noch relativ gut, so geht in den umliegenden Ortsteilen der Hochlandgemeinde, wie zum Beispiel in Winterscheid und Lischeid, oft gar nichts mehr. Das Thema brenne den Bürgen auf den Nägeln, weiß Gilserbergs Büroleiter Horst Dippel: „Das geht einem ja selbst so.“

Um die Situation zumindest ein Stück weit zu verbessern, wird in Gilserberg jetzt technisch aufgerüstet: Ein bereits vorhandenen Mast sowie ein Funkmast für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bekommen Sendeanlagen für Mobilfunk. Darüber hinaus gibt es im Hochland konkrete Überlegungen, eine Windkraftanlage am Molkeberg als Standorte für eine Sendeanlage zu nutzen. Man erhoffe sich durch diese drei konkreten Maßnahmen eine spürbare Verbesserung, erklärt Bürgermeister Rainer Barth.

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