Schwalm-Eder-Kreis veröffentlicht Fallzahlen nach Kommunen

Landkreis zieht Corona-Bilanz: 6000 Menschen von Kurzarbeit betroffen

ARCHIV - 23.04.2020, ---: Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test- Einrichtung gehalten. (Illustration zu dpa: "Corona-Ausbruch nach Treffen in Restaurant in Niedersachsen vermutet") Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
+
Symbolfoto eines Corona-Teststäbchens.

Die meisten bestätigten Coronafälle im Schwalm-Eder-Kreis hat es mit 121 in Schwalmstadt gegeben. Bisher hat die Kreisverwaltung aus datenschutzrechtlichen Bedenken keine Fallzahlen aus den Kommunen veröffentlicht. Die Haltung wurde jetzt gelockert.

Nach einer Anfrage der Grünen-Fraktion im Kreistag habe man den hessischen Datenschutzbeauftragten um eine Einschätzung gebeten, sagte Jürgen Kaufmann. Der Erste Kreisbeigeordnete präsentierte während des Kreistages eine umfangreiche Bilanz der Coronakrise. Der Datenschutzbeauftragte hatte unter der Bedingung keine Bedenken, dass nur Zahlen aus Kommunen mit mehr als 1000 Einwohnern und mehr als zehn Corona-Fällen veröffentlicht werden. Das gilt für positiv getestete Einwohner und für coronabedingte Todesopfer gleichermaßen.

Zwei Drittel aller 37 Todesfälle seien in Alten- und Pflegeheimen registriert worden, sagt Kaufmann. Nur eines der Opfer im Landkreis sei jünger als 60 Jahre gewesen.

Zwei große Corona-Ausbrüche gab es in Altenheimen. In Gudensberg starben demnach 14 Personen mit oder an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Für Schwalmstadt legte die Kreisverwaltung keine Zahlen vor, demnach waren es weniger als zehn Todesopfer, die es dort zu beklagen gab.

Trotz der insgesamt hohen Fallzahlen sei man vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen, sagt Kaufmann. Stand Montag waren 544 Personen seit Beginn der Pandemie positiv getestet worden, aktuell infiziert sind 18 Menschen. Die 7-Tages-Inzidenz liegt bei zwölf.

Gerade weil der Landkreis schmerzhaft habe erfahren müssen, wie groß die Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Menschen sei, appelliere er an alle, weiterhin vorsichtig zu sein. Solange es keinen Impfstoff und keine Medizin gebe, bestehe die Gefahr weiter, sagte Jürgen Kaufmann

Bis November stehen dem Landkreis zwei Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts zur Verfügung. Dies seien in der Regel besonders geschulte Medizinstudenten, die den Gesundheitsämtern dabei helfen sollen, Kontaktpersonen schneller und effektiver nachzuverfolgen.

Der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann hat in der Kreistagssitzung von Montag eine Aufarbeitung präsentiert. Nachfolgend sind einige wichtige Ereignisse zusammengefasst.

  • Der Beginn: Am 27. Januar und damit vor fünf Monaten erreichte das Coronavirus Sars-CoV-2 Deutschland. Das Risiko einer weltweiten Pandemie wurde noch einen Monat später, am 28. Februar vom Robert-Koch-Institut als gering eingeschätzt. Zu diesem Zeitpunkt verbreitete sich das Virus bereits im Kreis Heinsberg. Am 27. Februar beorderte Kaufmann die Leitung des Fachbereichs 53 Gesund aus dem Urlaub beziehungsweise Weiterbildung zurück. Zur Information der Bevölkerung wurde eine erste Telefon-Hotline im Gesundheitsamt eingerichtet.
  •  Erste Fälle im Landkreis: Ab dem 4. März gab es eine Ambulanz im Gesundheitsamt für Abstriche. Ein Container wurde gemietet, ein Drive In sollte geöffnet werden.
  • In den Klassenräumen mit Waschbecken wurden Seife und Einmalhandtücher verteilt. Die Kassenärztliche Vereinigung lehnte ein Testcenter im Landkreis ab. Auf Intervention des Kreises kam es am 16. März dann doch. Am 12. März gab es die ersten bestätigten Fälle im Landkreis. Ab da habe sich der Landkreis im Krisenmodus befunden, sagt Kaufmann.
  •  Im Krisenmodus: Im Testzentrum wurden in der Hochphase im März/April etwa 50 Personen pro Tag, bis Mitte Mai etwa 30 bis 35 Personen pro Tag getestet.
  • Ab dem 11. März stellten die Kliniken im Landkreis weitere Behandlungskapazitäten für Covid-19-erkrankte Patienten zur Verfügung. Die Kapazitäten erhöhten sich erneut, da das Land selektive Behandlungen verbot. Die Weltgesundheitsorganisation stufte die Epidemie zu einer weltweiten Pandemie hoch. Seit dem 12. März tagte der Krisenstab 53 mal und neun Konferenzen mit den Bürgermeistern. Seit dem 13. März sind Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen untersagt.
  • Ab dem 16. März hatten alle Schulen und Freizeiteinrichtungen des Kreises geschlossen. Die Fallzahlen stiegen an. Denn am 7. März hatten Heimkehrer aus Skigebieten das Kneipenfest in Treysa besucht und dabei unwissentlich weitere Personen infiziert. Am Tag darauf wurden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden untersagt.
  • Die Zahl der Verdachtsfälle stieg in nahezu allen Bundesländern zum Teil sprunghaft an. Am 31. März gab es 161 positiv Getestete, 1045 Personen mussten sich im Laufe des Monats März in Quarantäne begeben. Die Kreisverwaltung hatte zu diesem Zeitpunkt alle Hände voll damit zu tun, die Kontaktwege nachzuvollziehen. Aus verschiedenen Abteilungen wurden dazu Mitarbeiter zusammengezogen. Laut Vorgabe des Bundes sind fünf Mitarbeiter für jeweils 20 000 Einwohner abzustellen. Um die Pandemie zu stoppen, wurde eine Vielzahl von Verfügungen erlassen wie die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln und Einrichtungen geschlossen. In den folgenden Wochen ab dem 21. April schwächte sich das Infektionsgeschehen nach und nach ab.
  • Die aktuelle Situation: Die Kreisverwaltung öffnet ab den Sommerferien für Publikumsverkehr, die Jugendämter haben seit Mitte Mai ihren Außendienst wieder aufgenommen, die Zunahme von Inobhutnahmen von Kindern ist ausgeblieben, die Schulen und Kindergärten kehren nach den Ferien in den Regelbetrieb zurück. Die Arbeitslosenquote hat sich um etwa einen Prozentpunkt verschlechtert und im Landkreis waren zeitweilig mehr 6000 Menschen von Kurzarbeit betroffe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.