Der Selbstversuch mit Video und Outdoor-Tipps

Nur mit Isomatte und Schlafsack: Meine fast schlaflose Nacht im Wald

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HNA-Redakteurin Verena Koch war zu Beginn des Abends im Wald noch relativ entspannt. Doch das hat sich im Laufe der Nacht geändert.

Schlafen unter freiem Himmel klingt an sich sehr romantisch. In der Realität sieht das allerdings etwas anders aus. Wie es ist, sich den Schlafplatz mit Mäusen, Schnecken und anderen Waldbewohnern zu teilen. Ein Selbstversuch.

Obwohl ich in Kirchhof, einem kleinen Dorf im Schwalm-Eder-Kreis, mitten im Grünen aufgewachsen bin, bin ich heute weit entfernt davon, ein echtes Naturmädchen zu sein. Nicht falsch verstehen: Ich bin wirklich gern draußen unterwegs. Allerdings nur, wenn nicht gerade irgendetwas an mir herumkrabbelt, es zu kalt ist - und mir wird schnell zu kalt - oder mir Dreck unter den Fingernägeln hängt. Warum auch immer, das Gefühl treibt mich schon seit Kindertagen in den Wahnsinn. 

Bei der Idee vom Schlafen draußen dachte ich zuerst an Lagerfeuer-Romantik unterm Sternenhimmel. Bei der Recherche wurde ich allerdings schnell eines Bessern belehrt - denn Lagerfeuer ist prinzipiell nur mit einer Genehmigung der zuständigen Forstbehörde erlaubt. Zudem gibt es bei einer Nacht im Freien noch einiges mehr zu beachten. Was erlaubt ist, welches Equipment ihr braucht und was es bei der Wahl des Schlafplatzes zu beachten gibt, wird weiter unten im Artikel erklärt.

Für meinen Selbstversuch habe ich mein Bett gegen einen Schlafsack - blöderweise mit kaputtem Reißverschluss - und zwei Isomatten auf dem Waldboden in der Nähe von Melsungen getauscht. Rund um meinen Schlafplatz gab es Mäuse, Nacktschnecken, Spinnen und zahlreiche andere Krabbeltiere inklusive. Den Gedanken an all die kleinen Tierchen hatte ich im Vorfeld erfolgreich verdrängt - und auch, dass meine Wohlfühl-Temperatur auch im Sommer nachts schnell unterschritten wird. Wie es mir ergangen ist, erfahrt ihr im Video:

Nach der fast schlaflosen Nacht bin ich auch jetzt noch ein bisschen stolz auf mich. Immerhin habe ich mindestens nur halb so viel gejammert wie ursprünglich gedacht - und das nicht nur vor der Kamera. Sogar den unfreiwillig innigen Kontakt mit einer Nacktschnecke habe ich mit Fassung genommen, was mich immer noch am meisten überrascht. Nicht einmal mein kaputter Schlafsack hat mich allzu sehr aus der Fassung gebracht. 

Ganz offensichtlich hat die Natur eine sehr beruhigende Wirkung. Ohne Handy-Empfang oder ein Haus in der Nähe, dafür aber mit Glühwürmchen, Vogelgesang und Sternenhimmel sieht man definitiv alles etwas lockerer. Auch der Alltagsstress war für mich selten weiter entfernt als in dieser Nacht. Vor lauter Lauschen in den Wald bleibt dafür auch gar keine Zeit.  

Alles in allem also ein unvergessliches Erlebnis. Wiederholung? Vielleicht.

Schlafen im Wald: Was erlaubt ist und was nicht

Wer eine Nacht unter freiem Himmel im Wald verbringen möchte, muss auch ein paar rechtliche Dinge beachten. Geregelt ist das in den jeweiligen Landeswaldgesetzen. Danach ist sowohl in Hessen als auch in Niedersachsen das Betreten des Waldes zur Erholung grundsätzlich erlaubt.  Das heißt allerdings nicht, dass man dort auch einfach übernachten darf. "Es ist zwar nicht eindeutig erwähnt, ob die Übernachtung im Wald, ob Schlafsack oder Wanderhütte, dem Erholungszweck dient, dies wird jedoch nach allgemeiner Auslegung des Paragrafen verneint", erklärt Dieter Schorbach von Hessenforst. Praktisch bedeutet das: Wer im Wald oder auf einer Waldwiese schlafen möchte, muss vorher den Waldbesitzer um Erlaubnis fragen.

Welches Equipment brauche ich?

Auch wenn die Nacht unter freiem Himmel möglichst einfach gehalten werden soll, ist die richtige Ausrüstung Pflicht. Christoph Maretzek, Ausbildungsleiter beim Internationalen Wildnisführerverband (IWV), erklärt, was für Gemütlichkeit und Gesundheit mit sollte. Mit seinen 40 Jahren Outdoor-Erfahrung weiß er, wovon er spricht. 

Die Ausrüstung:

  • Drei-Jahreszeiten-Kunstfaserschlafsack (wenn der Schlafsack etwas dünner oder schon etwas älter ist, bietet sich eine dünne Fleece- oder Seideneinlage an)
  • Isomatte aufblasbar oder ausrollbar
  • Stirnleuchte
  • Erste-Hilfe-Set
  • Alufeldflasche oder Kunststoffflasche
  • kleines Arbeitsmesser (eine Klinge von 8 bis 10 Zentimetern reicht da vollkommen aus)
  • Löffel
  • Tasse
  • Essschüssel (oder nur eine große Tasse)/ gegebenenfalls ein kleines Schneidbretchen und ein sauberes Tuch

Die Kleidung:

  •  sollte wetterangepasst sein
  • Socken zum Laufen und zum Wechseln
  • normale Unterwäsche
  • ein Pulli für abends ist angenehm
  • ob kurze oder lange Hose ist Geschmacks- und Wettersache (mit Hinblick auf Zecken sind lange, helle Hosen allerdings von Vorteil)
  • ein Halstuch für windige Tage oder um nachts den Hals abzudecken
  • Gamaschen sind im Sommer zwar schweißtreibend, bieten aber auch eine gute Zeckenabwehr
  • Kopfbedeckung
  • dünne Arbeitshandschuhe
  • die Schuhe sollte ins Gelände und zum Thema passen

Weitere Outdoor-Tipps vom Profi gibt es auf der Internetseite TREKK'N Guide.

Generell gilt: Es muss nicht die teure Marken-Luxus-Ausstattung sein. Was man einpacken sollte, ist davon abhängig, was genau man machen möchte, wo man hin will, wie das Wetter ist und wie fit man ist. "Es ist nicht die Ausrüstung, die den Kerl oder die Kerline ausmacht. Sie hilft nur", sagt der leidenschaftlicher Winter- und Nordlandfan, der außerdem auch geprüfter Wildnis- und Bergwandführer, zertifizierter Trekking-Guide ist und  die Guide-Academy-Europe gegründet hat. 

Blick auf einen Großteil der Ausrüstung für den Selbstversuch. 

Was auf jeden Fall nicht mit zu der Nacht im Freien darf, ist ein Gaskocher. "Genau betrachtet ist die Nutzung eines Kochers auch an Rastplätzen und Bänken in Wald und Flur nahezu überall genauso verboten wie eine Feuerstelle", erklärt Maretzek. Wer auf warmes Essen dennoch nicht verzichten möchte, kann auf eine Thermoskanne aus Edelstahl zurückgreifen. Die einfach vor dem Start der Tour mit kochendem Wasser füllen und später über das Expeditionsessen gießen - fertig ist die warme Mahlzeit in der Natur.

Und noch ein letzter Tipp für Wiederholungstäter: "Es gibt einen alten Satz für Trekker: Was du auf Tour zweimal nicht gebraucht hast, lass' das nächste Mal getrost daheim", erklärt Maretzek. Ausgenommen sind dabei selbstverständlich das Erste-Hilfe-Set oder Sicherungen fürs Klettern.

Was sind die Gefahren im Wald?

Auch wenn es in Waldgebieten Wildschweine, Rothirsche oder manchmal sogar Wölfe gibt, stellen diese in der Regel keine allzu große Gefahr dar. "Sie alle können unangenehm werden, meiden uns aber aus Erfahrung meist schnell und weiträumig", erklärt Maretzek. Zumindest so lange sie nicht bedrängt werden. 

Ohnehin gibt es in den deutschen Wäldern kaum Gefahren. Zu den wenigen Risiken gehören Baumbruch oder Pflanzen, an denen man sich verätzen oder vergiften kann, wie dem Riesenbärenklau. 

Insekten wie Zecken, Spinnen und Mücken können Krankheiten übertragen. Dazu kommen Krankheiten wie Fuchsbandwurm, Tollwut, Wundstarrkrampf oder dem von Rötelmäusen übertragenen Hantavirus.

Der Leitsatz für eine Nacht im Freiem: Schau' dich um, hör' hin und höre in dein Inneres.

Wie finde ich den richtigen Schlafplatz?

Wenn man erst einmal die Erlaubnis des jeweiligen Waldbesitzers hat, ist die restliche Schlafplatzsuche ein Kinderspiel. Der Outdoor-Experter rät: Einfach einen Blick nach oben und unten werfen. Ist Totholz, ein halb umgefallener Baum oder eine Stromleitung zu sehen, ist es nicht der ideale Platz. Auch ein Bachbett - selbst wenn es trocken ist - ist nicht als Schlafplatz geeignet. Beim Blick nach unten außerdem auf Tierspuren achten, damit man sein Lager nicht auf den gewohnten Pfaden der Waldbewohner aufschlägt.

Passt alles, steht der eigenen Nacht unter freiem Himmel nichts mehr im Weg.

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