Tochter sexuell missbraucht: 41-Jähriger muss ins Gefängnis

Wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter ist ein 41-jähriger Mann aus dem Kreisteil Melsungen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Außerdem muss er der heute 18-jährigen Frau 15.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Mann musste sich vor dem Landgericht Kassel verantworten.

Richter Dreyer ließ in seiner Urteilsbegründung keinen Zweifel daran, dass die Schilderungen des Opfers glaubwürdig sind. Der Angeklagte hatte die Taten abgestritten, so dass Aussage gegen Aussage stand. Doch die Jugendstrafkammer folgte bis ins Detail der Anklage von Staatsanwältin Dr. Susanne Sprafke, die fünf Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte. Selbst Verteidiger Nils Weigand hatte für eine Freiheitsstrafe plädiert.

Mädchen war neun Jahre alt 

Mit hochrotem Kopf, aber ausdruckslosem Gesicht hatte der Angeklagte den Urteilsspruch gehört. Seine Tochter stand derweil nur wenige Meter entfernt als Nebenklägerin auf Seiten der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal.

Neun Jahre war das Mädchen alt, als sich der Angeklagte im Sommer 2006 erstmals an ihr vergriffen hatte, bilanzierte der Richter. Sechs Jahre dauerte das Martyrium des Kindes, das den Vater in dieser Zeit ungezählte Male mit der Hand und oral befriedigen musste.

Als Zeugin und auch zuvor bei früheren Aussagen hatte die junge Frau zahlreiche Details des Missbrauchs geschildert. Der Richter: „So ein komplexes Geschehen kann sich niemand ausdenken, ohne es erlebt zu haben.“ Viele Aspekte sprächen dafür, dass die Zeugin die Wahrheit sage.

Dies hatte zuvor auch die Diplom-Psychologin Ilse Bretschneider ausgesagt. „Die Aussagen ergeben ein schlüssiges Bild“, erklärte die Gutachterin. Das Mädchen sei zerrissen von Schuldgefühlen, weil es dem Vater ja eigentlich nicht schaden, andererseits ihm aber auch nicht länger zu Willen sein wollte.

Die bis heute nachwirkenden Folgen des Missbrauchs für die junge Frau bewertete das Gericht als strafverschärfend. Der Vater habe ihr das Versprechen abgerungen, sie solle sich „für ihn aufheben“, berichtete Richter Dreyer. Vermutlich habe er auch die 16-jährige Schwester missbraucht. Die allerdings machte vor Gericht von ihrem Aussage-Verweigerungsrecht Gebrauch. „Ich kann das nicht“, sagte das Mädchen im Zeugenstand. Die Ehefrau des Angeklagten hatte ausgesagt, von dem Missbrauch nichts mitbekommen zu haben.

Strafverschärfend wurden auch die zahlreichen Vorstrafen des dreifachen Vaters wegen Diebstahls, Betrugs und Unterschlagung bewertet. Zudem hatte er 2010 seinen damals zehnjährigen Sohn mit einer brennenden Zigarette gequält, was mit einer Freiheitsstrafe geahndet worden war.

Weil das Gericht keine Fluchtgefahr sah, wurde der 41-Jährige am Ende der Verhandlung bis zum Haftantritt auf freien Fuß gesetzt.

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