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Unterricht mit Abstand: So war der Schulstart für die Abschlussklassen im Altkreis Melsungen

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Der Unterricht findet für die Abschlussklassen wieder statt: An der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen tragen die Schüler (von links) Salvatore Mingrone, Lea Schmidt, Julian Schmidt, Lisa Vogt und Anka Dethof Mundschutz.

Melsungen – Für 559 Schüler der Abschlussklassen an weiterführenden Schulen hat gestern im Altkreis Melsungen wieder die Schule begonnen.

 Allerdings unter besonderen Bedingungen: mit Mindestabstand zu Lehrern und Mitschülern, mit Masken und mit noch mehr Händehygiene.

Schon der Weg in die Schulen war neu. Erstmals seit Wochen sind die Linienbusse wieder im Schulbusverkehr unterwegs gewesen. Keine besonderen Vorkommnisse, meldet Kreissprecher Stephan Bürger. Die Busfahrer seien angehalten, auf die Einhaltung der Abstandsregelungen zu achten.

Der Linienverkehr sei nach den Ferien wieder im Normalbetrieb. Alles andere als Normalbetrieb herrscht hingegen an den Schulen im Landkreis. Organisatorisch ist dort vieles neu und für Lehrer und Schüler ungewohnt. Aber Dirk von Sierakowsky, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) in Melsungen, sagt: „Es hat uns eine Stück gefühlte Normalität zurückgegeben.“

90 Oberstufenschüler der Q2, also die frühere zwölfte Jahrgangsstufe, werden an der GSS in den Leistungskursen sowie Deutsch und Mathe als Grundkurs unterrichtet. Die Versorgung von Schulamt und Landkreis mit Masken, Desinfektionsmitteln, Seife und Papierhandtüchern sei gut, sagt Schulleiter von Sierakowsky.

Sein Kollege von der Melsunger Gesamtschule, Dr. Matthias Bohn, war überrascht, wie gut sich die Schüler an die Abstandsregeln gehalten haben. An seiner Schule findet nun wieder Unterricht für drei Abschlussklassen statt. „Die Schüler sind sehr froh, dass sie ihren Abschluss machen können“, sagt Bohn, „und die Lehrer freuen sich, ihre Schüler wieder von Angesicht zu Angesicht sehen zu können und nicht nur online zu unterrichten.“

Ebenso empfindet es Hans Jürgen Werner, kommissarischer Schulleiter der Integrierten Gesamtschule in Guxhagen. 100 Schüler werden dort aktuell unterrichtet. Die hätten am Morgen noch ein wenig bedrückt gewirkt. Die Situation sei für alle unwirklich gewesen. Die Schüler seien auf viele Klassenräume verteilt und es gebe ein Wegekonzept. Schwierigkeiten habe es keine gegeben. Der Start mit einer reduzierten Schülerzahl sei sehr sinnvoll. So lasse sich einiges erproben. Gerade die älteren Schüler kämen mit der Situation gut zurecht.

In den kommenden Wochen gelte es auch, die Schüler stark zu machen für das Lernen zu Hause.

Wie sieht es an den anderen Schulen aus, die noch ältere Schüler haben, dem Oberstufengymnasium und den Beruflichen Schulen?

GSS Melsungen

Dirk von SierakowskySchulleiter GSS

Der erste Tag sei gut gelaufen, sagt Dirk von Sierakowsky, Schulleiter des Melsunger Oberstufengymnasiums. Am Morgen habe er per Durchsage nochmal auf die wichtigsten Regeln hingewiesen und die Schüler gebeten, Mund-Nasen-Masken in den Pausen, auf den Gängen und, wenn möglich, in den Klassenräumen zu tragen.

Die 90 Schüler der Q2, also die frühere 12. Jahrgangsstufe, wird seit gestern jeweils 20 Wochenstunden unterrichtet: in den Leistungskursen sowie in Deutsch und Mathe als Grundkurs. Die Tische stehen in weitem Abstand zueinander, die Schüler eines Kurses sind auf zwei Räume verteilt, der Lehrer wechselt hin und her. „Das hat gestern gut geklappt“, sagt Schulleiter von Sierakowsky.

Komplizierter ist das Unterrichten im Fach Sport. Da lernen die Schüler, wie sie ihre Leistungsfähigkeit verbessern können und prinzipielle Trainingslehre – aber alles eben nur in der Theorie. Denn alle Sporthallen und -plätze sind geschlossen.

Am 25. Mai beginnen die mündlichen Abiturprüfungen. Bis zum 3. Juni werden dann nochmal mehr Schüler in der GSS sein. Ob an den Prüfungstagen die Q2-Schüler eventuell zuhause bleiben müssen, oder wie der Schulalltag in der Prüfungszeit organisiert wird, das ist noch nicht entschieden. „Wir entscheiden von Woche zu Woche.“

RSS Melsungen

Markus GilleSchulleiter RSS

220 Schüler starteten am Montag wieder in den Unterricht an der Radko-Stöckl-Schule, darunter acht Abschlussklassen aus dem Bereich der Fachoberschule und zehn Abschlussklassen im Bereich der dualen Berufsausbildung. „Obwohl wir so viele Schüler haben, lief es sehr diszipliniert ab“, erzählt Schulleiter Markus Gille.

Fast alle Schüler seien am Morgen mit Mundschutz erschienen. Die Türen zum Schulgebäude und zu den Klassenräumen seien bereits vor Schulbeginn geöffnet worden, damit keine Klinken berührt werden mussten. Auch auf den nötigen Abstand im Klassenzimmer sei geachtet worden und selbst die Anzahl der Toilettenkabinen habe die Schulleitung begrenzt.

„Jeder Klassenraum verfügt zudem über ein Waschbecken und glücklicherweise haben wir vom Schulträger auch ausreichend Desinfektionsmittel erhalten“, berichtet Gille, der am Morgen in allen Klassen persönlich vorbeigeschaut hat, um sich bei den Schülern für ihr Verständnis zu bedanken und sie über das weitere Vorgehen zu informieren. Von Gilles Lehrer-Kollegen seien die meisten in der Schule gewesen. Etwa 20 Prozent der Lehrkräfte hätten jedoch Homeschooling betrieben, weil sie zur Risikogruppe zählen.

IGS Guxhagen

Hans-Jürgen WernerSchulleiter IGS

Die Einhaltung der Abstandsgebote würden gut eingehalten, sagt Hans Jürgen Werner, kommissarischer Schulleiter an der Integrierten Gesamtschule in Guxhagen (IGS). Insbesondere in den Pausen seien dafür aber viele Lehrer notwendig. Als sehr sinnvoll, bezeichnet der Schulleiter die Entscheidung der Länder mit einer reduzierten Schülerzahl zu beginnen.

Er selbst habe sich sehr gefreut, die Schüler wiederzusehen. Die Schüler aber untereinander ganz offenbar auch. Es sei etwas völlig anderes, die Schüler persönlich zu unterrichten. Vor allem im persönlichen Kontakt könne man die Schüler stärken für die Lernsituation zu Hause.

Es sei jetzt unmöglich, die volle stoffliche Intensität zu bringen. „Aber unser Schulsystem bietet den Schülern auch im nächsten Jahr in neuen Klassen und Systemen, die Möglichkeit, Dinge aufzuholen“, sagt Werner.

Es könne in den kommenden Monaten nicht mit 110 Prozent gearbeitet werden. Die emotionale Situation der Schüler sei eine besondere und werde natürlich berücksichtigt. Weniger sei da mehr.

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