Spangenberg

16 Millionen Euro für Umbau: B. Braun investiert in Spangenberger Standort von Avitum

Transport per Knopfdruck: Özlem Muhaciroglu, Teamleiterin in der Kabel- und Sensorenfertigung im Werk V, zeigt, wie sie das fahrerlose Transportsystem anfordert.
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Transport per Knopfdruck: Özlem Muhaciroglu, Teamleiterin in der Kabel- und Sensorenfertigung im Werk V, zeigt, wie sie das fahrerlose Transportsystem anfordert.

Der Umbau des Avitum-Standortes in Spangenberg ist abgeschlossen. 16 Millionen Euro hat der Melsunger Medizintechnikhersteller B. Braun nach eigenen Angaben investiert.

Spangenberg – Das Unternehmen hatte die Liegenschaft im Januar 2018 gekauft und die Gebäude der ehemaligen Druckerei Schreckhase modernisiert und auf seine Bedürfnisse angepasst.

„Wir wollten das bestehende Gebäude auch im Sinne der Nachhaltigkeit nutzen“, sagt Werksleiter Axel Roddewig.

300 Mitarbeiter arbeiten im Werk V in drei Schichten und stellen mechatronische und elektronische Komponenten für Infusionspumpen und Dialysegeräte her, die unter anderem im Melsunger Werk W und in Tuttlingen zusammengebaut werden, erläutert Roddewig.

Produziert wird in Spangenberg auf 10 500 Quadratmetern in sieben Hallen. Mit dem Erwerb des 47 000 Quadratmeter großen Schreckhase-Geländes wurde der Anschluss ans bestehende Werk B geschaffen.

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Die Fertigungsbereiche im Werk V seien so optimiert und angeordnete worden, dass sie dem Warenfluss entsprächen, sagt Roddewig.

Über ein autonom fahrendes Transportsystem können die Mitarbeiter die benötigten Waren aus dem Wareneingang anfordern beziehungsweise fertig Komponenten zum Warenausgang transportieren lassen.

Zudem hätten die Mitarbeiter die Arbeitsplätze selbst entwickelt und Arbeitstische, Transportwagen und vieles mehr gebaut. „Die Mitarbeiter und der Betriebsrat waren von Anfang an eingebunden“, sagt Roddewig. Der Mensch im Mittelpunkt sei das Leitmotto für Werk V.

In den Hallen gibt es deshalb mittig zweigeschossige Teaminseln, in denen im unteren Teil Büros und im oberen Sozialräume untergebracht sind. Die werden für Pausen, Besprechungen sowie Videokonferenzen genutzt.

Außerdem gibt es im ehemaligen Verwaltungsgebäude eine Kantine, Umkleide- und Waschräume. Auf dem Gelände können die Mitarbeiter ihre E-Bikes aufladen und es gibt Schließfächer für Helme. „Das waren alles Ideen, die aus der Belegschaft kamen“, sagt der Werksleiter.

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Nahezu geräuschlos fährt das fahrerlose Transportsystem FTS durch die Hallen des Werkes V. An den sogenannten Bahnhöfen holt es fertige Komponenten ab oder bringt von den Mitarbeitern angeforderte Bauteile zur weiteren Verarbeitung aus dem Wareneingang.

Was genau gebraucht wird, das sehen die Mitarbeiter auf großen Monitoren in den Hallen. „So haben wir direkt den Überblick, was gebraucht wird“, sagt die Teamleiterin Logistik in der Kabel- und Sensorfertigung, Özlem Muhaciroglu.

Sie hält das System, das den Bedarf an Komponenten und Bauteile für alle Mitarbeiter visualisiert, für eine gute Lösung. „Dadurch fühlt sich jeder Mitarbeiter verantwortlich“, sagt die 44-Jährige.

Verantwortung wird den Mitarbeitern im Werk V in Spangenberg auch bei der Gestaltung der Arbeitsplätze übertragen. „Zu 80 Prozent haben die Mitarbeiter ihre Arbeitsbereiche selbst entwickelt und gebaut“, sagt Werksleiter Axel Roddewig.

Unterstützung bekommen sie dabei in der LEAN-Werkstatt – LEAN kommt aus dem Englischen und steht laut B. Braun für die japanische Produktionsphilosophie der schlanken Produktion (Konzentration auf die Wertschöpfung) und des stetigen Verbesserungsprozesses.

Mario Schneider unterstützt mit Workshops bei Planung und Umsetzung der Ideen.

Bei den Mitarbeitern komme die Möglichkeit zur Mitgestaltung sehr gut an – und gleichzeitig fördere sie den Spaß an der Arbeit.

„Wir wollen jeden Tag besser werden“, sagt Schneider. Jeder Mitarbeiter, dem etwas auffällt, das besser laufen könnte, kann dies täglich notieren und einen Lösungsvorschlag machen, sagt Schneider.

Doch nicht nur die Arbeitsplätze wurden nach den Vorstellungen der Mitarbeiter gestaltet, auch bei Kantine, Umkleide- und Waschräumen war die Belegschaft miteinbezogen. Die Räume sind freundlich, hell und lichtdurchflutet.

Das Konzept für das Werk V habe man ganz ohne externe Berater erstellt, sagt Axel Roddewig, sondern mit einem internen Projektteam, an dem unter vielen anderen auch der Betriebsrat beteiligt war. (Barbara Kamisli)

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