Bestattungen in Coronazeiten: Es gibt für Angehörige und Bestatter strengere Regeln

Das Virus hat Abschied nehmen verändert

Nadine und Marco Theis vom Bestattungsunternehmen Theis berichten  über Bestattungen in Coronazeiten.
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Ihre Arbeit hat sich durch Corona verändert: Nadine und Marco Theis vom Bestattungsunternehmen Theis in Spangenberg.

Die Corona-Pandemie hat viele Lebensbereiche und Arbeitsumfelder geändert. Auch Bestattungen laufen ganz anders ab, als in der Zeit vor Corona. Wir haben mit Bestatter Marco Theis über die Veränderungen gesprochen.

Corona ist bei Bestattungen immer ein Thema. Dabei spielt keine Rolle, ob der Verstorben an Covid-19 erkrankt war oder nicht. Denn das Virus schränkt das Abschiednehmen in vielen Situationen ein. „Es fängt schon damit an, dass man den Angehörigen das Beileid nicht mal mehr mit der Hand ausdrücken kann oder sie in den Arm nehmen kann“, sagt Bestatter Marco Theis.

Trauergespräche werden mit Maske geführt. „Da lässt sich natürlich die Mimik der Gesprächspartner nicht so gut erkennen“, sagt Theis. Doch gerade das sei eigentlich bei so sensiblen Gesprächen sehr wichtig.

Schlimmer als der fehlende Händedruck und die Maskenpflicht sei aber die Tatsache, dass Trauernde, deren Angehörige an oder mit einer Covid-19-Infektion gestorben sind, nicht mehr richtig Abschied nehmen könnten.

Da nicht klar sei, ob das Virus auch nach dem Tod noch übertragen werden könne, gelten auch für die Bestatter im Umgang mit Covid-19-Verstorbenen besondere Hygieneregeln.

„Wir tragen die komplette Schutzkleidung“, sagt Theis. Schutzanzug, Schutzbrille, Handschuhe, Maske und Schuhüberzieher. Der Tote muss außerdem in ein sogenanntes Bodypack gelegt werden, eine Art Schutzhülle, bevor er umgebettet werden kann, sagt Theis. Außen wird der Sarg desinfiziert und darf nicht mehr geöffnet werden. Ein Abschiednehmen ist bei Coronatoten deshalb nur am geschlossenen Sarg möglich. „Das ist für die Angehörigen sehr belastend“, sagt Theis.

Stirbt jemand, ist es in der Regel auch in Coronazeiten so, dass sich die Angehörigen am geöffneten Sarg noch mal verabschieden können, bevor dieser ins Krematorium transportiert wird oder zur Erdbestattung auf den Friedhof, sagt der 39-Jährige, der das Bestattungsunternehmen von seinem Vater übernommen hat. „Immer zu zweit können Angehörige derzeit in unseren Abschiedsraum.“

„90 bis 95 Prozent entscheiden sich mittlerweile für eine Feuerbestattung“, sagt Theis. Das sei aber schon vor Corona so gewesen.

Er und seine Frau Nadine, die mit im Unternehmen arbeitet, haben aber festgestellt, dass seit Corona die Vorsorgegespräche zugenommen haben. „Die Menschen beschäftigen sich durch Corona mehr mit dem Thema“, ist Nadine Theis’ Eindruck. Von der Musik bis zum Grabredner, die Art des Grabes, der Bestattung oder des Grabsteins – das alles kann schon zu Lebzeiten bestimmt werden und wird in einem Vertrag festgelegt.

Doch seit es die Pandemie gibt, ist vieles nicht mehr möglich. „Es darf ja zum Beispiel nicht gesungen werden“, sagt Theis.

In die Kapelle dürfe nur die Familie. „Maximal 20 Personen, die anderen Trauergäste müssen draußen bleiben.“ Für diese werde die Trauerfeier per Lautsprecher übertragen. Alle Teilnehmer müssen sich in Listen eintragen. Es besteht Maskenpflicht.

Seine Arbeit als Bestatter hat sich in diesem Bereich durch Corona ebenfalls verändert. Auf dem Friedhof müssen Desinfektionsmittelspender stehen, die Kapelle muss nach der Trauerfeier gelüftet und die Stühle oder Bänke desinfiziert werden. „Auf den kleineren Dörfern machen wir das“, sagt Theis. In größeren Orten übernehmen das die Städte und Gemeinden. Auch auf dem Friedhof muss Theis darauf achten, dass die Trauergäste die Abstände einhalten. „Das ist natürlich keine angenehme Situation, um jemanden auf Hygieneregeln anzusprechen“, sagt Theis. (Barbara Kamisli)

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