Internet-Anbieter verschickt Kündigungen

Ärger mit der Telekom in Nausis: Kunden surfen im Schneckentempo

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Nausis hat Ärger mit der Telekom: Horst Blumenstein (links) und Stefan Martin ärgern sich über die Telekom-Kündigungen und die Internetleitungen mit geringem Datenvolumen. Im Bild stehen sie am Verteilerkasten in der Ortsmitte.

Spangenberg. Eigentlich soll Nausis ein Dorf mit Zukunft sein, so steht es zumindest auf einem Schild am Ortseingang. Auch die Telekom will neue Möglichkeiten der Zukunft bieten und verschickt Kündigungen an die Kunden.

Angekündigt werden schnelleres Internet und IP-Telefonie, also Telefonieren über Rechnernetze. Fakt ist: Das Internet wird in Nausis deutlich langsamer – von 2300 auf 384 Kilobit pro Sekunde, und das Telefonieren stört den Internetbetrieb. Das sorgt für viel Ärger und viele individuelle Fälle in dem Spangenberger Stadtteil.

Fall 1: Der Unternehmer

Stefan Martin, 48, ist Chef eines Heizungs- und Sanitärbetriebs in Nausis und hat vier Mitarbeiter. Bislang hatte er eine Datenübertragung von 2300 Kilobyte pro Sekunde, „damit war ich zufrieden“. Seit März wurde er mehrfach aufgefordert, seinen bisherigen Tarif zu kündigen.

Als ihm gedroht wurde, dass seine Internetleitung abgeschaltet würde, nahm der Unternehmer das neue Vertragsangebot der Telekom an, weil ihm garantiert wurde, dass die Verbindung nicht schlechter werden würde. Fakt war: Er hatte nur noch eine Datenübertragung von 384 Kilobyte. Der Unternehmer hatte große Probleme, denn Materialbestellung, Kontakt mit Großhändlern, Anträge für den Austausch eines Gaskessels gehen ausschließlich online.

„Aber wenn man eine Seite im Internet aufruft, und plötzlich kommt ein Telefonanruf“, sagt Martin, „dann bricht das Internet ab.“ Nach Beschwerde wurde sein Anschluss wieder auf die analoge Version umgestellt – und dennoch wurde sein Internet zum 29. November abgeschaltet.

Mittlerweile arbeitet er mit dem Richtfunk der Firma Ackermann und Pfetzing aus Herlefeld, die bis zu 55 Megabit pro Sekunde anbieten. Noch telefoniert Unternehmer Stefan Martin über die Telekom.

Fall 2: Der Vorsitzende

Horst Blumenstein ist Vorsitzender des Schützenvereins Nausis und auch auf das Internet angewiesen. Bestandsmeldungen und Ergebnisse der Rundenwettkämpfe müssen an den Schützenverband gemailt werden. „Früher hatte ich eine Übertragungsleistung von 0,97 Mbit pro Sekunde, was auch schon sehr wenig ist“, sagt Blumenstein, „mit dem neuen Tarif habe ich nur noch 0,38 MBit.“ Blumenstein hat letztendlich die Kündigung des alten Vertrags unterschrieben. Denn die Telekom teilte ihm mit, dass sonst sein alter Anschluss zum 3. Januar 2018 abgeschaltet werde.

Fall 3: Der Rentner

Ein Nausiser, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist einen anderen Weg gegangen. Er hatte einen Vertrag mit einer Datenübertragung von 2,3 Mbit/s – eine Kündigung hätte ihm 0,384 Mbit/s und IP Telefonie gebracht. Damit wollte sich der Rentner nicht abfinden und schrieb im Juni einen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Timotheus Höttge. Darin heißt es: „Ich bin 40 Jahre lang Kunde und mit schlechtem DSL zufrieden, jetzt wollen Sie das noch mal drosseln – das kann ich nicht verstehen.“

Plötzlich bekam er einen Anruf von einer Telekom-Mitarbeiterin, die ihm mitteilte, dass sein Vertrag erst einmal zurückgestellt werde und alles für ihn bleibe wie bisher. Der Grund: die Vorstandsbeschwerde. Wie lange sein alter Vertrag Bestand hat, weiß er nicht.

Wunsch der Nausiser

Alle drei Betroffenen wollen eigentlich ihre alten Tarife behalten bis Glasfaserkabel nach Nausis verlegt werden. Damit es schnelles Internet geben kann und Nausis wirklich ein Dorf mit Zukunft ist.

Warum werden die Verträge der Telekom gekündigt? 

Das Telekom-Netz soll auf IP umgestellt werden, um zu vermeiden, dass mehrere Technologien nebeneinander existieren. Damit sollen viel Energie und weitere Kosten vermieden werden, teilt Hubertus Kischkewitz, einer der Telekom-Pressesprecher, mit. „Die Wartung veralteter Technik, etwa von ISDN-Anschlüssen, wird schwieriger, da Ersatzteile auch seitens der Hersteller bald nicht mehr verfügbar sind.“ Zwei Drittel aller Anschlüsse in Deutschland seien schon umgestellt.

Warum sind die Verbindungen in Nausis nach der Umstellung noch langsamer? 

Das hängt mit der Länge der Kupferanschlussleitung von Telekom-Netzknoten in Spangenberg-City bis ins Haus zusammen, sagt Kischkewitz. „So ergeben sich aktuell Bandbreiten unter 1 MBit/s.“ Fakt ist: Für die Kunden in Nausis gibt es nur zwei Möglichkeiten: kündigen und den neuen Vertrag mit schlechteren Übertragungsleistungen annehmen oder ihr Telekom-Internetanschluss wird abgeschaltet.

Wie sollen etwa Gewerbetreibende mit 0,384 Mbit/s arbeiten? 

„Das müssen sie nicht“, sagt Kischkewitz, „für Gewerbebetriebe bieten wir an jedem Standort über Individualangebote schnelle Bandbreiten bis hin zu einem Glasfaserdirektanschluss an.“ In Nausis gibt es noch gar kein Glasfaserkabel und damit auch keine schnelle Internetverbindung.

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